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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 138)

er fällt der Vergessenheit, dem Untergange anheim. lst es nicht dieser 
Ruf, den Colbert durch Anstrengungen und Opfer der französischen Arbeit 
im 17. Jahrhundert zu verschaffen wusste, der zuerst die Käufer aus der, 
ganzen Welt nach Frankreich gezogen? Ist es nicht dieser Weltruf der 
französischen Industrie, von der Regierung gepflegt, von dem Volke mit 
emsigem Fleiss und dem Aufgebot aller Geschicklichkeit aufrecht ge- 
halten, der zwei Jahrhunderte hindurch die Millionen nach Frankreich 
hineingebracht? Ist es nicht dieser Weltruf, der Frankreich den schwersten 
Krieg überwinden, die Milliarden zahlen und nun noch die kolossal ge- 
stiegene Steuerlast ohne Murren und ohne Schwierigkeit ertragen lässt? 
Wahrlich, der Weltruf der Industrie ist der Wohlstand, ist der Reichthum 
des Landes. 
Wir sind im Begriff diesen Ruf zu erwerben, zu erringen trotz 
Frankreich, das noch vor "zwei Jahrzehnten die gesammte Kunstindustrie 
der Welt in Schatten stellte und in seinen Fesseln wusste. Und sollen 
wir diesen beginnenden Ruhm, der uns die Zukunft birgt, wieder dahin- 
fahren lassen um Ersparung einer geringen Summe willen, die noch dazu 
dem ernährenden Frieden gewidmet, verschwindend klein erscheint in Ver- 
gleich zu dem, was alljährlich der Moloch des verzehrenden Krieges ver- 
schlingt! Womit soll dieser Schlund, der sich nicht schliessen will und 
wird, denn genährt und befriedigt werden, wenn nicht mit dem, was die 
Industrie, die Arbeit der Hand, die Arbeit des Geistes hereinbringt? Und 
wie soll sie, die Arbeit, herbeischaffen, was dazu nöthig ist, wenn man 
ihr die Mittel verweigert und sie fern von dem Platze hält, wo Ruhm, 
Ehre und Gewinn für sie blühen? Man kann das nicht wollen. 
Nun ja, wir wollen ausstellen, wir wollen nicht zurückbleiben von 
dem Wettkampfe, wo zwar nicht Länder zu erobern, aber Reichthümer 
zu holen sind. Wir wollen aber nur das ausstellen, nur diejenigen Zweige 
vertreten sein lassen, mit denen wir Ehre einlegen, und wir wollen denen 
helfen, denen die Möglichkeit zur Ausstellung verschaffen, welche Noth 
leiden. Mit anderen Worten: die Kunst und die Kunstindustrie sollen 
ausstellen, die anderen zu Hause bleiben. Alsdann brauchen wir nicht 
die ganze geforderte Summe; wir können ein paar Hunderttausende, viel- 
leicht die Hälfte ersparen. 
Das lässt sich sagen, aber nicht thun. Die Kunst ist mit der Kunst- 
industrie untrennbar verbunden, die letztere wieder mit der Industrie, 
und zwar so, dass sie gar nicht gelöset werden können. Wer will sagen, 
hier hört die eine auf, hier fängt die andere an! Nur wo man diese un- 
trennbare Verbindung erkennt, wo man auf dieser Grundlage arbeitet, 
wird man blühende und gesunde Zustände schaffen können. Was im 
Leben, in Entstehung und Verwendung zusammengehört, wird man auch 
für die Weltausstellung nicht so zerreissen können, dass man das Eine 
sendet, das Andere zu Hause lässt. Ebenso wenig wird man den Unter- 
richt zurücklassen wollen, der von Jahr zu Jahr ein bedeutsamerer Factor 
3.
	        

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