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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 2)

auch an den Kopftüchern und sonstigen Kleidungsstücken mit nicht selten 
verschwenderischer Pracht. 
Wie viel Grazie, wie viel Würde, wie viel Freude und wie viel 
Stolz sehen wir nicht in der Hausindustrie vereinigt! Wer, der nur 
einmal näher zugeblickt hat, könnte den bildenden Einfluss und culturellen 
Werth leugnen, welchen die kunstsinnigen Gebilde der Hausindustrie 
hervorbringen? Was der angeborene Kunstsinn dern Volke offenbaren 
kann, das legt es in die Hausindustrie und bringt es zum Ausdruck in 
Kleidung, l-Iausgeräthe, wie in sinnigem selbsterzeugten Schmuck. Dabei 
versammelt sich die Familie zu fleißiger gemeinsamer Arbeit und ab und 
zu in festlicher Tracht zur religiösen Feier, zu Tanz und Gesang. 
Die Nationalökonomie und Culturpolitik muss, denn sie kann es, 
Mittel finden, um die Hansindustrie, an das Vorhandene weise anknlipfend, 
rationell zu entfalten. 
In gar mannigfachen Beziehungen wirkt die Hausindustrie wohl- 
thätig, darum muss sie erhalten und gepßegt werden. Es wäre eine kurz- 
sichtige Culturpolitik gegenüber den kosmopolitischen Tendenzen der 
Eisenbahnen und der Fabriksmaschinen, die Arbeitskraft des Einzelnen, 
des Mitbilrgers im Staate rücksichtslos erlahmen zu lassen, statt hilfreich 
beizuspringen, um dem Bauernstande menschliche Existenzfähigkeit zu 
sichern. 
An Sinn und Verständniss für die Hausindustrie fehlt es ja nicht, 
allein die hiebei sich ergebende schwierigste Frage ist noch nicht günstig 
gelöst, nämlich die Frage der richtigen Organisirung des staatlichen und 
gesellschaftlichen Vorgehens auf administralivem und kaufmännischem 
Gebiete. Hoffen wir, dass dies recht bald gelinge. Bis dahin aber wollen 
wir nicht erkalten in der Sympathie mit dem Volke und seiner eigen- 
artigsten Arbeit, der Hausindustrie. 
Die Stellung des Kunstgewerbes zum Fabriks- 
betrieb. 
Von F. v. Feldegg. 
(Schluss) 
Als Beispiel dafür, wie enorm langsam technische Neuerungen in 
früheren Zeiten ihren Weg machten, kann der Umstand angeführt werden, 
dass die ersten Stecknadeln, statt der alten Holzstifte, in England im 
Jahre 1343 in Gebrauch kamen, während erst 200 Jahre später, nämlich 
im Jahre 1542 - die Geschichte hat sogar das Datum dieses großen Er- 
eignisses bewahrt: am 3. Februar - die ersten Stecknadeln in Paris 
bekannt und als Wunder angestaunt wurden. 
Ein anderes, wenn auch weniger drustisches Beispiel ist es, wenn 
uns berichtet wird, dass Heinrich ll. von Frankreich im Jahre 1547, die
	        

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