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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 192)

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Die Frage der administrativen Leitung dieser Schule möchte ich nicht allzu streng 
beurtheilen. 
Die Mehrzahl dieser Schulen entstand über Anregung von Corporationen, Gemeinden, 
Fachsebulfreunden, hier durch das Handelsministerium, da durch das Unterrichtsministerium, 
andernorts durch Landesvertretungen und Bezirksvertretungen. Die Mittel zum Betriebe 
der bezüglichen Lehrwerkstatten wurden gleichfalls von diesen Factorcn beigeschaift. Es ent- 
wickelten sich in Folge dessen so verschiedenartige Verhältnisse, das Princip der praktischen 
Lehrwerkstätten schuf in seiner Durchführung stmeigengeartete Vorbedingungen, Grund- 
lagen und Rechtsverhaltnisse, dass diese Schulen mit ihren praktischen Lebt-Werkstätten 
gewiss nicht uniform und schablonenmaßig behandelt werden können, sondern dass bei 
denselben den localen und individuellen Verhaltnissen Rechnung getragen werden muss. 
lndess auch in dieser Richtung müssen einheitliche und normale Grundlagen gee 
schaden und angestrengt werden. 
Es ist das allerdings eine nur schwer zu lösende Frage, welche aber vielleicht 
dadurch wesentlich erleichtert wird, wenn man eben den localen Factoren, welche diesen 
Schulen Interesse und Pflege zuwenden, auf die Weiterentwicklung und Leitung derselben 
eine gebührende lngercnz belasse, denn von allen Arten Schulen bedarf eben die gewerbliche 
Fachbildungsschule am meisten der theilnehmenden Mitwirkung und Unterstützung und 
der warmen Sympathie der Bevölkerung. Bei der so gearteten vielgliedrigen Gestaltung 
und Organisirung dieser Schulen ergibt sich wohl von selbst, dass die pädagogisch-didaktische 
Behandlung dieser Anstalten die schwierigste Frage bildet, insbesondere wenn hiebei auf 
die bei den beiden Centralstellen divergirenden Principien und concurrirenden Actionen 
Rücksicht genommen werden soll. Hier das Handelsministerium mit seinen vorwiegend 
praktischen, da das Unterrichtsministerium mit seinen vorwiegend theoretischen Erziehungs- 
zielen und -Methoden, Daneben das i-Oesterreichische Museum für Kunst und Industrien, 
welches dem Unterrichtsministerium untersteht, mit vorwiegend kunstgewerblichen 
Richtungen und andererseits wieder das technologische Museum als autonome Institution 
mit seinen technischen Bestrebungen, und allerorten ein aus den verschiedenartigsten, 
heterogensten Elementen zusammengesetzter lnspicirungsapparat. 
Die Schwierigkeiten dieser Frage werden noch erhöht durch die vielseitig herrschende 
Unklarheit und die Verschiedenheit der Anschauungen und Auffassungen über Zweck und 
Aufgabe dieser Anstalten, dass denselben der organische Zusammenhang mit den wirth- 
schaftlichen Bedürfnissen des Lebens, der Contact niit der Volksschule, die feste Ver- 
gliedung mit den übrigen gewerblichen Bildungsanstalten, endlich ein gesichertes Schüler- 
materiale und verbürgte Lehrkräfte fehlen. - 
Eine organische Einfügung der Fachschule in den wirthschaftlichen, gewerblichen 
und industriellen Entwicklungsgang des Verkehres und des Marktes, hienach eine einheitliche, 
von großen Gesichtspunkten getragene Organisirung des gesainmten gewerblichen Unter- 
richtswesens scheint mir hier unerlasslich. Die Mittel hiezu, die ja zur Pflege productiver 
Arbeit, zur Pflege und Hebung wirthschaftlich schaffender Classen dienen, müssen und 
können geschaffen werden. Sie müssen wohl geschaffen werden in einem Staate, der 
immer erhöhte und erweiterte Anforderungen an die Bevölkerung stellt; in einer Zeit, 
wo die Missjahre und die Elementarereignise der letzten Jahre wie eine chronische 
Krankheit an der wirthachaftlichen Kraft der Bevölkerung zehren; in einem Lande endlich, 
wo in Folge der ungünstigen agrarischen Verhältnisse jährlich Tausende von Grundbesitzern 
sich beiriüssigt linden, ihr Eigenthum zu verschleudern und in fernen Ländern eine neue 
Heimat zu suchen, wo endlich Hunderttausende von Kleingewerbetreibenden ihrem Ruine 
entgegengehen. Die Mittel können aber auch geschaden werden, weil man gewiss sein 
kann, dass das hohe Haus die Productivitat derartiger Auslagen zu würdigen vermag und 
weil endlich weite Kreise um die Errichtung derartiger Anstalten dringendst bitten. 
lnsolange aber die gegebenen Mittel nicht geschalfen werden können, inüge man die Zahl 
der bestehenden Anstalten in soweit beschränken, als die Mittel ausreichen, und reducire 
man diese Schulen in der Weise, dass die kleineren. minder lebensfähigen, mit den 
größeren, bewahrteren vereinigt werden, wodurch gewiss dem Lehrzwerke mehr ent- 
sprochen würde. 
So sehr ich auch der Ueberzeugung bin, dass mir Rücksicht auf das winhschaftliche 
Bedürfniss der Bevölkerung die Zahl der Schulen zu gering ist, so muss ich gestehen, 
dass mit Rücksicht auf die Mittel, die dazu verwendet werden, ihre Zahl weitaus zu 
groß ist. - 
Sinn und richtiges Verstantlniss ist in diesem Resort des Handelsministerium: 
leider abhanden gekommen, und es scheint, dass in diesem Ressort neben den großen 
Fragen der Zoll-, Handels- und Eisenbahnpolitik kein Raum zur Pdege dieser Schulen 
sich finde. und dass man sich dieser Schulen nur mehr wie einer Last, je eher, je lieber 
entledigen wollte. Demgegenüber ist die erfreuliche Thatsache zu constatiren, dass das 
Unterrichtsministerium in den letzten Jahren dem gewerblichen Bildungswesen seine 
besondere Aufmerksamkeit zuwendete, dass dasselbe zielbewusst und mit ausreichenden
	        

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