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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 6 und 7)

 
 
 
 
 
 
 
Für den Genießer ist in diesem Saal nicht viel zu erbeuten. 
Der Chronist freilich wird nicht so schnell ermüden und, da sich 
nun einmal die Gelegenheit bietet, wird er sie benutzen, die ver- 
schiedenen Temperamente in dieser Gattung zu beobachten und 
ihre Dilferenzierung sich zu erklären. 
Theo van Rysselberghe, der belgische Führer der Gruppe, ist 
Meister und Vorbild dieses koloristischen Pizzicato. Seine Akte, 
seine Landschaften, die Meeresfelsen erreichen in der Punktier- 
manier aus ihren farbigen Konfettikügelchen gleichen Points die 
erstrebte Wirkung voll. 
Edmond GrolT Ausdrucksmittel sind mehr pailletenartige gelb, 
rot und blau schillernde Ovalplättchen. Er bringt damitvenezianische 
Kanalszenen suggestiv zur Erscheinung. Wie er in das bunt geblät- 
terte, geschuppte Wellen-Auf und -Ab die schmale Gondel tauchend 
schneiden läßt, das weckt Illusion. 
Signac in seinen Küsten- und Meerimpressionen - er be- 
lauscht die magischen Frühstunden von Antibes - ist nervös- 
spritzig, seine Farbenkompositionen erscheinen wie gesiebt. 
Und im Gegensatz dazu steht L. Valtat, der mit stark 
pastosen Tupfen breit-wuchtig hinstreicht, fast mehr model- 
liert als malt und damit energische Anschauung weckt. 
Paul Baum mit Kanallandschaften und herbstlichen Stim- 
mungen und Kurt Herrmann mit exquisiten Blumen- und Frucht- 
. stücken, Balsaminen, roten Astern, Trauben und Äpfeln, ver- 
Porzellanausstellung in Trop- , _ _ 
pam Nmßum. 0551m, 1mm treten von Deutschen diese malerische Expenmental-Psycho- 
bemalt,zirltax75o(Kat.-Nr.65o) Physik. Sucht man weiter nach den Curiosites der Ausstellung, 
so wird man bei Gauguin verweilen. 
Gauguin der Tahitaner, der in Paris lebte, zeigt ähnlich wie der andere exotische Sezes- 
sionist, der _'[avanerToorop, die Einmischung ethnographischer rasse-ornamentaler Elemente 
in die moderne impressionistische Handschrift. 
Das eine der Gauguinschen Bilder stellt die Geburt Christi dar. In bewußter Primi- 
tivität scheint es aus der Vorstellung eines bekehrten Tahitaners gemalt. Ein Reiz liegt in 
der Farbenstellung, dem blauen Gewand der tahitanischen Maria auf dem orangegelben 
Lager. Diese Tönung erinnert an exotische Stoffe, an Batiks zum Beispiel. 
Die Raumkomposition ist im Stil mittelalterlicher Legendenbilder, mit dem Durchblick 
links in den Wald, rechts in den Stall, wo das Kind gewartet wird. 
Das andere Werk „Martinique" gibt eine tropische Landschaft mit Tieren in einer 
bewußt kindlichen Art, daß man an die Paradiesgärten primitiver Bilderbibeln denkt. Das 
alles hat mehr eine Seltenheitsbedeutung als rein künstlerische Qualität. 
Sie findet man restlos und bewunderungswürdig auf dieser Ausstellung in den Meister- 
porträten Max Liebermanns, die unbestritten den allerersten Platz einnehmen. 
Menschencharakteristiken ganz verschieden gearteter Erscheinungen sind es. Die 
einebannt den Freiherrn von Berger, breittlächighingestrichen, in umfangreicher blauer Jacke, 
die Zigarre in der Hand. Die fiillige Gestalt in ihrer Seßhaftigkeit und der Lebendigkeit des 
Mundes, der sprechenden Züge ist eindrucksvoll in Fleisch und Geist hier unvergeßlich 
fonnuliert. Und daneben so ganz anders die federnden, nervösen, espritvollen Pinselzüge, 
die den Fürsten Lichnowsky umschreiben. Schräg im Stuhl, mit leicht geneigtem Kopf, sitzt 
die schmale, vornehme, gestreckte Gestalt, das Gesicht gespannt, mit den Lippen des Cau- 
seurs, die Hände lässig ruhend und dabei voll beredten Temperaments lebendig bewegter 
Geste. 
Noch ein drittes Liebermann-Porträt sieht man, den Hamburger Dr. Strebel -- wie 
das Berger-Bildnis ein stolzer Besitz der Hamburger Kunsthalle.
	        

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