Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

443

den unbestrittenen Vorrang vor allen

andern Gesteinsarten einräumte und

zu regem Export verlockte. Aus diesen

Vorzügen des roten Ammonitenkalkes

erwuchs aber ein schwerwiegender

Nachteil, die im Verhältnis zu andern

Steinen erheblich schwierigere Verarbeitung

 infolge der Härte und Spröde

seines meist feinkristallinischen Gefüges.

 Die bildnerisch-künstlerische

Verarbeitung setzte eine Vertrautheit

mit der Rohbehandlung des Materials

voraus, wie sie in erster Linie und in

bester Schule der Steinbruch bei der

Herstellung der Werkstücke lehrte. So

wird man gerade in der Frühzeit selbständiger

 tiguraler Marmorplastik, im

XIV. und in der ersten Hälfte des

XV. Jahrhunderts vor allem mit Salzburg,

 Adnet und Hallein als Entstehungsorten

 zu rechnen haben und

namentlich da, wo wie im Chiemgau

durch die Diözesanzugehörigkeit besonders

 nahe Beziehungen gegeben waren. Der heutige Bestand Salzburgs

an sepulkraler Plastik, zumal an ligürlicher, aus der ersten Hälfte des

XV. Jahrhunderts bietet, wenn auch vielleicht an Zahl, so doch keineswegs

an künstlerischen Werten ein soreiches Bild wie der Chiemgau. Was

die Klosterbezirke von Nonnberg und St. Peter bergen, sind größtenteils

Wappensteine von meist recht handwerklichem Gepräge, die zwar eine

gewisse technische Routine und eine gewisse Eleganz in der Anordnung und

in Zeichnung und Schnitt der I-Ielmdecken verraten, aber, wie ich schon

andernorts darlegte, Gedanken an eine große künstlerische Vergangenheit

Salzburgs im XV. Jahrhundert kaum wachzurufen vermögen." Dennoch

müssen wir, selbst wenn wir von Salzburg als Sitz einer bedeutenden

Malerschule ganz absehen, annehmen, daß damals in der Steinmetzenstadt

neben dem Handwerk auch die Kunst der Marmorbildnerei blühte. Aber nur

eine einzige wirklich bedeutende tigurale Marrnorplastik, die Grabplatte

des heiligen Vitalis in St. Peter, scheint diese Vermutung zu bestätigen.

Unzweifelhaft wird man aber auch damit zu rechnen haben, daß gar viel

des Guten im Laufe der Jahrhunderte untergegangen ist oder, wie wir

schon bei dem Chiemgau annahmen, von allem Anfang an als Export

nach auswärts ging. Für das erstere scheint besonders der Umstand zu



Abb. 18. Vom Grabstein der Adelhaid von Sulzbach

im Kloster Baurnburg

"i Philipp M. Halm, Hans Valkenauer und die Salzburger Mannorplastik in „Kunst und Kunsthandwerk",

XIV (xgtx), S. x84.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.