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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 130)

Sie sind wenig geworden und noch weniger beachtet, aus dem Grunde, weil das Gewerbe, 
welches sich mit ihrer Anfertigung beschäftigt, fast allerorten ausserordentlich danieder- 
liegt. Einige Städte in Deutschland und ausserdem Paris beherrschen allein den Markt, 
ohne dass jedoch inre Leistungen Anspruch auf besonderen künstlerischen Werth erheben 
könnten. Die Hauptursache der Decadence im Fache ist wohl darin zu suchen, dass das 
Fabrikenwesen der Handarbeit auch hier in materieller Beziehung den Boden entzog und 
in Folge dessen alle Kräfte sich der Iohnenderen Maschinenarbeit widmeten. Dass Rasir- 
messer, Scheeren, Sensen, Sicheln und Waffen gegenwärtig fabriksmassig erzeugt werden, 
bringt gewiss die grüssten Vortheile, aber es verschwinden in Folge dessen auch alle 
kunstgewerblichen Bestrebungen unter den Arbeitern, die früher mit der gewöhnlichen 
Production Hand in Hand gegangen waren, ja die in älteren Zeiten selbst jene Nutzgegen- 
stande oft geschmackvoll zu verzieren verstanden hatten. Wir brauchen hier nicht auf 
die kunstgeschicbtliche Bedeutung der Werke hinzuweisen, welche Mittelalter und Renais- 
sance im Orient, in Spanien, Italien, im deutschen Solingen hervorhrachten; bis zu Anfang 
unseres Jahrhunderts existirte im Gürtlergewerbe die Stahlbearbeitung noch in einer 
artistisch werthvollen Art, indem sowohl WaHen als Leibesschmuck, Geräthe und allerlei 
Nippsachen darin zierlich erzeugt wurden. In allerneuester Zeit wurde wStahIschmuck- 
wieder Mode, aber was wir davon gesehen, Iaborirt an dem Mangel guter Vorbilder. 
Letztere enthält die erwähnte Collection in schönster Vertretung und in Formen, die 
unserem jetzigen Bedürfnisse ganz accommodirbar waren. Von Seiten des Handels- 
ministerium: ist die Gründung von Fachschulen an mehreren Orten beabsichtigt, woselbst 
früher eine rege industrielle Thatigkeit in Stahl und Eisen stattgefunden hatte. Plätze 
dieser Art sind z. B. Steyer und Waidhofen an der Ybbs. 
(Wiener Franen-Erwerb-Veratn.) Auf der am 14. Juni erotfneten Jubelaus- 
stellung zu München ist auch der Wiener Frauen-Erwerh-Verein durch die Arbeiten 
seiner zwei kunstgewerblichen Institute, des Zeichen- und gewerblichen Malateliers 
und des Lehrcurses für Spitzen- und einschlägige Nadelarbeiten vertreten. 
Das Atelier, in welchem die absolvirten Schülerinnen der Zeichenschule des Vereines 
unter der Leitung des Professors der genannten Schule alle Arten von Musterzeichnungen, 
Malereien und Entwürfe für Stickerei, Spitzen und verwandte weibliche Handarbeiten auf 
Bestellung ausführen, hat folgende Proben seiner Thatigkeit eingesandt: Entwürfe für 
Weiss-, Flach-, Applications , Stramin- und genuesische Stickerei, für Spitzen - point 
lace und point de rose -, für Tülldurchzugarbeiten und für Soutachebenahungen. Die 
Spitzen, welche von den ahsolvirten Schülerinnen des betreßenden Lehrcurses angefertigt, 
in verschiedener Verwendung zur Ausstellung gelangten, sind in punto tirato, punto 
tagliato, punto a rilievo, in Reticella-Arbeit und point lace ausgeführt. Beide Collectionen 
geben ein klares Bild der Zwecke, welche die obengenannten Institute verfolgen; den 
Zeichnungen liegen gute, stylgerechte Formen zu Grunde; die Spitzen sind nach alten, 
vornehmen Mustern rein und tadellos ausgeführt, und bringen uns jene hochgerühmte 
Frauenarbeit in Erinnerung, welche die Geschichte der Industrie aller Culturvblker mit- 
gemacht und in ihr eine so bedeutende Rolle gespielt hat. 
(Münchener Jnbelauastellnng.) Der Minister des Unterrichts hat Herrn Hofrath 
v. Eitelberger zum Vertreter der Unterrichtsverwaltung zu der Münchener Kunst- 
und kunstgewerbliehen Ausstellung entsendet, und der Handelsminister auf Antrag des 
österreichischen Central-Comites für die kunstgewerbliche Abtheilung der Münchener Aus- 
stellung 1876 naehbenannte Personlicbkeiten zu Functionaren bei dieserAussteIlung ernannt: 
Zu Jurors: Herrn Bruno Bucher, Secretar und Custos am Oesterr. Museum für Kunst 
und Industrie; Herrn Dr. Albert Ilg, Custos am Oesterr. Museum für Kunst und Industrie 
und Docent an der Kunstgewerbeschule des Oesterr. Museums; Herrn RudoIfKitschelt, 
Hof-Eisenmöbelfabrikant; Herrn Ludw. Lobmeyr, Mitglied des Curatoriums des Oesterr. 
Museums für Kunst und Industrie, Hof-Glaswaarenfabrikant; Herrn Josef Storck, Regie- 
rungsrath und derzeitig Director der Kunstgewerheschule des Oesterr. Museums für Kunst 
und Industrie; zum Berichterstatter für die kunstgewerbliche Abtheilung: Herrn Bruno 
Bucher; zum österreichischen Regierungs-Commissar: Herrn Dr. Georg Ritter v. Thaa, 
Sectionsrath im Handelsministerium. 
Wir werden durch Herrn Gusto: Dr. Schestag ersucht, mitzuzheilen, dass seine 
Erwiederung auf die in Nr. 129 publicinen Bemerkungen des Herrn Dr. Bergau zu dem 
Artikel über Punzenarbeiten in der nächsten Nummer der -Mirtheilungen- erscheinen wird. 
Die Redaczion. 
Bllhllverlll du Quhrn lunun. lnhdrukud wn um euun Ich h m-
	        

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