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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 40)

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die so hiiufig von Dilettanten betrieben wird. Bei der Laubsägearbeit wird in der Regel 
das herausgeschnittene Stück nicht ersetzt. 
Zu diesen Arbeiten verwendet man nur harte, sehr politnrfiihige Hölzer. Wo die 
Naturfarben derselben nicht ausreichen, hilft man durch Beizen und Färben nach. Die 
zu diesen Arbeiten nöthigen Sägen haben eine außerordentliche Güte erreicht. 
Die westasiatischen Volksstärnme, die Assyrer und Babylonier, welche Palmem, 
Cedern-, Ebenholz etc. bei ihren Möbeln verarbeiteten, kannten bereits das „Einlegen" 
des Holzes und verpiianzteu diese Kunst auch nach Aegypten. 
Besondere Ausbildung und Pflege erhielt die Holzmosaik bei den Indern, Japanesen 
und Chinesen, von denen sie heute noch in unübertroifener Weise geübt wird. Die Aus! 
wshl huntfarbigeu Holzes und das Elfenbein unterstützen sie nicht wenig. 
Die Griechen mögen die eingelegte Arbeit von ihren Nachbarn, den Westasiaten, 
gelernt haben; sie kam häufig zur Anwendung, besonders bei Tischplatten und Bettstellen. 
Ahorn und Buchsbaum bildete das Hauptmuterial. 
Von altrömischen Holzarbeiten hat sich nichts irgend Bemerkenswerthes erhalten, doch 
sprechen iiir die hohe Ausbildung dieses Handwsrkszweiges einestheils mannigfache Ab- 
bilder von zweifellos hölzernen und wie es scheint reich ausgestattet gewesenen Zierrathen, 
anderntheils zuverlässige Nachrichten einiger alten Schriftsteller selbst. Zu diesen letz- 
teren gehört namentlich, was unter anderen Plinius von dem seit dem überseeischen Handel 
bei vornehmen Römern üblichen Luxus gerade mit solchen, vornehmlich von Asien ein- 
geführten Mobilien berichtet, wo er ausdrücklich als Beispiel erwähnt, dass Cicero (keines- 
wegs einer der reichsten) fir einen Tisch von nur rnässigem Umfang aus afrikanischem 
(Jypressenholz (dem sogenannten „Citruß der Alten) eine Million Sesterzien, etwa 7l.500 
preuss. Thaler, bezahlte. 
Italien ist das Land, wo die Holzmosaik zur höchsten Bliithe gelangte. Die herr- 
lichen Leistungen der Frührenaissance bis zu den schweren Bravourstiicken der Venetinner 
im I6. und I7. Jahrhundert bilden noch heute Muster für die Marqueteriaarheit. 
Wenngleich auch die Deutschen nach dem ll. Jahrhundert anüngen, die Holzmosaik 
zu üben und manches Bemerkenswerthe in der eingelegten Arbeit leisteten, einen Gar- 
giulio in Sorrent haben sie nicht aufzuweisen. 
Die hervorragendsten Leistungen der neueren Zeit in dieser Richtung hat Pranke 
reich aufzuweisen, welches auch heute darin unbestritten den ersten Rang einnimmt. 
Charmois und Lemsrinier sowie Marcelin in Paris sind Meister in diesem Fache. 
Die Parquetenfahrication, die sich hier anreiht, ist heute Gemeingut aller europäi- 
schen Völker. 
In neuester Zeit macht man in Paris Fussböden aus Holzmosaik im engsten Sinne 
des Wortes, die man auf Asphalt auflegt. 
Durch Weben von Holzfiiden mit Draht oder Zwirn werden von dem Wiener 
Industriellen Johann Schnberth Holzstode hergestellt und zu Rouleaux, Ofenschirmen, 
Tischdecken etc. verarbeitet. 
Die Holzfüdcn werden so wie der Zündholzdrnht mit dem Hobel erzeugt. Die 
billigen Schuberth'scheu Fabricate haben sich in kurzer Zeit den Weltmarkt erobert. 
Es wäre nun meine Aufgabe, um das Thema zu erschöpfen, über die Verwendung 
des Holzes in der Msroqninerie, zu Musikinstrumenten, zu Stöcken und Billardqneues, 
zur Mauchliue-Waare, zu Knöpfen u. dgl. n1. zu sprechen, wo Messer und Säge sich 
gegenseitig unterstüueu zu tausendfiiltigem Zwecke. Wir haben jedoch noch Wichtigeres 
zu erledigen und zwar die Anwendung der Biegsamkeit des Holzes, und des Holzes 
als Bestandtheil plastischer Massen. 
Die bis zur Flechtharkeit gesteigerte Biegsamkeit der Weidenlweige und des Rohres 
gab Veranlassung zu einer Industrie der Holzflechterei, auch Korbflechterai, 
welche bis zur Kunstindustrie sich entwickelt und es bei Möbeln in Deutschland und Ca- 
nada und bei Nippsachen etc. in Paris und München zu einer ziemlichen Höhe und Be- 
deutung gebrscht hat. 
Die Thonefscheu Möbel, eine österreichische Spezialität, verdanken ihren Ursprung 
der Biegsamkeit derHölzer, namentlich des einheimischen Bnchenholzes nach dem Dämpfen. 
Im Jahre 1854 ist es gelungen, die Biegung, die man früher blos mit Schienen durch- 
führte, welche dann zusammangeleimt wurden, auch mit massivem Holze zu bewerkstelligen. 
Diese Industrie hat einen solchen Umfang gewonnen, dass in den drei Fabriken der Firma 
Thonet zu Koritschau, Bistritz und Gr. Ugrötz von ca. 2000 Arbeitern täglich über 
1200 Möbel erzeugt werden. Von den im Jahre producirten 350.000 Möbeln gehen zwei 
Drittel in's Ausland nach allen Richtungen der Windrose. 
Das Holz selbst plastisch zu machen soll durch lmpriigniren mit Salzsäure 
gelungen sein; es soll sich dann im nassen Zustande auf ein Zehntel seines Volumens
	        
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