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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 185)

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Außer dem Fenster in jenem Gemache von Rosenstingl, das ini seiner 
Art vollkommen entsprechend ist, hat die Tiroler Anstalt für Glasmalerei 
noch eine große Anzahl farbiger Fenster für das Haus ausgestellt, welche 
alle jene wohldurchdachten Grundsätze und gemäßigten Ellecte zeigen, 
die wir schon öfter anzuerkennen Gelegenheit hatten. Ein anderes farbiges 
Fenster der Firma Unterberger 8c Bachmayr versucht die gleichen Eifecte 
durch Aetzung .und Färbung herzuatellax; Das ausgegellte Beispiel ist 
wohl zu unruhig, zu bunt flimmernd vor dem- Auge, um sich gerade im 
Wohnzimmer zu empfehlen, doch zweifeln wir nicht, dass sich auf diese 
Weise, namentlich für Durchgangsräume, recht angenehme und gefällige 
Effecte von' rein decorativer Art erreichen lassen. 
Den oberen Saal X können wir nicht passiren, ohne noch ein Mal 
der wundervollen Tableaux von Ph. Haas St Söhne zu gedenken, welche 
hier im Museum weit schöneren und reicheren Effect machen, als es im 
Prater der Fall war, zumal dann, wenn man aus dem Zimmer Alberts durch 
die geöHnete Thlir hindurchblickt und den vollen Schein, die volle Glorie, 
möchte man sagen, vor sich hat. Mehrere hübsche neue Decorationsstoß": 
sind nur die Folie für jene kostbare Wandverzierung, bei welcher Professor 
Sturm sein unvergleichliches Talent wieder bewährt hat. ß 
Ein ganz anderes Bild als auf den früheren Weihnachts-Ausstellungen 
gewährt diesmal Saal IX. Die Farbendruckbilder, welche ihn früher zum 
größten Theile erfüllten, sind fast gänzlich ausgeblieben mit Ausnahme 
zweier größerer, in ihrer Art bedeutender Bilder aus der Anstalt von K. 
Grefe. Dafür sind die Buchbinder eingezogen und haben den Raum erfüllt, 
den die Blumen von Fasching, die Möbel vonZayda u. A., die Eisenguss- 
gegenstlinde von Kitschelt u. s. w. übrig gelassen haben.- 
Die Buchbinder haben sonst immer spröde gethan, und sie wussten 
wohl, warum. Die Special-Austellung der Bucheinbände im vorigen Sommer 
hatte sie zum ersten Male herbeigezogen. Nunmehnzeigen sie aber, dass 
sie von jener Ausstellung (und das war der Zweck derselben) auch wirklich 
gelernt haben. Scheibe, Kritz, Beringer, Grumm, Güntherhaben recht 
gute Arbeiten in gesunder Art gebracht, und jenes bunte populär-vulgäre 
Genre in alter [Leipziger Art ist ferngeblieben. Auch die Albums (Novak, 
Francke) zeigen bessere Beispiele, wenn nur nicht gar zu reichlicher Ge- 
brauch von Plüsch gemacht wäre. Der reizvolle und dankbare Stoff wird 
dadurch als bloße Novität in kurzer Frist todtgeritten, denn wie Decorateure, 
Möbelfabrikanten, Buchbinder, so haben sich auch die Galanterie-Arbeiter 
seiner auf das ausgiebigste bemächtigt, wie zum Beispiele M. Klein es 
erkennen lässt. Doch wollen wir nicht verkennen, dass eben auch in den 
Galanteriearbeiten manche neue und hübsche Motive (so bei J. Luksch 8c 
Sohn und bei W. Luksch) zutage getreten sind, deren Ursprung wir zum 
Theile wenigstens auf die erwähnte Ausstellung von Bucheinbänden zurück- 
führen können. o
	        

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