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MAK

Full text : Kunstschau Wien 1927

diesmal  war  es  die  gruppe  um  klimt  und  die  um  hohenberger,  die
nicht  einig  waren,  nach  einer  zuerst  wegen  angeblicher  rücksicht  auf
den  erkrankten  ehrenpräsidenten  rudolf  alt  verschobenen,  aber  dann
doch  mit  auswärtiger  hilfe  vollzogenen  abstimmung  kam  es  zur  trennung,
  die  klimtgruppe  verliess  die  sezession,  die  eduard  pötzl  mit
—  ich  glaube,  man  sagt:  „humor“  —  den  „kleinen  tempel  mit  dem
fidelen  pfeifendeckel“  genannt  hatte.
aber  die  ersehnte  pensionistenruhe  trat  wiederum  nicht  ein.  die
kräfte  wollten  sich  nicht  zu  den  anderen  schlafenlegen.  mit  grosser
energie  schuf  die  gruppe  um  klimt  einen  ganz  bedeutenden  garantiefonds
  für  die  errichtung  eines  eigenen  ausstellungsgebäudes,  josef
hoff  mann  entwarf  die  plane  und  am  1.  juni  1908  wurde  die  „kunstschau“ ­
  auf  dem  schwarzenbergplatz  (eigentlich  lothringerstraße)
eröffnet,  alarmruf  eines  feuerwächters  um  mitternacht.  gustav  klimt
hielt  die  eröffnungsrede.  er  sagte:  „wir  sind  keine  genossenschaft,
keine  Vereinigung,  kein  bund,  sondern  haben  uns  in  zwangloser  form
eigens  zum  zweck  dieser  ausstellung  zusammengefunden,  verbunden
einzig  durch  die  Überzeugung,  daß  kein  gebiet  menschlichen  lebens
zu  unbedeutend  und  gering  ist,  um  künstlerischen  bestrebungen  raum
zu  bieten,  dass,  um  mit  den  Worten  morris  zu  sprechen,  auch  das
unscheinbarste  ding,  wenn  es  vollkommen  ausgeführt  wird,  die  Schönheit ­
  dieser  erde  vermehren  hilft  und  dass  einzig  in  der  immer  weiter
fortschreitenden  durchdringung  des  ganzen  lebens  mit  künstlerischen
absichten  der  fortschritt  der  kultur  begründet  ist.  diese  ausstellung
bietet  nicht  die  abschliessenden  endergebnisse  künstlerischer  lebensläufe.
  sie  ist  vielmehr  eine  kräfterevue  österreichischen  kunststrebens,
ein  getreuer  bericht  über  den  heutigen  stand  der  kultur  in  unserem
reiche“,  sein  Schluss  lautete:  „weit  wie  den  begriff  ,kunstwerk*  fassen
wir  auch  den  begriff  ,künstler‘.  nicht  nur  die  schaffenden,  auch  die
geniessenden  heissen  uns  so,  sie,  die  fähig  sind,  geschaffenes  fühlend
nachzuerleben  und  zu  würdigen,  für  uns  heisst  ,künstlerschaft‘  die
ideale  gemeinschaft  aller  schaffenden  und  geniessenden“.
dass  diese  gemeinschaft  auch  diesmal  nicht  recht  zustandekam
oder  ganz  vollkommen  wurde,  besorgte  die  schon  erwähnte  eigen-Schaft
  der  geniessenden,  auf  dem  gebäude  stand  der  schöne  satz:  „der
zeit  ihre  kunst,  der  kunst  ihre  freiheit“.  und  drinnen  in  den  räumen
war  man  diesem  leitgeist  wirklich  gefolgt  und  bot  eine  überfülle  von
Schöpferkraft,  ludwig  hevesi  schrieb:
„die  fünf  menschen,  die  jetzt  das  rückgrat  der  wiener  kunst
bilden,  haben  wieder  leben  aus  der  erde  gestampft,  ein  stegreifwerk
ist  entstanden,  weit  über  das  erwartete  hinaus,  eine  tag-  und  nacht-
            
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