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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 11)

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zu suchen; und soweit ihm dies gelingt, in solchem Maße ist er modern 
zu nennen. Weiter hinaus gelingt es der Architektur vorläufig nicht, in 
klinstlerisch-ehrlichem Sinn modern zu sein. Dies war wohl auch Ferstel's 
eigenste Ueberzeugung, wenn wir ihn aus seinen Bauschöpfungen heraus 
recht verstehen. 
In gleichem Sinne redigirte er früher seine Gothik in der hochedlen 
Votivkirche; ebenso suchte er in seinem liebevoll durchgeführten Bank- 
gebäude aus feinsinniger Stilcombination ein neues Resultat zu gewinnen. 
Es war immer dieselbe Baugesinnung, die ihn da leitete, welche aber 
schließlich bei der vollen Einkehr in die italienische Hochrenaissance ihre 
ganz bewusste künstlerische Orientirung fand. Doch auch die deutsche 
Renaissance zog er nebenher in seinen Kunstbereich, besonders in den 
Giebelhäusern des Maximilianplatzes, welche ihm zunächst zu der Gothik 
der Votivkirche zu stimmen schienen. 
Aber bei der zeitweilig verschiedenen Stilwahl geht ganz unver- 
kennbar ein persönlich gleichartiger Zug durch alle Bauten FersteYs; man 
erkennt seine äußerst reinliclie, zierlich-vornehme Formenhandschrift 
überall, ob er sie vieleckig in gothischen Charakteren, oder gerundet in 
Antiqualettern hinschrieb. Er hatte unbedingt s eine n Stil, mochte er 
sich auch dieser oder jener historisch überlieferten Bauformen bedienen; 
seine eigenste Bauempfindung trug und durchgeistigte dieselben. 
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Unter allen Künstlern liegt es zuförclerst dem Baukünstler nahe, 
sich zugleich theoretisch über seine artistischen:Ueberzeugungen und Ab- 
sichten auszusprechen. Ferstel that dies bei verschiedenen Anlässen, be- 
sonders eindringlich und geistvoll zusammenfassend aber in seiner Rectors- 
rede an der technischen Hochschule am g. October 1880. Ich will es 
versuchen, den wesentlichen Gedankengang derselben nachzuskizziren. 
vDer große Aufschwung, den die Baukunst in unserer Zeit genommen, 
erklärt sich großentheils daher, dass man durch gründliche Erforschung 
der Baudenkmale vergangener Zeiten über Wesen und Bedeutung der- 
selben sich erst wieder Klarheit verschatTt hat. Jedem Zeitalter widerfährt 
sein Recht, jeder Stil findet das richtige Verständnis; die Kunstwissen- 
schaft gibt festen Halt und bietet zugleich die umfassendsten Anregungen. 
Heutzutage braucht der aufstrebende Bauschüleru, so hob der Redner 
sehr bezeichnend hervor, vnicht mehr durch das Labyrinth von Irrungen zu 
gehen, welche keinem von uns Aelteren erlassen waren. Die Schule drängt 
ihm nicht mehr, je nach dem Geschmack des Lehrers, eine bestimmte 
Kunstrichtung auf oder verleidet ihm die Freude an einer anderen. Sie 
lässt der Individualität die freieste Entwicklung, denn die heutige Methode 
ist nicht dogmatisch, sondern historisch. Der größte Irrthum von 
ehedem bestand in der Meinung, dass der Kunstausdruck eines Volkes, 
der doch nur ein Resultat aller dahin zusammenwirkenden Umstände und
	        

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