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Volltext: Die Ausstellung oesterreichischer Kunstgewerbe 4. November 1871 - 4. Februar 1872

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dass wir zweierlei Stylrichtungen auf dies hin in einem und demselben 
Werke zusammenstellen dürften. 
Dafür verdient vor Allem die schon rühmlichst bekannte Tiroler 
Glasmalerei-Anstalt von A. Neuhauser in Innsbruck die wärmste 
Anerkennung. Ihre ausgestellten Malereien sind (nebst einigen geätzten 
Ornamentmustertafeln nach französischen Vorlagen) durchweg mit der 
genauesten Beobachtung alter Muster, ja mit wahrer Selbstverleugnung 
ausgeführt. Mit Selbstverleugnung, denn es gehört eine hohe Einsicht 
und eine sehr schätzenswerthe Kenntniss der geschichtlichen Entwicklung 
in den Künsten dazu, wenn ein Künstler heutzutage, wo das allgemeine 
Vorurtheil gegen die alte heimische Kunst geht und die Modehaftigkeit 
der Renaissancenachfälschung allenthalben den Geschmack auf eine gewisse 
Banalität geschniegelter Formen eindressirt hat, welcher das Markige, 
Geistvolle, aber etwas echt deutsch Unbeholfene dieses Styles ein Gräuel 
ist. Wir schätzen dieses hoch, weil es so unendlich leichter ist, unbewusst 
in jenem breiten Gleise einherzutraben, als entschieden einer Ueberzeugung 
zu folgen, wenn deren Consequenzen auch nicht hoffen dürfen, bei dem 
Tagesgeschmacke grossen Anklang zu finden. Das einem gothischen Glas 
gemälde der Kirche von Nonnberg bei Salzburg nachgebildete Stück, 
St. Petrus und Paulus, ist allerdings eine strenge Copie, beweist aber, 
dass eine Anstalt wie die, aus welcher es hervorgegangen ist, durchaus, 
in artistischer wie in technischer Hinsicht befähigt ist, eine neue Kirche 
im Style des Mittelalters mit Glasmalereien auszustatten, welche der im 
alten Geiste erdachten Architektur nicht wie ein fremdartiger Lappen aus 
dem Harlequinkleide des 19. Jahrhunderts störend und unharmonisch 
eingeflickt wären. Ein zweites Bild, auch nach altem Vorbilde, doch, wie 
uns bedünken will, nach einem Tafelgemälde entworfen, zeichnet sich durch 
tiefes Colorit und schöne Zeichnung sehr vortheilhaft aus. Was das 
Tiroler Glasmalerei-Institut zu leisten im Stande sein wird, wenn auch die 
Entwürfe zu den Arbeiten den Händen hervorragender Künstler ihren 
Ursprung verdanken, das zeigt in eminentem Grade das Stiegenhausfenster 
des Museums, welches in Innsbruck nach Zeichnung Prof, von Ferstel’s 
ausgeführt wurde. 
Ganz ornamental gehalten übt die leichte Malerei in den Formen 
der Renaissance, und zwar mehr derjenigen, wie sie die spätere, an italie 
nischen Mustern gebildete Schule der Niederländer des 16. Jahrhunderts 
pflegte, eine reizende Wirkung aus und liefert den Beweis, dass die An 
stalt auch diesem wälschen Genre trefflich gerecht zu werden vermag. 
Wir erwarten die beiden andern Fenster für dieses Local mit erneutem 
Vertrauen auf die gut geleitete Anstalt. In denselben werden grau in 
grau Medaillonsporträts vorzüglicher österr. Kunstgönner, Stifter und 
Ordner von Sammlungen des Kunstfaches in Ornamenten angebracht sein. 
Die Verleugnung des Modernen und der Vortheile, welche dasselbe 
zum Theil der alten Weise gegenüber im Gefolge hat, spricht sich in den
	        

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