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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 77)

der eine Gruppe von Daphnis und Chloe geschaffen, muss auch die Namen und selbst

seinen eigenen mit griechischen Buchstaben darunter setzen, und noch dazu mit falschen.

Ganz widerwartig sind überall die sentimentalen, affectirten Mienen, die unendlich viel

sagen sollen und nur fade sind gerade wie im 18. Jahrhundert.

Was die Farbe betrifft, so ist ihr die neu erweckte Emaillirkunst sehr zu statten

gekommen und die Plastik in Bronze macht denn auch reichliche Anwendung davon.

Unter aaderm sah man die Büsten eines arabischen Scheiks und einer Araberin, im Gesicht

von olivenbrauner Bronze, das Weiss der Augen von Silber, die Augensterne violett emaillirt,

mit tiefem Schwarz in der Mitte; der Kopf des Scheiks trug schwarzen Bart und einen

farbigen Turban von buntem Onyx; die Araberin trug ein buntes Gewand ebenfalls von

Onyx, zum Theil vergoldet und versehen mit reicher Stickerei, die in Email mit Silber und

Gold bis auf die Fadchen und Goldplattchen der Natur nachgebildet war; ihr Kopftuch war

silbern mit streifig farbigem Email und Silberfransen. Bei einer anderen weiblichen Büste

von antiken Formen war das Fleisch versilbert, das Haar tiefer oxydirt, das Gewand und

das Kopfband, welches das Haar zusammenhielt, vergoldet. Diadem und Halsband aber

reich emaillirt.

Aber auch der Marmor wird bemalt, und vollständig naturalistisch mit wahrem Raftinement

 Am auEallendsten in dieser Richtung waren die Büsten einer Italienerin und

einer Maureskin von weissem Marmor, das Fleisch im entsprechenden incarnat gehalten,

die Wangen geröthet, die Augen natürlich, did_ Pupillen vertieft, die Iris gesprenkelt,

etwa wie ein künstliches Auge aussieht, die Kleidung weiss, streifig bunt oder sonst entsprechend.

 Dieser ausseren Darstellung muss auch die plastische entsprechen. Plastische

Ruhe, stille, gemessene Bewegung, Entfaltung von Leidenschaft sind nicht damit zu vereinigen.

 Die Natur nach der einen Richtung ruft auch die andere Seite hervor. So ist

es nicht die Form, worauf es ankommt, sondern das Leben, der Stein ist Fleisch

geworden und das Fleisch ist lebendig. Der Stein athmet Leben mit offenem Munde,

mit geöffneten, leicht gefärbten Nasenflügeln, er athmet Leidenschaft mit zuruckgebogenem

Kopf. Es ist genau dasselbe, was die Kunst des 18. Jahrhunderts, nur mit andern Mitteln,

zu erreichen strebte.

Ob diese Kunst Frankreichs und dieser Geschmack wohl nunmehr nach den Schicksalen,

 die Frankreich erlebt hat, einen andern Charakter annehmen wird? ob der bisherige

französische Geschmack, der so ganz mit der Natur des Volkes harmonirte, sich halten

wird gegenüber der Opposition, die sich von allen Seiten erhebt? Das sind Fragen, die

sich sehr natürlich uns aufdrängen. Die Londoner Ausstellung dieses Jahres hat nur gezeigt,

 dass die französische Kunstindustrie wohl mit ihrer Weise in Schwanken gekommen

ist, aber wir fanden diese Weise doch noch durchaus vorherrschend." Unsere Weltausstellung

 von 1873 wird uns wahrscheinlich einen grossen Wandel erkennen lassen, und wenn

nicht die französische Industrie, so wird doch der französische Geschmack als solcher in

seiner Herrschaft gebrochen sein.

Uehor lluseali Nr Plastik.

(Aus dem Vortrage des Herrn Prof. Conze, gehalten im Museum am 4. Januar 1872.)

Was man bei Griechen und Römern Museen nannte, was, wenn wir namentlich

i-Kunstssmmlungen- darunter verstehen, dem Begriffe damals etwa entsprach, wurde zum

Eingnnge ganz kurz berührt.

Nur das Zusammenstrßmen von Kunstwerken in Rom zur Zeit der römischen Herrschaft

 wurde als eine auch für die Geschichte der modernen Sammlungen bedeutsame

Thatsache mehr betont. Auf der dadurch nach den mittelalterlichen Jahrhunderten der Verwahrlosung

 geschatfenen Fruchtbarkeit gleichsam des römischen Bodens an Antiken beruht

 der von den römischen Sammlungen allen anderen gegenüber lange, selbst während

der Zeiten geringerer Fürsorge Seitens der Päpste, behauptete Vorrang; dadurch war

ferner die Möglichkeit ge eben, auch noch die Mehrzahl der übrigen nach und nach in

und ausser Italien entste enden Sammlungen mit römischen Fundstücken zu versehen.

Ein Ende machte dieser Rolle Roms die Ausbeutung der griechischen Fundstätten vom

Anfange unseres Jahrhunderts an. Unbestritten wie in dieser die Engländer vorangingen

und auch die erfolgreichst thatigen blieben, wurde das Britische Museum wichtiger sogar

als der Vatican und Alles, was sich von Sammlungen, die wir nunmehr die alten Styls

nennen können, der Zusammensetzung nach ihm anschliesst.

Doch immer bleibt unter den gegenwärtigen Sammlungen neben dem Britischen

Museum der Vntican voran; wenn jenes sein eines grosses Hauptwerk, die Parthenon-Sculpturen,

 in die Wagschale wirft, so setzt der Vatican eine fast verwirrende Fülle da-
            
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