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MAK

Full text : Monatszeitschrift I (1898 / Heft 11 und 12)

Beieinander unter der Eisenconstruction des Glasdaches, das als ein

grausamer Anachronismus dem antiquarischen Scherz jede Illusion

raubt. Vollends istes schwer, in dem Hocheder'schen Saal sich zurechtzufinden.

 Was sollen in dieser modernen Ausstellung die gothischen

Altäre und romanischen Holzfiguren? Und daneben die ungeheueren

Armsessel mit ihrer altgermanischen Wikinger-Omamentation? Man

fragt sich, welcher decorative Gedanke diese Zusammenstellung von

altem Museumsinventar und modernen Antiquitäten veranlasst hat:

Wenn irgend etwas hier zum Ausdruck gekommen ist, so ist es die

vollkommene Rathlosigkeit des Decorateurs.

Eine Missbilligung ist hier um so mehr gerechtfertigt, als die

Ausstellung eine grosse Reihe absolut selbständiger Arbeiten aus allen

möglichen Gebieten der technischen Künste aufweist, die als glückliche

 Lösung der neuen Aufgaben bezeichnet werden können.

Ein gutes Princip hat die Hände der Architekten geleitet, als sie

sich entschlossen, den leeren Prunk, der für Ausstellungsräume üblich

geworden ist, zu beseitigen. Man wollte absehen von dem Charakter

einer Augenblicksdecoration, die wohl immer unpersönlich, kalt und

gleichgültig wirkt. Die Dekoration eines modernen Wohnzimmers

war das Thema. Zudem ist ja das Familienhaus vorläufig die einzige

Heimstätte, die der modernen Kunst gewährt wird. Es galt also für die

Möbel auch gleich die zugehörigen Räume schaffen. Der Eindruck des

Intimen, Behaglichen, kurz die Stimmung des bürgerlichen Wohngemaches,

 sollte als leitender Gesichtspunkt festgehalten werden.

Allerdings ist ein einheitlicher und abgerundeter Erfolg nur dort

erreicht, wo eine einzige Hand geschaltet hat, während die Collectivabtheilungen

 mit ihrem bunten Vielerlei an das Zufallsarrangement

eines Magazins erinnern.

Vor allem war es Hans E. v. Berlepsch vergönnt, sich innerhalb

seiner vier Wände ganz allein einzurichten. Ihm konnte von anderen

nichts verdorben werden. Allerdings war auch er nicht ganz frei,

denn die Räume musste er nehmen, wie er sie bekam. Jetzt sieht

zwar die innere Gliederung ganz selbstverständlich aus, die Pilaster

und der Wandbogen im ersten Raume theilen die Fläche in angenehmen

 Verhältnissen; aber sie sind nur gemacht, die Eisenconstruction

 des Glaspalastes zu verdecken. Schwieriger war es, der

abnormen Höhe der kleinen Räume und dem Misstand einer indirecten

Lichtzufuhr zu begegnen. Eine starke Horizontalgliederung und dunkle

Tönung der oberen Wandflächen erschien als der glücklichste Ausweg.

Trotz dieser Compromisse ist die Stimmung eine einheitliche, bei aller

Vornehmheit der Erscheinung ist doch eine gewisse Einfachheit und
            
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