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Full text: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 10)

DER FERTIGER Dl-ER SOGENANNTEN 
HIRSCHVOGELKRUGE S0 VON ALFRED 
WALCHER v. MOLTHEIN-WIEN S0- 
S wurde zwar schon wiederholt nachgewiesen, dass 
der vielseitige Künstler Augustin Hirschvogel 
der Fertiger jener Hafnerkrüge, welche ihm 
bisher zugeschrieben wurden, nicht gewesen sein 
kann,aber trotzdem haftet sein Name noch immer 
an diesen Schöpfungen Nürnberger Hafner. 
Der Grund liegt wohl darin, dass man die 
Nachrichten des Schreib- und Rechenmeisters 
Johann Neudörfer allzu ernst genommen hat 
und Karl Friedrich auf diese Nachrichten hin 
sein Werk über „Augustin Hirsvogels Tätigkeit als Töpfer" aufbaute. So hat 
sich die Ansicht, dass die in Rede stehenden Krüge mit gefärbten Blei- und 
Zinnglasuren über Reliefauflagen Arbeiten des Hirschvogel sind, hauptsächlich 
auf Grund der Neudörferschen Nachrichten und der Publikation Friedrichs 
lange erhalten. 
Die Ausführungen des Direktors Otto von Falke sowie anderer Fach- 
Schriftsteller und ihr Nachweis, dass die bezeichnete Gefässgruppe erst um 
die Mitte des XVI. Jahrhunderts - somit zu einer Zeit, wo Hirschvogel nicht 
mehr in Nürnberg tätig war - entstanden sein kann, genügten wohl zur Aus- 
scheidung der falschen Bezeichnung in Museen und in Fachkreisen, nicht 
aber im Kunsthandel. Beim' Fehlen eines andern Namens haben Sammler 
und Kunsthändler an I-Iirschvogel als den vermutlichen Erzeuger solcher 
Hafnerkrüge festgehalten. 
Durch die Publikation der Nürnberger Ratsverlässe in den Quellen- 
Schriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik hat nun der Verfasser, 
Dr. Th. I-Iampe, äusserst wertvolles Material zur Geschichte des Nürnberger 
Kunstgewerbes zugänglich gemacht. Bisher sind die beiden ersten Bände, 
welche die Zeit von 1474 bis 1618 umfassen, erschienen; der dritte Band, 
das Namens- und Sachregister zu den beiden vorhergehenden, wird den 
Wert der Hampeschen Arbeit noch um ein Bedeutendes erhöhen. 
Was die vorliegende Angelegenheit betrifft, so gewinnen wir aus diesen 
Ratsverlässen ein ganz neues Bild der Tätigkeit Hirschvogels in Nürnberg. 
Wir erwähnen hier vorläufig nur das eine, dass an der Ansicht Friedrichs, 
der Künstler habe von 1534 bis 1538 in Venedig geweilt, nunmehr stark 
gerüttelt wird. Nach den Ratsverlässen war Hirschvogel vom Jahre 1536 bis 
1541 in Laibach. Er hat selbst darum angesucht, denn er wollte sein Bürger- 
recht für Nürnberg nicht verlieren. Der Stadtrat bewilligte es, soferne Hirsch- 
vogel die zwanzig Gulden ausstehender Schuld sofort zu zahlen bereit sei. Im 
Jahre 153g wird ihm das Recht zum Aufenthalt in Laibach verlängert und 

	        

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