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Full text: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 11 und 12)

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sodann einige Monate mit Känels Witwe die Penzinger Fabrik geführt 
habe. " 
Wir haben also keinen Grund, an der Tüchtigkeit Sanguins in seinem 
Fache zu zweifeln, obgleich Weigl dies in beleidigender Weise getan zu 
haben scheint. Sanguin erwähnt später, daß seit dem Jahre 1771 (also seit 
seinem Eintritte in die Känelsche Fabrik) dort jährlich für mehr als I 50.000 H. 
„fabriciert worden, ohne die fremde erlaubte Waar so ebenfalß verkaufft 
worden", und daß durch seine Verbesserungen in einem Jahre für 20.000 H. 
mehr erzeugt worden wäre. Auch brachte er laut Ehevertrag mindestens 
2000 fl. in die Ehe mit. Immerhin scheint seine Tätig- 
keit in der Penzinger Fabrik weder ihm noch seiner 
Frau zum Heile gereicht zu haben. Ob daran wirklich 
nur unglückliche Zufälle oder persönliches Ungeschick 
schuld waren, können wir nach den vorliegenden Ur- 
kunden nicht entscheiden. Doch werden wir im wei- 
teren sehen, daß Sanguin mindestens ein Mann von 
sehr geringer Menschenkenntnis und manchmal von 
geradezu kindlicher Leichtgläubigkeit war und daß ihn 
auch ein unparteiisches Amt für „unwirtschaftlich" hielt. 
Daß er also einem Geschäftsmanne, wie Weigl 
gewesen zu sein scheint, nicht gewachsen war. ist 
leicht ersichtlich. Genug,. das Endergebnis zahlreicher 
Streitigkeiten und Prozesse" war, daß Sanguin und 
seine Frau, die mit ihrer Tochter emsig mitgeholfen 
hatte, aus der Fabrik verdrängt und um ihr Ver- 
mögen gebracht, dafür Weigl und seine Genossen Seidenhänder mit "Bin- 
(darunter auch Salliets „Neben-Associe" Berghofer) Efggigfcgäitgtizbweaiä; 
die Herren der Fabrik warenf" Abb. 90: braun, Ränder mit 
In einem Schreiben der Associrten der Penzinger gänem Gmmh- MS d" 
7' Mestrozischen Sammlung. 
Seiden Band Fabrick" an die niederösterreichische (Ösnneichisches Muswm) 
 
"' Sanguin ist übrigens in Unfrieden von Botzenhard geschieden. - Über diesen haben wir folgendes 
gefunden: _ 
Im Jahre 175g hören wir, daß der Niederläger Emanuel Botzenhard seine Schweizer Seidenbaridfabrik 
nach Klostemeuburg übertragen darf, um sie mit seiner dort bestehenden Barchentfabrik unter eine Leitung zu 
bringen (Nr. 135, 3c. Oct. 759). 
Aus Akt 3 ex Aprili 771 erfahren wir, daß Botzenhard in seiner Fabrik immer wenigstens x5 Stühle 
ununterbrochen arbeiten lassen wollte, daß er aber Pässe zur Einfuhr erwartete. Über den Verdacht, daß er 
diese zum Schmuggel verwende, haben wir schon oben berichtet (Seite 448}. 
i" Über die uns zahlreiche Dokumente bei Fräulein Pimmer eingehend, allerdings auch einseitig 
unterrichten. 
"H" Schon in einem neuen Geschäftsverteilungsvertrage vom jahre 1774 wird übrigens von „Fabriks- 
häusern in Penzing und Meidling" gesprochen. 
Im Jahre 1773 fand eine Untersuchung der Bücher wegen eines Ausgleiches mit Känels Sohn statt. 
Berghofer (Perghofer) leitete nach dem Protokoll einer Sitzung der Penzinger Fabrikssocietät vom 
4. Mai 1774 (in den Papieren bei Fräulein Pimmer) gemeinsam mit dem Buchhalter Melzer den Empfang und 
die Ausgabe der rohen Seide und Farbstoffe, der gefärbten Seide und so weiter und führte mit dem Genannten 
auch die Bücher, Korrespondenz und Kasse. Sanguin meint an anderer Stelle allerdings, daß Perghofer „von 
der Fabricatur nicht den mindesten Begriff gehabt" habe. 
Später werden wir eine selbständige „Bergkofewsche Fabrik finden.
	        
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