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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 52)

Diese eigenthiimlichen Verhältnisse der Kieselsäure übertragen sich nun. 
auch auf ihre Verbindungen, ihre Salze, die Silicate. 
Die Zahl dieser ist überaus gross; sie wird Legion dadurch, dass sie die 
Fähigkeit haben, sich unter einander in den verschiedensten Mengenverhältnissen 
zu Doppeb, Tripel- und Polysilicaten zu verbinden, Verbindungen, deren ratio- 
nelle Classiiication den Mineralogen und Chemikern bis zur Stunde noch Schwie- 
rigkeiten nnd Verlegenheiten bereitet. 
Im Allgemeinen benennt man sie nach ihren hauptsächlichsten Basen, als: 
Kalb, Magnesiaq Thonerde-, Eisen-, Mangam, Alkali- etc. Silicate. 
Chemischerseits kann man sie zunächst in zwei grosse Gruppen unterbringen. 
Die zu der einen Gruppe gehörigen sind außerordentlich widerstandsfähig gegen 
Säuren, Salzsäure z. B., sie werden dadurch nicht verändert; die der andern da- 
gegen werden von dieser Säure zersetzt, "aufgeschlossen" wie man sagt, und sie 
lösen sich entweder ganz auf, was der seltenere Fall ist, oder, was häufiger ist, 
zum Theil. ' 
Was bei dieser Behandlung ungelöst bleibt, ist meist nichts als mehr oder 
weniger reine Kieselsäure. 
Immer hat die so ausgeschiedene Kieselsäure das spec. Gewicht 2,2; sie 
ist amorphe Kieselsäure. 
Die Grenze zwischen diesen beiden Gruppen, die durch die Anfschliessbar- 
keit mit Säuren gezogen ist, ist inzwischen nicht sehr scharf, denn man findet, 
dass die Dauer der Einwirkung der Säure, ihre Concentration und die beim Ver- 
such angewandte Temperatur sowie der dabei herrschende Druck die Zersetzung 
sehr wesentlich unterstützen. So wird z. B. Feldspath, mit Salzsäure gekocht, 
kaum verändert, mit concentrirter Schwefelsäure in Röhren eingeschmolzen und 
erhitzt ganz aufgeschlossen. 
Doch wächst im Allgemeinen die Schwierigkeit der Zersetzung mit steigen- 
dem Gehalt an Kieselsäure und einem grössern Gehalt an Basen jener Classe, die, 
wie die Thonerde, auf 2 Atome Metall 3 Atome Sauerstoff enthalten. 
Wenn man nun jene Silicate, die an} und für sich durch Sänrcmnicht 
zersetzt werden, stark glüht oder gar schmilzt, so findet man danach, dass ein- 
mal ihr spee. Gewicht kleiner geworden ist, und dass snderntheils sie sich nun 
mit Säuren leicht zersetzen. 
Wir erkennen hierin sofort das Verhalten der freien Kieselsäure wieder; 
oGenbar enthielten die nicht durch Säuren aufschliessbaren Silicate die Kiesel- 
säure in ihrer krystallisirten, dichten Form, und diese ist durch das Erhitzen in 
die amorphe, weniger dichte übergegangen. 
Wenn solche Silicate jemals in den Bereich eines Vulkans kommen, wenn 
sie im grossartigsten Masstabe nicht nur der Wirkung der Hitze desselben, son- 
dern auch der, mit vulkanischen Processen fast immer verbundenen Einwirkung 
freier Mineralsäuren bei hohem Druck und hoher Temperatur ausgesetzt werden, 
dann werden sie zersetzt, wie wir sie im Laboratorium zersetzen können; wie in 
einem riesigen bedeckten Schmelztiegel reagiren diese Agentien, Wärme, Säuren 
und hochgespannte Dämpfe, chemische und physikalische Kräfte auf sie , und so 
verändert werden sie von Vulkanen ausgeworfen und sie sind dann Laven oder 
Tuife, die nun dem Chemiker ihren Ursprung nicht mehr verbergen können, selbst 
wenn die vulkanische Thätigkeit seit Jahrtausenden schon erloschen ist. 
Indess ist vom Standpunkt chemischer Accuratesse eine solche vulkanische 
Reaction doch ein sehr nnsauberes, nur halb gelungenes Experiment; die Zer- 
setzung, die Schmelzung ist unvollkommen; die Hitze war oft nicht gross oder 
andauernd genug, um die ganze, dem vulkanischen Process verfallene Menge von 
Mineralien verschieden grosser Widerstandsfähigkeit zu schmelzen, und so findet
	        

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