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Volltext: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Sonderheft Europäisches Denkmalschutzjahr 1975) (1975)

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48 Gruppe III. Chemische Industrie. 
aus mehreren, verschiedene Lagen bildenden histologischen Elementen 
zusammengesetzt. Unter der Oberhaut liegt zunächst eine Collenchym- 
Schicht und unter dieser die Parenchymschicht. Dieser folgt dann die 
besonders stai’k entwickelte eigentliche Bastschicht und hierauf endlich 
das Cambium, welches sich an den Holzkörper anschliesst. Dieser 
Holzkörper ist wie bei allen perennirenden Pflanzen stark ausgebildet, 
und obschon einen ansehnlichen Markkeru einschliessend, besitzt der 
selbe eine beträchtliche Festigkeit. Dieser letztere Umstand bedingt, 
dass bei der Verarbeitung der Stengel der Holzkern im ganzen Zu 
stand abgeschieden wird und dieses nicht etwa in ähnlicher Weise wie 
bei Flachs und Hanf durch die Operation des Brechens geschehen kann. 
Obgleich im frischen Zustand sich die Rinde ohne grosse Schwierig 
keit von den Stengeln abziehen lässt, so bleibt dieses doch immer eine 
umständliche und kostspielige Operation, wenn dieselbe durch Hand 
arbeit vollzogen werden soll; es ist daher ein wesentlicher Punkt in 
den angestrebten Verbesserungen in der Abscheidung der Böhmeria- 
faser, dass diese Arbeit durch Maschinen verrichtet wird. Von zweit 
grösster Wichtigkeit ist die Trennung der Oberhaut, Collenchym- und 
Parenchymschicht von der eigentlichen Bastschicht und wie es scheint 
steht in Aussicht, dass sich auch dieses durch Maschinenarbeit ausführen 
lassen wird. In Nachahmung der chinesischen Aufbereitungsmethode 
entfernt, wie schon angeführt, die vonGrothe erwähnte Maschine diese 
äusseren werthlosen Rindenschichten vor dem Abschälen der Bastschicht 
und wird also in diesem Falle das Product in der Form des sogenann 
ten Chinagrases, d. h. als reiner Bast erhalten. 
Aber schon allein damit, dass das Abschälen der Stengel durch 
Maschinen auf billige und schnelle Weise besorgt werden kann, wäre 
ein wesentlicher Vortheil errungen, denn die so erzeugte noch ganze 
Bastrinde würde dann der aus Indien ausgeführten Rheafaser gleichen 
und wie diese ohne grosse Schwierigkeit weiter verarbeitet werden 
können. 
Die ziemlich allgemein verbreitete Meinung, dass sich die Böh- 
meriafaser nicht durch ein Röstverfahren abscheiden lasse, scheint auf 
der Erfahrung zu beruhen, dass durch die Wirkung des Röstens die 
Abscheidung der Faser nicht wesentlich erleichtert und ausserdem 
hierdurch die Qualität derselben leicht wesentlich beeinträchtigt wird. 
Setzt man Böhmeriastengel mit Wasser übergossen einer Tempe 
ratur von 25 bis 30° aus, so treten nach kurzer Zeit Gährungserschei- 
nungen ein, welche bei Anwendung von noch frischem Material ganz 
dieselben sind wie bei der Warm wasserröste des Flachses; verbrei 
tet sich hierbei unter anderem derselbe charakteristische höchst unan 
genehme Geruch. Bei gleicher Behandlung getrockneter indischer oder 
französischer Stengel macht sich statt dessen der Geruch nach Butter- 
saure bemerklich.
	        
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