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Full text: Alte und Moderne Kunst I (1956 / Heft 2)

 
Abb. e Busch: stupid..." a" am Emma... Burglnllnd. _ um... 
und Wnwun a" frülulron Bullxnr a" Burg 
Unter dem Eindruck dieser Perspektiven mag der Gast die histo- 
rische Bedeutung dieses Landstrichs und dieses Ortes begreifen. 
- Seit der Prähistorie, als hicr eine Fluchtburg und in geringer 
Entfernung eine bronzezeitlichc Gießerei bestand, deren Waffen 
und Schmuck auf den uralten Handels- und Durchgangsstraße-n 
bis Skandinavien und England Verbreitung fanden, - hinter- 
ließen alle großen geschichtsbildendcn Miichtc hier ihre Spuren. 
So haben nach den Völkern der Vorzcit die Römer und dann 
dic weltlichen und geistlichen Herren des Mittelalters und der 
Neuzeit immer wieder diesem befestigten Platz ihre Aufmerk- 
samkeit geschenkt und seine liortifikatiunen ausgebaut. Es ist 
Grenzland hier. Und mehrmals wechselte Burg und Land vom 
westlichen ins östliche Machtbereich und 
wieder zurück. So bildeten die Burgmauern 
einmal die Brustwchr für das kaiserliche 
Reich und dann wieder für die Länder der 
Sankt Stephanskronc. So wechselten auch 
dic Namen der Burgherren, die mit Wap- 
pen und Helmzicr im Stiegenhaus des 
Schlosses verewigt sind (Abb. 6), entspre- 
chend der Macht und dem Klang der 
Sprache. 
Den Anfang macht ein Pfleger der Erz- 
bischöfe von Salzburg (814), dann ist es 
wieder Herr Miczbzin aus dem Geschlecht 
der Äkos, ein Vasall des Königs von Un- 
garn (um 1200); die Templcr, der glän- 
zendste Ritterorden des Mittelalters, haben 
hier ihre Niederlassungen (noch heute er- 
innert das burgenländische Wappen an 
diese Herren); und zu Ausgang des Mittel- 
alters ist gar Laurenzius Ujlaky, der Sohn 
des letzten ungarischen Vasallenkünigs von 
Bosnien, hier Burgherr. Dieser Mann und 
seine schöne Gemahlin Katharina Fresco- 
baldi, aus oberitalienischem Geschlecht, 
. ._ .. .. . Abb. v 
sind zu duster-legendarer Beruhmthcit ge- 
langt. Kriegsdienst, Eifersucht, Mißtrauen und Mord bilden die 
Glieder jener uralten tragischen Schicksalskctte, in deren F "srln 
dieses Paar gerät. Die schöne Katharina wird von ihrem Gatten 
der Untreue bezichtigt und bei lebendigem Leibe eingemauert. 
Seitdem kann sie keine Ruhe finden. In weißen Gewändern, die 
Pärta, die flache ungarische Fraucnhauhe auf dem Haupt, einen 
grünleuchlcnden Smaragd auf der Stirn, das schöne Gesicht 
von blonden Zöpfen umrahmt, - so haben schon manche 
Bewohner des Schlosses die weiße Frau von Bernstein um- 
gehen gesehen. 
 
Die Neuzeit aber liebt Feste und leichten Sinn in hcidnisch 
spielerischer Verkleidung. Die Königsbcrge waren ein mächtiges 
Geschlecht und lireundc Wallensteins. Wie er in seinem hcrr- 
lichcn Palast in Prag, so huldigen auch die Burghcrren von Bern- 
stein den Musen der Renaissance. Der Festsaal, dessen reiche 
Stuckdeckc Darstellungen aus den Metamorphosen des ()vid 
zeigt, ist der schönste Raum des Schlosses und der einzige, in 
dem die Prachtliebe feudaler Lcbcnshaltung des Barock zu schü- 
nem Ausdruck kommt. 
Als dann das Schloß vor wenigen Jahren in ein Hotel umge- 
wandelt wurde, mußte der historische Rahmen mit den heutigen 
Anforderungen in Einklang gebracht werden. Eine dieser mo- 
dernen Attraktionen ist z. B. das geräumige Schwimmbassin, das 
auf einer der brcitcn Bastionen angelegt wurde; eine andere dic 
in einem Wachttürmchcn eingerichtete kleine Bar. Am offenen 
Kamin wird hier an einem mittelalterlichen Spieß gebraten und 
dazu burgenländischer Wein serviert. 
Die Einrichtung derartiger Schloß-Hotels verlangt von ihren Be- 
sitzern allerdings die tcilwcise Aufgabe der Bewegungsfreiheit 
im cigcncn Heim und das Eingehen finanzieller Risken. Sind 
aber dic Schwierigkeiten der Erhaltung eines Schlosses zu groß 
und das Bauwerk nicht bedeutend genug, um als Sehenswürdig- 
keit bcsucht zu werden, so dürfte die hier aufgezeigte Lösung 
nicht von der Hand zu weisen sein. - Außerdem wird auf diese 
Weise unsere Kulturlandschaft vor nicht wieder gutzumachcnden 
Schäden bewahrt; und die für das Vorstellungsvermögen und 
für das Verständnis der kulturellen und historischen Zusammen- 
hänge so notwendigen Ansatzpunkte und Anregungen werden 
vcrmcbrt. Man weiß, wie sehr das Geschichtsbcwußtscin im 
Schwinden begriffen ist und wie schwerwiegend diese Gefahr ist. 
Dem könnte mit Erfolg begegnet werden, wenn die privaten 
Kreise die ihrer Initiative gebotene Chance nützen. 
 
Burg Bouutnln, Burgenland. _ Soll 1952 hnwat. .1, um: olngorlchlnt 
1:
	        

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