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Alle Theile des menschlichen Körpers stehen mit einander in so innigem
Zusammenhange, dass gewisse Eigenthümlichkeiten des einen Organcomplexes
bestimmten Eigenschaften des andern entsprechen.
Die Stütze des menschlichen Körpers, das Gerüste, an dem sich alles
andere aufbaut, ist das Gerippe, das Skelet. Es besteht aus einer grossen
Zahl (240) einzelner Knochen, die theils beweglich, theils unbeweglich miteinander
verbunden sind. Das Knodhengerüste soll die Grundlage des
anatomischen Wissens des Künstlers bilden. vHast du dieses Gebäude
gut im Gedächtniss-l, lese ich bei Cellini, nso wirst du weder bei nackten
noch bei bekleideten Figuren einen Irrthum begehen, welches viel gesagt
ist.u Das Skelet, wiewohl zum grüssten Theile von dickeren .Weichtheilmassen
überkleidet, ist das Fundament der Form.
Der bedeutsamste, wichtigste Theil des menschlichen Körpers, das
Haupt, verdankt seiner knöchernen Grundlage das wesentlichste seiner
äusseren Form. Wie den menschlichen Schädel das bestimmte Verhältniss
zwischen Gehirn- und Gesichtstheil, das Ueberwiegen des ersteren über
den letzteren, seine gerundete Form, die schöne Harmonie der für die Aufnahme
der Sinnesorgane bestimmten Höhlen, das Vorhandensein einer
Stirne und eines Kinns vor allen Thierschädeln auszeichnet, so dass, wenn
er auch als starre unbelebte knöcherne Masse vor uns liegt, immer etwas
Erhabenes, Geistiges aus ihm hervorblickt, so geben die vielfältigen Modulationen
dieser Verhältnisse auch den einzelnen Individuen ein bestimmtes
Gepräge. Der physiognomische Ausdruck ist nicht allein vorn Spiele der
Gesichtsmuskeln abhängig, er ist zum grossen Theile in der Gestalt der
Gesichts- und Schädelknochen vorgebildet. Der knöcherne Schädel zeigt
in verschiedenen Altersperioden verschiedene charakteristische Formen. Der
Typus eines kindlichen Kopfes, wie desjenigen eines erwachsenen Mannes
und des Greises ist an den knöchernen Grundlagen des Hauptes deutlich
und unverkennbar ausgesprochen.
Der Schädel ruht auf einer gegliederten Säule, der Wirbelsäule, deren
einzelne Elemente, die Wirbel, durch elastische Bandscheiben aneinandergefügt
sind. Die Wirbelsäule des Kindes ist ursprünglich fast geradlinig.
Durch den aufrechten Gang des Menschen entwickeln sich in ihren einzelnen
Abschnitten bestimmte Krümmungen: die Hals- und Lendenwirbelsäule
erscheinen nach vorne, die Brustwirbelsäule und das Kreuzbein nach
rückwärts convex. Diese normalen Biegungen der Wirbelsäule setzen eine
Schlangenlinie zusammen, die im hohen Alter wieder zu einem einzigen
nach rückwärts convexen Bogen wird.
Die iz Brustwirbel tragen, durch gelenkige Verbindung eingefügt,
die Rippen, die in der vorderen Mittellinie des Körpers mit dem Brustbein
sich vereinigen. Brustwirbelsäule, Rippenund Brustbein bilden den
Brustkorb, an dem gleichfalls bestimmte Alters- und Geschlechtsunterschiede
sich vorfinden. Wie viel Varietäten in der Form des Brustkorbes bei verschiedenen-Menschen
vorkommen und wie sehr die Gestalt des Brustkastens
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