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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 113)

glZ-UDIIC, Qal) lIII LHUIC (ICI IIIBIÄJIIELIICH L4ClL' 
nne, in der die Ideen der Demokratie auf 
Menschen eingewirkt haben, sich ihre 
;einsweise, ihre sittliche Lebenshaltung, ja 
z Instinkte und Nerven, ihre Art zu gehen, 
ien und sitzen geändert hätten: In der 
htung zum Zweckmäßigen. Der moderne 
nsch ist sparsam, zweckliebend, aus der 
iewußten Rücksichtnahme, jeden Menschen 
den Gütern der Welt teilnehmen zu lassen. 
)s selbst beauftragte mich, auf seinen Grab- 
n die Worte zu schreiben: „Adolf Loos, 
die Menschheit von unnützer Arbeit be- 
te." 
)s hat einen Trennungsstrich zwischen 
nst und Handwerk gezogen. Beim Lesen 
Worte von Goethe, Worin die Art der 
iausen und so mancher Kunstkcnnet, 
pferstiche und Reliefs anzutasten, gerügt 
d, ist ihm die Erkenntnis aufgestiegen, 
ß, was berührt werden soll, kein Kunst- 
'k sein darf, was ein Kunstwerk ist, dem 
griff entzogen sein muß". 
ie scharfe amerikanische Luft hat alle Vor- 
genommenheit gegen die Erzeugnisse mei- 
eigenen Zeit von mir genommen . . . 
rein Alpdruck ist es von mir gewichen . . ." 
"er dem frischen Eindruck von Amerika 
:tand die Einrichtung des Cafe „Muscum". 
iis Sullivan war der Architekt, den er in 
erika am meisten bewundert hat. Es war 
a 1920, als mir Loos einen Brief von Louis 
ivan zeigte, der mit den Worten begann: 
iolf Loos, my dear brother in spirit." 
tzdem war die Loos'sche Auffassung von 
eckmaßigkeit eine andere als die von 
ivan, dessen Leitsatz „form follows func- 
." in seinem Rationalismus eher für den 
znieur als den Architekten richtunggebend 
und dem die Lebenswärme fehlte. Es ist 
: das Motto der neuen Sachlichkeit, die 
1 Loos kam und die mit ihrem kalten 
erialismus das Bauen entmenschlicht hat. 
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LUU) matte „iuuu 
gesagt. 
function". In diesem Zusammenhang sagte er 
folgendes: „Ich behaupte, daß der Gebrauch 
die Form der Gegenstände schafft, die anderen, 
daß die neugeschaffcne Form die Kulturform 
(sitzen, wohnen) beeiniiussen kann." „Wir 
sitzen nicht so oder so, weil ein Tischler den 
Sessel so konstruiert hat, sondern der Tischler 
macht den Sessel so, weil wir so oder so sitzen." 
Da das Wesen der Architektur dreidimensional 
ist, verlangte Loos von seinen Schülern, im 
Raum denkend zu entwerfen. Ich habe für die- 
ses Prinzip in meiner Loos-Monographie 1930 
die Bezeichnung „Raumplan" geprägt. Es 
wurde verwirklicht, zuerst im Loos-Haus am 
Michaelerplatz, dann bei den Wohnhäusern 
Rufer, Tzara, Moller, Müller et:., bei den 
Z0 Villen und verschiedenen anderen Projek- 
ten. In dieser Monographie habe ich, basierend 
auf meiner Erfahrung als Loos-Schüler, fol- 
gendes ausgeführt: „Durch Adolf Loos kam 
ein wesentlich neuer, höherer Raumgedanke 
zur Welt: das freie Denken im Raum, das 
Planen von Räumen, die in verschiedenen 
Niveaus liegen und an kein durchgehendes 
Stockwerk gebunden sind, das Komponieren 
der miteinander in Beziehung stehenden 
Räume zu einem harmonischen, untrennbaren 
Ganzen und zu einem raumökonomischen 
Gebilde. Die Räume haben je nach ihrem 
Zweck und ihrer Bedeutung nicht nur ver- 
schiedene Größen, sondern auch verschiedene 
Höhen. Loos kann dadurch mit denselben 
Baumitteln mehr Wohnfläche schaffen, da er 
auf diese Art in denselben Kubus, auf dieselben 
Fundamente, unter dasselbe Dach, zwischen 
dieselben Umfassungsmauern mehr Räume 
unterbringt. Das Material und den Baublock 
nützt er dadurch bis aufs Letzte aus. Anders 
ausgedrückt könnte man sagen: Der Architekt, 
der nur in der Fläche denkt, braucht einen 
größeren umbauten Raum, um dieselbe Wohn- 
Häche zu schaffen." 
Loos san nun. seinen. uluCLCu Auge nuc wu- 
kungen, selbst die der komplexesten Raum- 
anordnungen, wie ein durch das Haus Schrei- 
tender, bevor er einen Bleistift in die Hand 
nahm. Bei seinem Entwurfsprozeß war es 
selbstverständlich, daß für ihn der Mensch das 
Maß aller Dinge war, was sich bei der Bestim- 
mung der Decken und Galeriehöhen, Stiegen- 
weiten, Sitzhöhcn und dergleichen auswirkt, 
ebenso bei der Entwicklung von Mindestmaßen 
bei Siedlungsbauten. Er wußte immer mit 
Sicherheit, wie er am besten die von ihm ange- 
strebten Effekte erzielen konnte: z. B. die Be- 
ziehungen der Räume und Materialien zu- 
einander, die beabsichtigte Akzentuierung der 
Tragteile, der Wandflächen, der Decken und 
die Lichteinwirkung der Fenster, die natür- 
lichen Verkehrswege und Stufen im Haus. 
Seine psychologischen Erwägungen wirkten 
sich schon bei den Eingangsräumen, der 
Kleiderablage usw. aus. Die Vorräume waren 
niedrig, er veranlaßte den Eintretenden, 
Wendungen zu machen, um, wie er sagte, „das 
Überraschungsmoment beim Anblick der 
Wohnräume zu steigern". Er nannte diese 
Anordnung die „Introduktion" in das Haus. 
Nach dem Durchschreiten der niedrigen Vor- 
räume erschien die normale Höhe der Wohn- 
räume imposanter. Loos hatte die Gabe, durch 
seine Anordnungen kleine Räume groß erschei- 
nen zu lassen, wie zum Beispiel die Kärntner- 
bar. Bemerkenswert ist auch die Anordnung 
der Stufen und Stiegen, die im Raumplan eine 
so große Rolle spielen. Er erlaubte sich nur 
eine beschränkte Anzahl von Stufen vor einer 
Wendung, da ein gerader Lauf ermüdend 
wirkt. Alle Verkehrswege und Stufenanord- 
nungen mußtcn so taktvoll angewendet wer- 
den, daß sie natürlich und unauffällig erschie- 
nen. Loos verstand es, die oft widersprechen- 
den Anforderungen zu einer so vollkommenen 
Lösung zu bringen, daß man über deren schein- 
barer Selbstverständlichkeit die große Tat fast 
vergaß. Der Raumidee hat Loos alle Details 

	        

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