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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 240)

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dieses kleinen Kreises sind die Grundlinien zu einem Programm für

die neue Sculpturensammlung entworfen worden. Diese Grundidee zu

entwickeln und damit zur lebhafteren Discussion der Sache in der Oeffentlichkeit

 den Impuls zu geben, ist die Hauptaufgabe dieses Vortrages.

Aber besitzen wir in Wien nicht bereits mehrere solche Sammlungen

 von Gypsabgüssen? Diese Frage sehe ich auf den Lippen mancher

meiner verehrten Zuhörer schweben. - Allerdings: wir besitzen zwei

recht namhafte Sammlungen von Abgüssen, und zwar im Oesterr. Museum

und in der Akademie der bildenden Künste. Ich will ihnen eine kurze

summarische Betrachtung widmen, nicht nur um den Vorwurf der Unterschätzung

 des Bestehenden abzuwenden, sondern auch, weil wir durch

die Schilderung dessen, was wir besitzen, am besten uns klar werden

können über das, was uns fehlt.

Die ältere und reichere von den beiden Sammlungen ist die der

Akademie; ihre Gründung reicht bis zu den Anfängen dieser kaiserlichen

 Kunstanstalt unter Leopold I. zurück, wenn auch wohl keines der

jetzt im plastischen Museum am Schillerplatz befindlichen Stücke noch

aus den Tagen des Peter Strudel herstammt. Einen beträchtlichen Zuwachs

erhielt die Sammlung unter Kaiser Joseph ll. und in der ersten Regierungszeit

 des Kaisers Franz. ln den Sechziger Jahren, als ich an die

Akademie berufen wurde, war das Museum bereits auf etwa 6oo Abgüsse

griechischer und römischer Antiken angewachsen. Gegenwärtig weist sein

Inventar über 1400 Nummern aus und die Sammlung füllt, außer der

säulengetragenen Aula, noch acht Säle des neuen Akademiegebäudes, mit

im Ganzen ungefähr 1470 Quadratmeter Bodenßäche. Der Zweck der

Sammlung ist bestimmt normirt: sie hat in ihrer gegenwärtigen Verfassung

den Lehrbedürfnissen der Akademie und der archäologischen

Lehrkanzel der Wiener Universität gemeinsam zu dienen; der

Professor der classischen Archäologie an der Universität hat neben den

Vertretern der Akademie in der Verwaltungscommission des Museums

Sitz und Stimme. Seinem doppelten Zweck entsprechend, hat das Museum

auf die classische Kunst der Griechen und der Römer das Hauptgewicht

zu legen. Diese soll in ihm durch die künstlerisch mustergiltigen und für

das vergleichende und geschichtliche Studium wichtigsten Denkmäler

möglichst ausgiebig repräsentirt werden. Das orientalische und christliche

 Alterthum, die mittelalterlichen Stile müssen zurückstehen, und von

den modernen Kunstepochen erhebt nur noch die Glanzperiode der italienischen

 Renaissance auf eine reichere Vertretung Anspruch. Mit der Zeit

wird es möglich sein, die Hauptwerke Donatellds und Michelangelds

neben denen der hellenischen und römischen Kunst vollzählig zu vereinigen

 und so wenigstens die beiden Höhepunkte in der Geschichte der

Sculptur in der Sammlung würdig zur Darstellung zu bringen.

Auch bei der Gründung des Oesterreichischen Museums für

Kunst und Industrie hat sich sofort das Bedürfniss einer Sammlung irou
            
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