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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 32)

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die Erschalfung des ersten Menschenpaares, das „Wasser" durch die 
Sündtluth, das "Feuer" durch den Untergang Sodoirfs und Gomorrhsfs, 
die „Luh" (Aethera) durch das jüngste Gericht. Weiter hinauf Flügel- 
pferde und ein Knopf mit Löwenköpfen etc. An der Spitze eine nackte 
bacchische Figur, den Kopf mit Weinlaub bekränzt. Höhe 187,". 
Die beiden zuletzt genannten Pocale sind einander in Bezug auf 
Behandlung der Metalloberdäche darin ähnlich, dass diese nahezu voll- 
ständig mit oruamentalem Schmucke bedeckt ist und ausser in den tiefen 
Einschnürungen kaum irgendwo der Spiegelglanz des Metalles zum Vor- 
schein kommt. Den Goldschmieden der guten Zeit war es wohlbekannt, 
dass der Glanz überall da zu meiden sei, wo eine noble und wirklich 
„goldige" Haltung erzielt werden soll, denn glatte polirte Flächen wirken 
im Allgemeinen dunkel, mit Ausnahme ihres höchsten Punktes, der als 
Glanzlicht hervurtritt; bei bewegten Flächen aber mischt sich die Menge 
der erzeugten Glanzlichter im Auge zu einem hellen Gesammteindruck. 
Solche bewegte Fläche liefert eine reiche Ornamentik (bei der aber doch 
der Polirstahl mit grosser Vorsicht angewendet werden muss) und neben 
_ dem Gefallen an ihren Linien und Formen erreicht erst das Gold seine 
volle Bedeutung") als edles Material. Der bauerisehe Glanz mancher 
modernen Gold- und Silberwaarenfabriks-Erzeugnisse kann nur Jenen im- 
poniren, die ein neu geweisstes Haus schon der Tünche halber für 
„schön" halten. 
VII. (20355) Prachtpocal in iiberreicher Ausschrnückung. Der Fuss 
mehrfach gegliedert, der Leib des Pocales scheidet sich in drei Haupt- 
massen: einen unteren Wulst, der geschnittene und aufgesetzte Ornamente 
tragt, aus denen Engelsköpfe und kleine Figuren in voller Plasticität 
hervortreten. - dann ein (zylindrischer Mitteltheil, der in durch Karya- 
tiden abgetheilten Feldern metallgetriebene und mit Waehsfarben bemalte 
Portraits verschiedener Herrscher enthält, darüber eine kraterförrnig sich 
öffnende Ausladung. Der vorspringende Deckel trägt die sitzenden alle- 
gorischen Gestalten des Friedens, der Stärke und der Klugheit, völlig 
rund ciselirt und ebenfalls bemalt. Die Spitze krönt eine kleine Statue 
der Gerechtigkeit. Gesammthöhe 28". Von überaus edlem Aufbaue, bei- 
nahe in Holbein'scher Weise erfunden, doch jedenfalls aus der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts, - ein wahrhaft prachtvolles Stück. 
VIII. (20372) Getriebener Pocal aus dem Ende des 16. Jahrhun- 
derts. Am Fusse Ornamente von Ranken, Blumen und Muscheln, weiter- 
hin Putten mit den Verrichtungen des Weinbaues und der Jagd. Der 
gerade Leib des Pocales unten mit einer Ausbauchung, die Ornamente 
") Dass es dabei auch für die formelle Behandlung nicht zur Gänze gleiehgiltig ist, 
eb man es mit vergoldetem Silber oder mit massivem Golda zu thun hat, kann hier nur 
im Vorübergehen bemerkt werden.
	        

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