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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 6)

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kommen lässt. Durch besondere Schönheit zeichnen sich zwei Hals- 
geschmeide aus, das eine aus Edelsteim, Krystall- und Korallenkugeln 
zusammengesetzt, in welche Pflanzenornamente aus Goldfäden und kleinen 
Steinen eingelegt sind, das andere mit rechteckigen Goldplättchen behängt, 
die abwechselnd mit dem schönen Email von Dschepur (durchsichtige 
Farben, vorzugsweise Roth, auf weißem Grunde) überzogen und mit 
ebenfalls durchsichtigem grünen Schmelz gleichsam lasirt sind. Neben 
diesen verdient ein Brustschmuck genannt zu werden, dessen Gold in 
der bei den Siamesen und Cochinchinesen beliebten Art roth gefärbt ist. 
Der Schmuckarbeit weiter nachgehend, finden wir, so wenig es an 
Anhenkern u. dgl. aus früherer Zeit gebricht, die reichste Ausbeute unter 
den Erzeugnissen des vorigen Jahrhunderts, der Stilperiode, welche sich 
des Zusammenhanges mit der Renaissance kaum noch bewusst und noch 
nicht der Reaction unter dem ersten Kaiserreich erlegen war, unter deren 
traditionellem Einßusse wir in der Juwelierkunst noch heute - oder 
heute wieder? - stehen. Auch der entschiedenste Gegner des Rococo 
muss anerkennen, dass die damaligen Goldschmiede und Juweliere aus 
Metall und Steinen sehr anmuthige Gebilde zu schaffen wussten; und 
hier eben ist ein Feld, auf welchem diese Ausstellung getrost den Ver- 
gleich mit früheren aufnehmen darf. 
An den Schmuck im engeren Sinne reiht sich die große Menge 
zierlicher Kleinigkeiten, welche der eleganten Welt jener Zeit unent- 
behrlich waren und deren Gestaltung und Verzierung nicht nur dem 
Geschmack und der Kunstfertigkeit, sondern auch der Farbenlust immer 
noch Gelegenheit zur Bethätigung gewährten, als die Goldschmiedekunst 
im Großen sich bereits auf das reine Silber beschränkt sah und in dessen 
Eintönigkeit höchstens durch Poliren und Mattireu einige Abwechslung 
zu bringen vermochte. Wie die Ausstattung des Toilettentisches der 
Damen und auch der Herren mit Büchschen, Fläschchen und allerlei 
Geräthschaften, die Taschenbestecke aller Art, die Moschusbüchschen 
und Bonbonnieren, die Uhren und Notizbücher u. dgl. m. einer aus- 
gebreiteten Industrie Beschäftigung gaben und die Künste des Model- 
lirens, Gießens, Treibens, Ciselirens - wiewohl das Stanzen schon eine 
wichtige Rolle spielte -, ferner die Schmelzmalerei - wiewohl nur auf 
ihrer spätesten Entwickelungsstufe -- lebendig erhielten, das wird uns 
in zahlreichen Beispielen vergegenwärtigt. 
Auch für die Anwendung des Rococo auf die Gefäßbildenerei, kirch- 
liche und weltliche, fehlt es nicht an Belegen. Im Vordergrunde steht 
hier die Augsburger fabriksmäßige Arbeit, welche damals alle Höfe mit 
Tafelgeschirr versorgte. Auch wirkliches Mobiliar aus Silber, sonst nur 
in fürstlichen Schlössern zu sehen, Tische, Sessel, Spiegel, dazu schwere 
Lichtträger verschiedener Größe, Tafelaufsätze u. A. 111., Dinge, deren 
kalte Pracht immer kälter und steifer wird, je näher ihre Entstehungszeit 
unserem Jahrhundert liegt. Nirgends vermissen wir mehr die Farbenzuthat
	        

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