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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 12)

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Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Der Verfasser geht den Spuren und Ruinen dieses

antiken Hauses auf französischem Boden nach und reconstruirt es vollständig mit Hilfe

der pompejanischen Hauser. Dieses antike Haus bildet ihm die Grundlage seines modernen

Hauses, das in der Hauptsache der antiken Anlage folgt. Des Weiteren aber ruft er die

moderne Wissenschaft zu Hilfe, und mit den Ergebnissen der Physik und Chemie, verbunden

 mit den Erfahrungen, welche ihm das Studium des antiken Hauses gegeben hat,

z. B. in Bezug auf Erwärmung, schafft er alles dasjenige, was das Haus in Rücksicht

auf Gesundheit bedarf. Er verschaEt ihm Schutz gegen die Feuchtigkeit des Bodens

und die bösen Gase; mit Hilfe der antiken Beheizung unter dem Fußboden (Hypocaustum)

 schafft er warme Füße und eine milde Temperatur in allen Räumen; er schafft

gutes Wasser, gesunde, frische Luft, hinlangliches Licht mit tiefgehenden Fenstern, endlich

 Abwehr gegen Luftzug und die schädliche Ausdünstung der Mauern. Alles das ist

klar, wissenschaftlich, verstandig auseinandergesetzt. Man kann zum Besten der Menschheit

 nur wünschen, dass jedes Haus dieser Vortheile theilhafttg wird. Der Verfasser

wendet sich aber auch der künstlerischen Ausstattung zu und tritt dabei in Opposition

 mit dem herrschenden Geschmack der Franzosen. Er will an das Alte wieder anknüpfen

 und erkennt insbesondere auch farbige Fenster nicht blos als einen Luxus an,

sondern als eine Nothwendigkeit, freudige Harmonie im lnneren zu schaffen.

J. v. F.

at-Die

 katholische Kirche und die Renaissance. Von Joh. Graus. z. Aufl.

Freiburg i. B. 1888. Lex.-8". 80 S.

Wir halten diese freisinnige und geistreiche Schrift des sehr verdienten Conservators

 für Steiermark, Obmannes des christlichen Kunstvereines in Graz und Professors

der Kunstgeschichte am dortigen theologischen Seminar, für eine ganz besonders hervorragende

 Literaturerscheinung, für eine That geradezu unter den Verhältnissen, welche

im heutigen katholischen Clerus in dessen Beziehungen zur Kunst obwalten, nicht nur,

weil dieses warm und kenntnissreichYgeschriebene Büchlein einem beklagenswerthen Vorurtheil

 in clerikalen Kunstkreisen kräftig und vernünftig entgegentritt, sondern ganz besonders

 deshalb, weil ein Priester selbst in diesem Sinne seine Stimme erhebt. Was

der Verfasser hier mit schlagenden Gründen in umständlicher und gelehrter Deduction

durchführt, was wir Weltlichen in anderer Weise gleichfalls schon energisch gegen die

jetzt herrschende Kunstanschauung des Clerus geltend gemacht haben, heißt mit einem

kurzen Worte: Fort mit dem Irrthum, dass es einen alleinbefugten katholischen Kirchenstil

 gebe; dass das nur die Gothik sei und dass die Renaissance und ihre weiteren Derivationen

 etwas Unkirchliches an sich trügen: erkennt, dass endlich umgekehrt vielmehr

für die heutige katholische Kirche ihr viel entsprechenderer Stil derjenige der Barocke

sein kann, weil er und sie gleichmäßig aus der Gegenreformation des 16. und 17. Jahrhunderts

 herausgewachsen sind. Es lastet über den heutigen Kunstfreunden in der katholischen

 Kirche in der That eine ungeheuerliche Verblendung. Wahrend die Geistlichkeit

sonst in allen anderen Dingen gegen den internationalen, kosmopolitischen Gedanken,

der in ihrem Sinne in Rom und dem Papstthum seinen Brennpunkt hat, Alles hintansetzt,

gegen nationale und Vaterländische, stammeseigenthümliche und geographische Gesichtspunkte

 in allen Angelegenheiten Front macht, um in Allem auf den Gedanken der

südlich- romischen päpstlichen Einheit des Katholicismus zu concentriren, begeht dieselbe

 katholische Priesterschaft in Sachen der Kunst heute die lnconsequenz, das eminent

katholische Moment des aus der Bekämpfung der antikatholischen Tendenzen resultirenden

Barockstils zu perhorresciren, als unkirchlich zu verschreien und sich dem sonst

oppoaitionell gemiedenen Norden mit ausgesprochen national-germanischer Inclination

in die Arme zu werfen. Ist es aber schon nicht die alleinseligmachende Gothik, der

man als dem allein katholischen Stil huldigt (obwohl die jüdischen Synagogen des

Mittelalters in genau derselben Gothik gebaut wurden wie die Kirchen), so greift man

nach den Formen des ältesten Christenthumes, der Katakomben- und Basilikenzeit zurück,

und gerath damit wieder in eine Annäherung an den Protestantismus, welche der katholischen

 Kunst die allerunangemessenste ist, - nur diejenige Stilerscheinung, welche

eine kräftige Reaction gegen denselben nüchternen und kunstlosen evangelischen Geist

mit allem Zauber der Form und Farbe gewagt hatte, um über ihn kraftigst in den

Gemüthern warmfuhlender, südlicher Völker zu triumphiren, denjenigen Stil, welchen

Päpste sanctionirt haben und in dessen Gewand die großartigsten Schöpfungen der Kirche

an's Licht traten, ihn flieht der heutige Clerus, findet etwas Unheiliges, Unkirchliches

in ihm, zerstört seine Denkmale und setzt iammerliche moderne Nachbildungen der alten

Gothik an die Stelle. Darum freut es. uns, dass ein geistvoller Priester selber es unternimmt,

 seinen Brüdern den Appell zu vernünftiger Umkehr zuzurufen. llg.

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