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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 2)

Ä

reiche Prachtdarstellungen des großen Venetianers am deutlichsten wahrnehtubar.



Ich will kleinere Sachen übergehen und wende mich wieder einzelnen

 hervorragenden Plafondarbeiten zu, die aber nicht in Wien ausgeführt

 wurden, sondern in der wahrscheinlichen Vaterstadt des Künstlers,

in Brünn. Es ist der Plafond des Landhauses, eine Allegorie der Gerechtigkeit

 vorstellend. Dieses alte Landhaus hat einen langgestreckten Saal

' mit einer flachen Decke, welche mit Fresken bemalt ist; aber auch die

Wände sind mit Malereien geziert, die Statuen habsburgischer Fürsten

vorstellen. Diese Decoration der Wände ist ein Werk von Gaetano Fanti,

dem aus Bologna nach Wien übersiedelten Architekturmaler, und die

Figuren selbst von Bartolomeo Altomonte.

Es ist wohl kein Zweifel, dass die Uebertragung dieser großen Arbeit

an Gran auf Hörl zurückzuführen sein dürfte, der in Brünn ja schon

lange im Ansehen stand. Um jene Zeit war der Ausbau des kaiserlichen

Schlosses Schönbrunn vollendet, des ursprünglich [im Jahre 1696 von

Fischer dem Aelteren begonnenen Schlosses, welches dann längere Zeit

unvollendet stand und erst unter Maria Theresia nach 1740 in der heutigen

 Erscheinung weiter ausgebaut wurde. Gerade der Tract, in welchem

die Arbeit Gran's zu suchen ist, war der letzte, der fertig wurde, nämlich

der Flügel, in welchem sich die Capelle beßndet. Sein Werk ist wieder

das Deckengemälde.

Fast gleichzeitig erfolgen die Unternehmungen des Künstlers für

Herzogenburg. Das damals sehr reiche Benedictinerklosrer hatte damals

in dem Probste Frigdian Knecht einen außerordentlich kunstsinnigen

Vorstand, wie es solche Mäzene damals in fast allen Klöstern Oesterreichs

gab. Die Arbeiten des Künstlers in Herzogenburg sind theils Fresken,

theils Oelbilder. Das schönste der letzteren ist das Altarblatt, welches die

heilige Maria, Georg und Stephanus zum Gegenstande hat, in der Com- _

position sehr verwandt mit einem kleineren Bilde im Belvedere. Außerdem

 haben wir hier Fresken, welche er in Gesellschaft mit dem älteren

Altomonte ausführte, Sinnbilder der Religion u. s. w.

Eine größere Leistung, welche bald darauf im Jahre 1742 entstand,

war die Decoration des großen Saales in Hetzendorf bei Wien. Dieses

kleine, zierliche Schlösschen wurde im Jahre 1740 von Maria Theresia

für ihre Mutter, die Kaiserin-Witwe Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel,

 errichtet. Der Architekt wafderselbe Pacassi, der auch den

Ausbau Schönbrunns leitete. Im Innernen ward für die Anlage eines

großen Saales vorgesorgt; eine Schlosscapelle wurde eingerichtet, auch

sind dort prachtvolle chinesische Interieurs.

Der große Saal stellt in seinem Deckengemälde den aufgehenden

Tag vor, welcher die guten Genien der Fruchtbarkeit, des Erntesegens

etc. heraufführt, während die Nachtdämonen vor seinem Schimmer entweichen,

 eine der grandiosesten Compositionen des 18. Jahrhunderts.
            
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