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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

gemäßigte Schreiten, nur erscheint der Ritter Fraunberger zierlicher, man 
möchte, zumal unter dem Eindruck der modischen Tracht, sagen preziöser," 
so daß besonders angesichts des glatten Gesichts der Gedanke erweckt 
wird, es handle sich, wie auch Riehl annimmt, um eine jugendliche Figur." 
Nach einer Stiftung, die Jörg Fraunberger zu einem „Seelgerät" in das Spital 
nach München im Jahre 140g und nach weiteren Stiftungen, die er für Gars 
und Ramsau in den Jahren 1407 und 1414 machte, müssen wir uns aber 
den Verstorbenen als einen Mann von wenigstens vierzig bis fünfzig Jahren 
vorstellen. Der Kopf des Ritters ist jedenfalls kein Porträt und kaum von 
der gleichen Hand wie die ausgeführten Teile der Figur, deren exaktem 
Formgefühl er vollkommen widerspricht. Er ist schwammig und verwaschen, 
ohne jedes individuelle Kennzeichen. Man gewinnt den Eindruck, als ob 
eine wesentlich schwächere Hand das begonnene Werk gerade nur auf das 
Notdürftigste hergerichtet hätte, indem sie die breit angelegten Formen nicht 
lange durch ein sorgfältiges Naturstudium zu Lebenswahrheit zu detaillieren 
sich befiiß, sondern nur durch Schleifen und Polieren die Vollendung der 
drei Köpfe vortäuschen wollte. Von dem Meister, der so die Arbeit, die in 
ihrem halbfertigen Zustand einen höchst lehrreichen Einblick in die Arbeits- 
weise eines mittelalterlichen Steinbildhauers gewährt, mehr schlecht als 
gerecht vollendete, stammt vermutlich auch die Wappenplatte des Magens 
Reyter in Teising, gestorben 1450, in der gleichen Kirche. Sie ist heraldisch 
geschmackvoll, in der Helmdecke auch von einer gewissen Eleganz, in dem 
Mohrenkopf der Helmzier aber ähnlich derb und unbeholfen wie die Engels- 
köpfe des Fraunberger-Steines. Ob nun der Fraunberger-Stein „gerauhwerkt" 
von Salzburg, beziehungsweise Adnet oder Hallein nach Gars geliefert oder 
von einem Wanderkünstler erst in Gars so weit zugerichtet wurde, läßt sich 
schwer entscheiden, doch möchte ich das erstere, analog dem Vertrag 
Kaiser Maximilians mit Hans Valkenauer über das Kaisergrab für Speyer, 
annehmen. f" 
Aus dem Verlauf unserer Abhandlung ist ersichtlich, wie Heiders Kraft 
und Art in den beiden größeren Werken des vorgeschritteneren Jahrhunderts 
in unserem Gebiete - dem Vitalis- und dem Fraunberger-Stein -- noch 
wach ist. Nicht eingegangen wollte und konnte in diesem Zusammenhange 
auf eine zweite Gruppe werden, die sich aus und neben jener ersten ent- 
wickelt und die uns in der sogenannten Straubinger Schule, mit dem Grab- 
mal Herzog Albrechts des Jüngeren in der Karmeliterkirche zu Straubing an 
der Spitze, entgegentritt. Diese ist ohne jene nicht denkbar und erklärlich. 
Der fragmentarische Charakter der Salzburger monumentalen Sepul- 
kralplastik, wie sie sich uns heute bietet, trägt die große Gefahr einer Unter- 
' Genau dieselbe gezierte Haltung zeigt auch die Grabplatte eines Friedrich von Pettau in Ober-Pettau 
in Steiermark, die ich nur aus dem kunsthistorischen Atlas der k. k. Zentralkommission, X (rßgz), Tafel XXIV, 
kenne. Da sich auch andere Einzelheiten und das Todesdatum 1438 fast genau mit dem Fraunberger-Stein 
decken, ist man geneigt, an eine Arbeit von gleicher Hand zu denken. 
i" Riehl, Geschichte der Stein- und Holzplastik in Oberbayern, 1902, S. 6x. 
"f" Vgl. Ph. M. Halm, Hans Valkenauer und die Salzburger Marmorplastik in „Kunst und Kunsthand- 
werk", XIV (rgu), S. x84.
	        

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