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Volltext: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 12)

Sache; der alterthümelnde primitive Contu- 
renschnitt dringt nur dort durch, wo eine 
starke künstlerische Persönlichkeit sich 
seiner zu einem bestimmten Zwecke bedient, 
zum Beispiel wenn Sattler ein ganzes Buch 
in dieser Weise illustrirt. Was den Stil an- 
langt, so sollte man sich einfach entschlies- 
sen, zu den alten Kunstausdrücken Kupfer- 
stich und Holzschnitt auch den neuen Aus- 
druck Holzstich anzunehmen, denn für 
viele moderne Erzeugnisse ist der Name 
Holzschnitt eben gar nicht mehr bezeich- 
nend. Man konnte sich davon vor den 
Werken Leperes bequem überzeugen: das 
Blatt „Nymphe im Bade" ist ein ausge- 
sprochener Holzschnitt, die Pferdeschwem- 
rne bei Notre Dame ein ausgesprochener 
Holzstich und zwar von vorzüglicher Güte. 
Nennen wir noch von den Franzosen 
J. L. Forain, den satirischen Schilderer der 
Pariser Sitten oder besser Unsitten, von dem 
einige Zeichnungen, Musterstücke in der Feinheit andeutender Charakteristik, 
ausgestelltwaren. Was von Forain und Genossen allwöchentlich in den Pariser 
humoristischen Blättern zu sehen ist, gibt in mehr oder minder schlechter 
Wiedergabe nur einen schwachen Begriff von der Kunst dieser Meister. 
Weiter Felix Bracquemond mit einem geistvoll und vornehm aufgefassten 
Bildnisse Edmond de Goncourts, Edgar Chahine mit vier flotten und charak- 
teristisch hingesetzten Radirungen, Paris und die Pariser darstellend, und 
Georges Jeanninot, dessen „Bataillon auf dem Marsch" (Steindruck) meister- 
haft das stumpfsinnige, mechanische Vorwärtsstampfen in Schmutz und 
Regen wiedergab. 
Schweden, wohin William Unger und sein holländischer Schüler 
Leopold Lowenstam einst die Radirung getragen haben, war besonders 
durch die zahlreichen prachtvollen Blätter von Anders Zorn und Carl 
Larsson vertreten. Zorn handhabt die Radirnadel mit erstaunlicher künst- 
lerischer Freiheit in ganz eigenartiger Weise. Er arbeitet nur mit kürzeren 
oder längeren Strichen, die er parallel nebeneinander setzt. Es ist erstaun- 
lich, welche Wirkungen er mit diesem einfachen und einförmigen Hilfs- 
mittel zu erzielen vermag. Scheinbar kraus, flüchtig und planlos hingesetzt, 
gehen sie aus der richtigen Entfernung zusammen und ergeben die 
gewünschten Formen mit bestimmter scharfer Charakteristik, nicht minder 
auch feine Lichtwirkungen und Stimmungen. Besonders bezeichnend für 
seine Kunst sind die Blätter „Junge Mutter", „Das badende Mädchen", 
die Bildnisse des amerikanischen Amateurs Marquard, des Präsidenten 
 
J. L. M. Lauweriks. Holzschnitt
	        
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