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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1867 / 25)

Wie die vorstehende Pnblicntion entnehmen lässt, sind die niithigeu Vorarbeiten zu:

Griixidung einer Kunstgewerbeschule zum Ahschlnsse gediehen und ist dem Ststute, welches

Zweck und Aufgabe, innere Einrichtung und Gliederung dieser Lehranstalt feststellt, die

Allerhüchste Genehmigung ertheilt worden, so dass es nur mehr der verfassungsmäßigen

Bedeckung ihres Kostenaufwnndes bedurf. um sie mit dem Beginne des kommenden Jahres

zu eröEnen.

Wir dürfen uns der Hoffnung hingehen, dass die Vertretung des Reiches, welche

den Bedürfnissen des Unterrichtes wie jenen der gewerblichen Tbätigkeit stets ihre besondere

 Aufmerksamkeit angewendet und ihre hilfreiche Hand geboten hat, nicht die Mittel

vorenthalten werde, um jenes nnch beiden obigen Richtungen wichtige Institut unter Bedingungen.

 welche seine gedeihliche Entwicklung sichern, ins Leben treten zu lassen.

Dann, wir zweifeln nicht, wird es unter jener einsichtsvollen Leitung, welehe das

Museum fiir Kunst und Industrie zu so schönen Erfolgen geführt hat, rasch in segensreicher

 Thätigkeit erblühen und mächtig dazu beitragen, Oesterreichs Knnstindnstrie auf

jene Höhe zu erheben, welche zu erreichen sie vollen Anspruch hat und welche von weittregender

 Bedeutung für den Nationalwuhlstund unseres Vnterlandes sein wird."

Die Kunstindustrie Italiens.

J. F. Für Italien ist es ein unberechenbarer Vortheil, dass seine nationalen Kunsttraditionen

 mit den classischen Kunststylen und Kunstepochen zusammenfallen, während

Frankreichs kunstindustrielle Grösse und die Zeiten der tiefsten Kunst- und Geschmacksentartung

 eins und dasselbe sind. Italien hat also nur auf sich selbst, auf seine eigene Vergangenheit

 zurückgehen, um stets sicher zu sein, dass es das Richtige triift. Dieser glückliche

 Umstand war die Ursache, dass Italien nie in dem gleichen Grade wie die anderen

Culturstaaten Europa's vom Geschmack und der Industrie Frankreichs abhängig geworden

ist; folglich ist es auch nie so suchend in der Irre gegangen wie das übrige Europa des

19. Jahrhunderts und ist nie so tief wie dieses, Frankreich nicht ausgenommen, iin_wahren

Kunstgeschmack gesunken.

Dieser Umstand, der in der italienischen Nation von Tag zu Tag bewusster und

lebendiger wird, hat auch zur Folge gehabt, dass Italien auf der grossen Weltausstellung

einen durchaus ehrenvollen Platz in der Kunstindustrie behauptet. Obwohl der Gesammteindnick

 durch zu grosse Beengung und Ueberhäufung kein günstiger ist, entschädigt die

Gediegenheit und Schönheit der Gegenstände und das Interesse der vertretenen Kunstxweige.

 Ueberall da glücklich, wo Italien seinen eigenen Spuren folgt, steht. es nur rathv

los und geschmacklos dafwo es von der grossen Vergangenheit abweicht.

Um auch von solcher misslungener Art ein Beispiel zu geben, gedenken wir zuerst

der kirchlichen Stickereien Italiens. Ordiniir in Zeichnung und Farbe, nichtssagend, mit

eitlem Glanze prunkend, gehören sie zum schlechtesten, was in diesem Genre die gesannnte

 Ausstellung darbietet, und das ist urn so bedauerlicher, als die Nachfrage danach

in Italien eine entschieden bedeutende ist. Die Ursache ist aber nicht schwer zu erklären,

 Schon im Mittelalter trat die Stickerei Italiens vor der ausgezeichneten Seidenweberei,

 die selbst iigürliche Gegenstände darzustellen wusste, zurück, und ihre eigentliche

Blüthezeit, äusserlich, nicht stylistisch oder nach dem Kunstwertbe betrachtet; scheint erst

im siebenzehnten und achtzehnten Jahrhundert, in der Herrschaft der jesnitischen Kunst,

also in der Periode der grossen Geschmacksentartung, stattgefunden zu haben. Das ist

die Tradition, auf welche die heutige italienische Stickerei zurückgeht und an der die

Geistlichkeit, vielleicht absichtlich, festzuhalten scheint; denn von jener grossen Reform,

die sich. der jesuitischsn Paramentik gegenüber, gegenwärtig auf diesem wichtigen Kunstgebiete

 vollzieht, die am Rhein begonnen hat und auch in Oesterreich bereits in's Leben

getreten ist, davon zeigt die italienische Stickerei noch keine Spur, obwohl selbst das

widerstrebende Frankreich sich gezwungen sieht, darauf einzugehen.

Ganz anders verhält sich die Sache mit Italien, sobald wir jene Gebiete betreten,

wo die 'I'raditionen der antiken Kunst und der echten Renaissance vorliegen und befolgt

werden. Die augeborne technische Geschicklichkeit der Italiener, ihre Anstelligkeit und

Gelehrigkeit, ihre Geduld, die vor den mühsamsten, peinlichsten und langwierigsten Arbeiten

nicht zurückscbreekt, leistet hier Ausserordentliches. Das ist anzuerkennen, mag immerhin,

was die Seite der Frlindung betrilft, die Imitation die grösste Rolle spielen.

Betrachten wir zunächst ein Italien seit uralten Zeiten angehöriges Gebiet, die verschiedenen

 Zweige der Mosaik, die alle wie sonst noch in Uebung stehen oder wieder erweckt

 und selbst erweitert worden sind.

Die Marqueterie in Holz war in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters in Italien

ausserordentlich geübt und Florenz und Venedig waren ihre Hauptfahriksone. Zahlreiche
            
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