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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 19)

Pi

Dieses Comitr-E, welches unter Beiziehung anderer sachverständiger Personen auch

als Schiedsgericht für die eingesendeten Arbeiten fungiren sollte, wurde aufmerksam gemacht,

 zu prüfen, wie sich dieselben gegenüber der dreifachen Aufgabe des Zeichen-Uuterrichtes,

 der Uebung der mechanischen Gewandtheit im Zeichnen und Modellireu,

 der Uebung des Darstellungs- und Vorstellungs-Vermögens, endlich

der Bildung und Veredlung des Geschmackes zum selbständigen Erfindenund

 Schaffen kunstgewerblicher Gegenstände verhalten. Um das Schiedsgericht

in Stand zu setzen, das Geleistete richtig würdigen zu können, wurden alle Schulen aufgefordert,

 beider Beschickung der Ausstellung gleichzeitig über die Gründung und allmälige

 Entwicklung der Schule, über dic Eintbeilung des (Tnterrirhts nach Classen, über

den Zeitaufwand für jede Classe nach Semester und Wochenstunden, über Anzahl und

Namen der Lehrer und Vertheilung des Unterrichts unter dieselben, über die durchschnittliche

 Anzahl der Schüler bei jedem Lehrer, über Lehrmittel, über die jiihrl, Dotation für

Anschatfnng und Ergänzung derselben, über die eventuelle besondere Berücksichtigung

einzelner Gewerbe oder einzelner hervorragender Talente, sowie über die Organisation etwa

vorhandener Werkstätten zur Anfertigung knnstgewerblicher Gegenstände genaue Aufschlüsse

schriftlich zu liefern, Endlich wurde auch die Einsendung der Vorlagen oder Lehrmittel,

d. h. jener Zeichnungen, wonach plastisch gearbeitet wurde, und umgekehrt der Modelle,

welche durch Zeichnung dargestellt worden sind, verlangt, nicht sowohl als Ausstellungs-Objer-te,

 sondern um dem Cumite über den Stand derselben die vollste Einsicht zu vere

schaden. Bekannte Modelle oder voluminöse Gegenstände waren übrigens von der Einsendung

 ausgeschlossen.

Auf die Anfrage, wie die Auswahl der Zeichnungen getrolien werden sollte, wurde

verfügt, dass für die Ausstellung des J. 1863 die Zeichnungen aller S chiiler der einzelnen

Anstalten (aber nicht alle Arbeiten derselben) in Vorlage zu bringen wären, und von dem

Lehrer ein Verzeichniss derselben, unter Beifügung der Fortgangsnoten und geordnet entsprechend

 dem Grad ihrer Ausbildung, nach dem Ermessen desselben beigebracht werden

solle. Auf jedem Gegenstande sollte bemerkt werden die Benennung der Anstalt, Nummer des

Jnbresconrses (z. B. lI. Cours), der Name des Schülers und die Arbeitsnnrnmar (z. B.

3. Zeichnung). Die Arbeiten wurden nach folgenden Kategorien classiücirt und zur Ansstellnng

 gebracht: l. Freihandzeichnen (nämlich Zeichnen von Figuren und Ornamenten,

ohne Zirkel und Lineal, ohne oder mit Anwendung von Farben). Dessinzeichnungen.

2. Linenrzeichnsn, mit Einschluss des architektonischen Zeichnens. 3. Maschinenzeiehnen.

 4. Situationszeichnen. 5. Bossiren (d. h. plastisch arbeiten in Wachs,

Gyps oder Holz), und endlich 6. Modelliren, d. h. constrnctive Modelle für daeBanfach,

für das Maschinenwesen, oder die resp. Zweige der Technik darstellen.

Für die Einsendung der Arbeiten wurde der Wunsch ausgedrückt, dass jeder Lehrer

in einer eigenen Beilage die Art _und Weise angeben wolle, in welcher er bei dem Unterrichte

 verführt, welches System ihn leitet, wclche Umstände im Ganzen oder bezüglich

einzelner Schulen hinderlich oder förderlich auf die erzielten Resultate eingewirkt haben.

Ueber die Ergebnisse der Ausstellung hat sich das Comitä in seinem Fimlberichte

an den König vom 14. Jänner 1864 ausführlich ausgesprochen. Die hervorragendsteu Stellen

dieses Expose werden wir in einer der nächsten Nummern zum Abdruck bringen.

Kleinere Mittheilungen.

(Gründung einer Sammlung von Bnu- und Blldhauerstelnen Im Museum.)

In Absicht auf die Gründung einer solchen Sammlung hat die Direction des Museums an

die P. T. Herren Steinbrnchbesitzer und Gewerke der österreichischen Monarchie folgenden

Aufruf verfasst:

„Das k. 1:. Museum für Kunst und Industrie beabsichtigt zur Hebung der betrelIenden

 Industriezweige eine Sammlung aller jener Gesteine des Kaiserstsetes anzulegen, welche

in etwas g-rösserem Msssstnbe iiir die Zwecke der Architektur oder der Bildhsuerkunst

gewonnen werden. Diese Sammlung soll in Wien öEentlich zur Schau gestellt bleiben und

soll es den Herren Steinbruchbesitzern beigestellt sein, den ausgestellten Proben die jeweiligen

 Preise derselben, sei es loco Wien oder der dem Gewinnuugsorte sunlichstliegenden

Eisenbahn- oder Dampfschidststion, beizufügen.

Ds die Bildung und Aufstellung einer solchen Sammlung im Interesse der betrelfenden

 Herren Steinbruchgewerken selbst liegen muss, werden dieselben hiermit eingeladen,

die nöthigen Proben ihrer Erzeugnisse unter der Adresse „K. k. österreich. Museum,

XVien, Bullplatz", als Frnchtgut einsenden zu wollen. -
            
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