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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 136)

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wand bruches. Derselbe liegt hllerdings etwas weniger steil, aber mindestens ;0o' noch 
höher als der Ternellabrücltlbruch; er liefert das feinkornigste und schönste Materialc 
(jedenfalls die Primasorte des Laaser Materials). Dieser Bruch ist es, welcher vorzüglich 
für die Sculpturwerke, die unter König Ludwig I. in grosser Anzahl ausgeführt wurden, in 
Verwendung kam. Es ist dies dieselbe Felswand, an deren Rückseite die Marmorbrüche 
von Schlanders liegen. Qualität und Ergiebigkeit des Materiales in diesem Bruche sind 
ausser Zweifel, aber die Gewinnung desselben ist mit Schwierigkeiten verbunden, nament- 
lich da in diesem Bruche allem Anschein: nach lange Zeit ein regelmassiger Betrieb nicht 
stattgefunden hat und vorerst rossere Mittel zur Instandsetzung desselben aufgewendet 
werden müssten. Aus diesem runde war Herr Steinhauser bestrebt ein an Qualität ahn- 
liches Materiale in günstigerer Lage aufzufinden. ln der That hat er an der Thalsohle 
noch weiter aufwärts und in geringer Hohe über derselben, daher gut zugangig, vor nicht 
langer Zeit einen Bruch erotfnet (im sogenannten Faltinbodenl, den dritten gegenwärtig in 
diesem Thale betriebenen Marmorbruch. Das Materiale hat die nachste Verwandtschaft mit 
jenem des Jenbruch und kann tiefer hinein vielleicht demselben an Qualität nahkommen; 
nach den bisherigen Proben überragt das Materiale des Jenbruch diejenigen der anderen 
Brüche noch ganz wesentlich. Der vierte Bruch endlich, Mortellabruch (Val Martell), 
liegt in dem von Schlander's südlich abzweigendern Thale; der Weg bis zur Wand , an 
welcher derselbe liegt, ist ganz gut mit Wagen fahrbar und hat massige Steigung. Die 
Wand, an welcher der Bruch liegt, ist auch steil und wird das Materiale herabgestürzt 
oder konnte bei besserem Betriebe geseilt werden. Die Zugangigkeit bei diesem Bruche 
ist ohne Vergleich besser als jene der Brüche von Laas; das Materiale ist derber , von 
groberem Gefüge, aber wie es scheint gleichförmig und bricht in sehr grossen Stücken, 
wie ein eben am Fusse des Bruches zur Bossirung zu einer Mosesstarue bereitliegender, 
i8' langer Block beweist. Dieses Materiale scheint zu architektonischen und decorativen 
iiguralischen Arbeiten besonders geeignet und besitzt grosse Aehnlichkeit mit demjenigen 
von der lnsel Naxos. 
Die eben naher bezeichneten, von Herrn Steinhauser gegenwärtig benützten Brüche 
bilden jedenfalls nur einen geringen Theil der Ausbeute, welche in diesen beiden Tha- 
lern an Marmormateriale möglich wäre, und betreibt auch Herr Schniidinger in Hotiein 
bei Schlanders seine sogenannten Scl-ilandexsbrüche nur massig. Aber obgleich es ausser 
Frage steht, dass auch an anderen Punkten in diesen Thalern Materiale von vorzüglicher 
Qualität aufzufinden wäre, so könnten die Gefertigten selbst unter der Voraussetzung, dass 
grbssere Geldmittel dafür aufgewendet würden, auf die Eröffnung neuer Brüche nicht ein- 
rathen. lm Gegentheile scheint gegenwärtig schon für die vorhandenen Geldmittel das 
Terrain der Brüche zu ausgedehnt, und man möchte eher auf Einschränkung als auf Er- 
weiterung einrathen; und insbesondere zu einer Concentrirung der Mittel auf jene Brüche, 
welche bei gutem Betriebe eine reichliche Ausbeute und ein hochst werthvolles Materials 
zu liefern versprechen. Hiebei sind in erster Linie die Brüche der Jenwand und zunachst 
der Bruch von Ternellabrückl gemeint. Für letzteren, welcher gegenwärtig am besten 
betrieben wird und wo recht ergiebige Wände aufgedeckt sind, dürfte die Anlage einer 
Rutschbahn vorläufig genügen, welche nach der hiezu günstigen Situation des Bruches 
mit verhaltnissmassig geringen Mitteln zu bewerkstelligen wäre. Bei den Brüchen an der 
Jenwand, welche hiemit der besonderen Aufmerksamkeit empfohlen sein möchten, dürften 
voraussichtlich grossere Geldmittel zur Aufdeckung ausgedehnter Wände aufzuwenden sein; 
bei diesem Vorgehen mochte jedoch ein möglichst sparsamer Gebrauch von dem erwie- 
sener Massen allzureichlich verwendeten Pulver gemacht werden. 
Eine Massregel jedoch, welche für sammtliche Laaser Brüche gleich wichtig er- 
scheint, ist die Verbesserung, oder richtiger gesprochen, Umlegung der oben schon ge- 
schilderten schlechten Strasse, und zwar vornehmlich des ersten, beilautig eine halbe Meile 
langen Theiles bis zu jener Stelle, wo dieselbe dann mit geringer Steigung dem Laufe 
des Baches entlang ansteigt. Bei dem hier angeregten Strassenbau, welcher auch der be- 
sonderen Aufmerksamkeit der Landesregierung zu empfehlen ware, dürfte die dabei we- 
sentlich interessirte Gemeinde voraussichtlich nach Kräften mitwirken. Die für diesen Weg 
geeigneteste Trace zu bestimmen ist sehr nahegelegt; die Kosten für diesen Strassenbau 
wagen die Gefertigten, bei ihrer gänzlichen Unkenntniss der Localverhaltnisse, auch nicht 
annähernd anzugeben,- demungeachtet glauben sie die von Herrn Steinhauser calculinte 
Summe von beiläufig 3000 B. als viel zu niedrig angesetzt bezeichnen zu können. Wie 
dem aber auch sei, erachten die Gefertigten sowohl die angedeuteten Ver- 
besserungen in den beiden oben näher bezeichneten Brüchen als auch die 
Umlegung und die zweckentsprechende Herstellung einer Staasse zu den 
Brüchen als eine Lebensfrage für die dortige Marmorindustrie, und es ist 
unschwer nachzuweisen, dass die grossen in die Laaser Marmorindustrie bisher ausschliess- 
lich von Herrn Steinhauser investirten Capitalien erst dann zur Verwerthung gelangen 
werden, wenn die ausser Verhaltniss geringeren zu rationellem Betriebe und zur Aus- 
beutung grosserer Materialquaiuitaten unerlässlichen Mittel dafür aufgewendet werden. 
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