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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 174)

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Stroßmayer hat 15 Jahre lang gesammelt und eine schöne gewählte 
Collection alt-italienischer Meister zu Stande gebracht, worunter besonders 
interessante Miniaturen und ein herrliches Bild von Fiesole, dann einige 
Bilder von Tizian, Schiavone etc. zu finden sind. Von modernen Meistern 
ist Overbeck, Steinle, Kupelwieser, Seitz iunior und Consoni in hervor- 
ragender Weise vertreten. Außerdem besitzt der kunstliebende Bischof 
sehr schöne Gobelins, eine kostbare Casula aus dem r5_. Jahrhundert, auf 
burgundischern Drap d'or gestickt, die er in Bosnien erworben, reiche 
Kelche, Kreuze u. s. w. Alle diese Kunstschätze nebst einer gewählten 
Kunst-Fachbibliothek, die er gesammelt, schenkte Stroßmayer der von 
ihm mit einem Capital von einer Viertelmillion gegründeten südslavischen 
Akademie der Wissenschaften und Künste. Damit die ganze Sammlung 
noch bei seinen Lebzeiten nach Agram gebracht werden könne, widmete 
er zum Bau eines geeigneten Gebäudes 40.000 (1., welche Summe durch 
Beiträge des Landes, der Stadt, der Akademie auf eine Viertelmillion ge- 
bracht wurde. Schmidt machte die Pläne, und vergangenen Herbst wurde 
ein prachtvolles, ernstes Bramanteskes Gebäude unter Dach gebracht, 
welches die Akademie und die Kunstsammlungen beherbergen soll. 
Außer den erwähnten Kunstunternehmungen beschloss die Stadt- 
vertretung auf dem neuen Centralfriedhofe den Bau von Arcaden. Ein 
junger Kölner Architekt, Bolle, der sieben Jahre bei Schmidt beschäftigt 
war und seine Schule bei Withase machte und nun die Bauten am Dome 
leitet, machte hiezu die Pläne. Die Arcaden werden hienach durch Kuppel- 
capellen in regelmäßigen Zwischenräumen unterbrochen und durch eine 
Centralkirche beherrscht. Das Ganze fügt sich in sehr geschickter Weise 
dem coupirten Terrain an. Ein Theil der Arcaden mit einer Capelle steht 
schon vollendet da und wird von der Baugesinnung unserer Stadtväter 
ein sehr günstiges Zeugniss ablegen. 
Außerhalb Agram restaurirt Bolle die besuchteste Wallfahrtskirche 
Croatiens, Maria Bistrica, und zwar in gllicklichster Weise. 
Soviel habe ich über wirklich Ausgeführtes und Begonnenes zu be- 
richten, es ist flir ein armes, kleines, zurückgebliebenes Land nicht wenig. - 
Von Projecten will ich nicht sprechen, nur sei noch soviel erwähnt, dass 
seit einem Jahre in Agram ein kleiner aber rühriger Kunst- und Kunst- 
gewerbeverein besteht, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, aus all den 
Bauunternehmungen und Sammlungen den richtigen Nutzen zu ziehen. 
An der Domkirche soll eine Fachschule für Steinmetze oirganisirt werden, 
deren wir viele zu erziehen haben, da beispielsweise ein großer Theil 
der Bevölkerung Novis von diesem Kunsthandwerk lebt und dortige Ein- 
wohner weitherum als nitalienischeu Arbeiter thätig sind. Im hiesigen 
Frauenkloster ist eine Kunststickerei- und Spitzenschule proiectirt, während 
daselbst schon mit dem Erlernen der nationalen Färbertechnik begonnen 
wurde. Die Stadt gedenkt eine gewerbliche Fortbildungsschule (Abend- und 
Sonntagscurs) zu errichten. Alle diese Unternehmungen stossen vorläufig
	        

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