MAK

Volltext: Monatszeitschrift XV (1912 / Heft 10)

{Galerie jedoch sowie die Eckverzierungen 
Porträt der Gemahlin des Großherzogs Leopold von Toskana mit drei Kindern, 
von Maron (1770) befindet. Das ovale chinesische Kabinett mit seinen gold- 
schwarzen Lackfüllungen, weiß-goldenen Wänden mit Wandarmen und den 
Konsolen mit den chinesischen Speckstein- und Porzellanfiguren gehört zu den 
typischen Räumen des Zeitstiles, welcher mit Vorliebe ostasiatische Porzellane 
und Lacke in seine eigenen Phantasien hineinwebt. Die große Galerie 
Schönbrunns ist als Raumkomposition noch ganz im Geiste der Barocke 
gehalten. Auch das Deckenfresko von Guglielmi aus dern Jahre r760 
(die österreichischen Kronländer, ihre Erzeugnisse darbringend) hat durchaus 
barocken Charakter, wie die Monumentalmalerei der Maria Theresianischen 
Epoche ihn auch sonst fast überall festhält; das Rokoko ist eben ein 
dekorativer und kein monumentaler Stil, und wo es sich um die Lösung 
monumentaler Aufgaben handelt, muß an den Prinzipien der voraus- 
gegangenen Epoche festgehalten werden. Die Wandteilungen der großen 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
und Supraporten mit ihrem reichen Tro- 
phäenrnotiv zeigen das wundervollste 
bewegteste Rokoko in uhübertroffener 
virtuoser Technik. Auch die kleine Galerie 
hat dieselbe Verzierungsweise, und auch 
hier sind es die Supraporten, welche stili- 
stisch und technisch unsere Aufmerksam- 
keit fesseln. 
Sehr amüsant sind die an der Süd- 
seite des Erdgeschosses gelegenen Guys- 
Appartements mit ihren gemalten Tapeten, 
welche durchaus naturalistische Be- 
handlung von Blumen, Bäumen und 
Vögeln sowie perspektivische Aus- 
blicke in Gartenanlagen zeigen. In 
diesen in der franziszeischen Zeit 
teilweise erneuerten Räumen hat sich 
Kaiserin Maria Theresia besonders 
gern arbeitend aufgehalten. 
Wie der Klassizismus schon in 
die Epoche Maria Theresias voraus- 
wirkt, zeigt uns der mit deutlicher 
Benützung römischer Vorbilder 1765 
anläßlich der Vermählung des nach- 
maligen Kaisers Leopold mit der 
Infantin Maria Ludovika in Innsbruck 
errichtete Triumphbogen. 
Bei diesen Festlichkeiten ver- 
schied plötzlich Kaiser Franz, dessen Sekretär aus dem Stifte Schlägl, Oberösterreich 
68'"
	        

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