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Volltext: Alte und Moderne Kunst VI (1961 / Heft 49)

welche Weise aber der Kapellenschatz von Mariastein 
zu den beiden Insignien kam. geht weder aus der um 
1608 von Schurff eigenhändig verfaßten Geschichte von 
Mariastein hervor. noch aus späteren Inventaren. in de- 
nen beide stets als Schmuck des Mariasteiner Mutter- 
gottesgnadenbildcs beschrieben werden. Sie als bloße 
Votivgabcn anzusprechen. verbietet jedoch einerseits 
ihre Würde als landesfürstliche Insignien, anderseits die 
für Votivgaben doch verhältnismäßig einfache Aus- 
stattung. 
1603 erhielt Schurff eine Wappenbesscrung. auf Grund 
der er Erzherzogshut und Zepter im Wappen führen 
durfte, eine gewiß auffallende Verleihung. Da er nach- 
gewiesenermaßen Testamentsvollstrecker Erzherzogs 
Ferdinands II. war. stützt sich darauf die einleuchtende 
Theorie (Dr. E. Egg), es könnte sich bei den beiden Ge- 
genständen um die Insignien Erzherzog lierdinands selbst 
handeln, die Schurff aus besonderem Gnadenerweis aus 
dem Nachlaß des 1595 verstorbenen Landesfürsten für 
seine Kapelle erworben hätte. Die Form des llutes und 
Zcpters würde dem linde des 16. Jahrhunderts ange- 
messen sein. Der zwölfzackige Reif mit zwei Bügeln und 
der breitgedrückten Form ist auf Abbildungen bereits 
Erzherzog Fcrdinands I. als Tiroler Landcsfürst (z. B. 
im Innsbrucker Bürgerbuch von 1540) und Erzherzog 
Ferdinands II. mehrfach nachweisbar. 
Mit gewissen Vorbehalten. die das Fehlen einer letzten 
Zustimmung durch Llrkunden oder schriftliche Belege 
mit sich bringt, läßt sich also von Mariasteiner Erzher- 
zogshut und Zepter tatsächlich als von den Insignien 
der Tiroler Landesfürsten sprechen und damit ihre Be- 
dcutung als eine der würdigsten und geschichtsträchtig- 
sten Zeugen heimischer (ioldschmiedekunst umreißen. 
 
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5 Eulcnbecher, 1598, Kokosnuß. Fassung Silber, Privatbesitz. 
ß HI. Elisabeth, süddeulsch. Anfang 16. jh, Silber, H. 49 Cm, 
Smdlpfarrkirche St. Jakob, Innsbruck.
	        

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