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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 151)

71)

der friedlichen Stimmung sein, welche Frankreich gegenwärtig beherrscht.

Sie soll Zeugniss davon ablegen, dass die junge Republik allen agressiven

Tendenzen entsagt hat, und dass sie mit einem eminent friedlichen Programm

 in das europäische Staatenconcert eingetreten ist. Frankreich wollte

der Welt zeigen, dass es trotz der politischen und militärischen Niederlagen

 die Führerin aller Nationen auf dem Gebiete des Geschmackes

geblieben ist. Diese Ideen mögen in Frankreich massgebend gewesen sein

und deshalb hat sich die französische Regierung trotz mancher Wechselfälle

 nicht beirren lassen, sondern die Durchführung der Weltausstellung

fest im Auge behalten. Die Eröffnung der Pariser Ausstellung ist daher

eine feststehende Thatsache gewesen und alle Staaten mit Ausnahme des

Deutschen Reiches haben ihre Betheiligung zugesagt und auch dieses hat

im letzten Augenblicke die Beschickung der Ausstellung durch Werke

deutscher Künstler beschlossen. Es werden die deutschen Künstler zum

ersten Male das Deutsche Reich durch eine einheitliche geschlossene Ausstellung

 der deutschen Kunst repräsentiren.

So sicher der Entschluss feststand, im Jahre 1878 in Paris eine Weltausstellung

 in's Leben zu rufen, ebenso gewiss ist es, dass die Nachricht

von derselben nichts weniger als mit Freuden begrüsst wurde. Ueberall

wurden Stimmen laut, dass der Zeitpunkt für Europa nicht günstig gewählt

sei, dass die Ausstellung viel zu schnell auf die Wiener Weltausstellung

folge, und dass die Opfer, welche von den verschiedenen Staaten und

lndustriellen gebracht werden müssen, zu den Resultaten, welche von der

Pariser Weltausstellung erwartet werden können, nicht im Einklange

stehen. Oesterreich speciell hat nur zögernd sich entschlossen an derselben

Theil zu nehmen. Waren schon die Opfer, welche die Wiener Weltausstellung

 verlangt hat, zu gross und noch zu frisch in Aller Gedächniss; war

doch auch die innere Lage Oesterreichs nicht derart, um leichten Herzens

diesen Schritt zu wagen, und es konnte daher die Betheiligung Oesterreichs

 nicht anders als ein Act politischer Nothwendigkeit und Courtoisie

gegenüber einem so mächtigen Staate, wie Frankreich es ist, angesehen

werden. Die Leser der vMittheilungenN) werden wissen, dass dies der

Standpunkt war, welcher vom Curatorium des Museums eingenommen

wurde; allerdings hat man sich vergegenwärtigt, dass, wenn die Frage der

Beschickung entschieden ist, auch alle Mittel aufgeboten werden müssen,

um Oesterreich auf der Ausstellung in würdiger Weise zu vertreten. Ein

Umstand ist allerdings hier in Betracht zu ziehen, der auf die vorbereitenden

 Arbeiten Oesterreichs zur Beschickung der Pariser Ausstellung im

nicht geringen Grade einwirken musste. Es ist bekannt, dass die Regierung

bereits im Spätherbste des Jahres 1876 im Reichsrathe mit der entsprechenden

 Creditvorlage erschienen ist, eben so bekannt ist es aber

auch, dass der Reichsrath erst im Frühjahre 1877 in die Berathung über

") Jahrgang i87G, Nr. l35, Jahrg. 1877, Nr. 138, x40.
            
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