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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 86)

in strengem Kontureristrich. das nächste als dichtes 
Strichgewimmel, einmal ruppig in Rohrfeder, dann 
zart mit Bleistift. breit in Kreide, in Andeutungen 
hingesetzt oder auch hinter Schraffuren auf- 
tauchend, immer ist das Charakteristische erfaßt, 
ist in den Zügen seines Antlitzes immer der ganze 
Mensch geoffenbart. lmprovisationstalent und Fleiß 
verbinden sich in Watzl mit offenem Wesen und 
entwaffnend ungekünsteltem Umgang; die Unbe- 
fangenheit auch gegenüber dem Modell trägt sehr 
mit zum Gelingen bei. Keine Linie schleichtsich ein, 
die Unsicherheit entspränge. Das rein photogra- 
phisch Abbildende umgehend, legt er das Wesen 
des Darzustellenden bloß. indem er das Sichtbare 
nur eben sehr genau sieht und die Oberfläche 
"durchschaut". 
Oft spielen die Hände mit hinein in die Komposi- 
tion. Im Vordergrund dem Gesicht eine optische 
Stütze gebend, ergänzen sie in zusätzlicher Aus- 
sage die Physiognomien dahinter. Die innere 
Spannung, die Watzl in den meisten Persönlich- 
keiten, die ihm konfrontiert sind, fühlt, spiegelt 
sich im kraftvollen, oft heftigen und doch einer 
seelischen Gelöstheit nicht entbehrenden. prägnan- 
ten, gleicherweise kühnen Prima-vista-Strich wider, 
der nie sinnlos verzerrt, doch expressionistisch 
wirkt. weil er voll seelischen Ausdruckes ist. Der 
Künstler nimmt darin eine Verschüttete Tradition 
auf und macht sie, die lange Zeit und doch nur 
sporadisch manchen Künstlern für ihre inneren 
Gesichte geeignet schien, bewußter Realität dienst- 
bar. Watzl besitzt den Glauben an den Menschen 
als Abbild des Göttlichen. 
Nicht nur den Menschen, auch das Tier, die Vege- 
tation, die dämonisch lebende Landschaft hat der 
Künstler bisher zum Thema seiner einprägenden 
Studien gemacht, es gibt unter all diesen bemer- 
kenswerte Leistungen. doch scheint mir fast die 
wichtigste der Mut der Wiederbegegnung mit dem 
Menschen. der Mut, diesem wiederum die Stelle 
in der Kunst geben zu helfen, die ihm zukommt. 
Es ist nicht hoch genug einzuschätzen, daß die 
Kutturverwaltung von Linz dem jungen Künstler 
den Auftrag und mithin die Möglichkeit gab. alle 
Persönlichkeiten der Stadt und wohl auch des 
Landes Oberösterreich zu zeichnen (leider allzu 
verkleinerte Abbildungen im Kulturhandbuch der 
Stadt Linz), und das waren über 150! Etwa ebenso 
viele hatte Watzl bereits vorher aufs Papier ge- 
bannt (und viele wieder durch fremdes Ver- 
schulden verloren). Zahlreiche Bildnisse aus bei- 
den Reihen sind in den relativ vielen Ausstellungen, 
die Watzl im letzten Jahrzehnt beschickte oder 
veranstaltete, seitdem er an die Öffentlichkeit trut, 
gezeigt worden, manche fanden den Weg in 
private und öffentliche Sammlungen des ln- und 
Auslandes. So ist Watzl kein Unbekannter mehr i 
dennoch hat Österreich noch zu wenig von seiner 
seltenen Begabung Notiz genommen. Das Beispiel 
von Linz sollte Schule machen. Porträtserien in 
originalgroßen Mappenwerken müßten verlegt 
werden. wodurch Kulturschöpfer und Kultur- 
träger Österreichs der Welt bekanntgemacht 
werden könnten: denn solche Serien künstlerisch 
spannungsgeladener Porträts würden auch im 
Ausland fesseln, dort den Wunsch erstehen lassen. 
den Originalen zu begegnen. Ein Blick auf die 
untereinander nicht wenig kontrastierenden Per- 
sönlichkeiten, die Watzl zeichnete, ergibt die Breite 
seiner Einfühlungskraft. greifen wir nur die 
Dichter Csakor, Hochwülder. Saiko oder Doderer, 
Eugen Rath, Felmayer oder die Ebner, Busta, 
Lavant heraus. die Schauspieler Hörbiger. Paryta. 
Höhnel gegenüber Qualtinger. Eybner, Muliar,
	        

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