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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 171)

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3. Da die Vorbildung der Lehrlin e im Allgemeinen gering ist, so hat während

 der Lehrzeit in der Lehrwerkstatte noc ein Elementarunterricht stattzufinden.

Derselbe sollte bei jeder Lohnwerkstätte angebahnt werden als Repetition und Fortbildung,

 jedoch täglich nur etwa 1-2 Stunden in Anspruch nehmen. Befindet sich am

Platze eine entsprechende Fortbildungsschule, so kann der Unterricht dort ibenutzt

 werden.

4. Dem Inhaber der Lohnwerkstätte ist eine Entschädigung für verdorbene

Waare zu bewilligen; derselbe hat aber Webelehrern etc. den Zutritt zu gestatten und

den Betrieb der Werkstatt voll und regelmässig aufrecht zu erhalten.

5. Für grüssere Centren, wo das Bedürfniss nach geschulten Arbeitern und nach

Werkführern zugleich auftritt, wo der Fabrikantenstand einer fortgesetzten Ergänzung

und Nachbildung bedarf, ßmpßehlt es sich, Textilfachschulen zu begründen, welche

in erster Linie für die bestimmte Specialbranche ausbilden sollen und daneben dafür

sorgen, dass auch weitgehendere Kenntnisse der Textilindustrie erworben werden können.

6. Da solche Fachachulen einer Werkstatt resp. der Webstühle etc. nicht entbehren

 können, so empfiehlt es sich wohl, mit dieser Fachschule die Lehrwerkstättc

zu verbinden und neben Heranbildung von Lehrlingen die Ausbildung von Werkfuhrern,

 Vorarbeitern etc. zu erstreben, wobei der richtig geleitete Verkehr der beiden

Elemente von grossem Vortheil sein wird. '

7. ln den praktischen Uebungen der Schulen ist besonders darauf zu sehen, dass

jeder Schüler beständig ausreichend und möglichst selbständig beschlftigt ist

Es scheint, dass das englische System, zwei Schüler von verschiedenem Ausbildungsgradc

an einen Stuhl zu stellen, sehr zweckmässig ist. des persönlichen Austausches unter denselben

 wegen.

8. Die Hilfsmittel des fachlichen Unterrichtes sollen möglichst vollkommen Aeln.

Die grossen Tafeln der Engländer sind nachahmenswerth, ebenso die bildlichen Darstellungen

 der Stuhltheile; die französischen Wandtafeln und Demonstrationsmodelle sind

zu empfehlen.

g. ln Districten, wo dieselbe Branche der 'l'extilindustrie stark und dicht vertreten

ist und mehrere Stkdte und Orte erfüllt, sollte man von Begründung mehrerer Fachschulen

 desselben Genres in benachbarten Orten absehen, sondern die betreffenden Orte

sollten zusammentreten und eine grössere Districts-Fachschule begründen. Dadurch wurde

die Last für die Commune geringer, die Ausrüstung der Anstalt-konnte viel reicher und

vollkommener sein, das Lehrpersonal zahlreicher und besser.

I0. Die höhere Textilausbildung ist Sache einer Textilschule (etwa im Sinne

der Mühlhausener oder Rouener) oder einer Abthe i I ung höherer polytechnischer Schulen

und muss sowohl Spinnerei, Weberei, Appretur, als auch Bleicherei, Färberei und Zeugdruck

 umfassen.

n. Die Lehrwerkstatte hat ihr Augenmerk auf Erzielung manueller Fertigkeit

und Uebung und Umsicht im Handwerk zu richten; die Fachschule muss moglichste

Ausbildung des Faches in fabricatorischer Beziehung erreichen und dem Kunstgewerbe

 zustreben; die Textilhochschule hat die technische Vervollkommnung und Entwicklung

 der Maschinen. Anlagen und Hilfsmittel der Textilindustrie im Auge zu behalten.

Diese Dehnition ergibt. dass das praktische Arbeiten für die Lehrwerkstätten

die Hauptsache ist (sowohl Vliebexi als auch Vorrichten etc.), für die Ausbildung von

Werkführern, Fabrikanten dagegen das Musterwesen und die dnrnach erfolgende Wahl

und Disposition des Materials, dessen Vorbereitung und Anordnung, die Wahl der Stühle _und

Vorrichtungen, die Ausrüstung der gefertigten Stotfe u. s. w. gleichberechtigt auftritt, - für

die hohere Textiltechnik aber zunächst weiter zurücktritt vor den theoretischen Studien.

Während dann für den höheren Unterricht die mathematischen und physikalischen Wissenschaften

 als Haupthilfsdisciplinen zu betrachten sind, stellen sich fur die mittlere Bildung

der Fachschule Musterzcichnen; decoratives Zeichnen, Waarenkunde und Technologie als

wichtigere Unterrichtsgegenstände heraus.

Vorlesungen In luuun.

Der heurige Cyclus von Vorträgen an den Donnerstag-Abenden wurde am I3. November

 durch Regierungsralh Bucher eröffnet. Derselbe sprach über nGottfried Sernper

und seine Beziehungen zum Kunstgewerben. Wir enthalten uns eines Referates über diesen

Vortrag, da wir denselben mit Beginn des neuen Jnhrganges vollinhaltlich zum Abdruck

zu bringen gedenken.

Am zweiren Vorrragsabende, am 20. November, sprach Custos Chmelarz über

Idie Renaissance in Frankreichu. Er skizzirle zuerst die politischen Beziehungen, welche

seit Ende des XIV. Jahrhunderts, besonders aber seit Karls Vlll. Zuge nach Neapel sich
            
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