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MAK

Full text : Monatszeitschrift X (1907 / Heft 8 und 9)

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ist und daß sie für die Geschichte des Kunstgewerbes nur förderlich sein

kann, halte ich es für angebracht, hier eine sehr primitive Möbelgattung in

Wort und Bild vorzuführen. Ihre Heimat ist bekannt, ein erheblicher Vorteil

für die kunstgewerbliche Forschung, denn ohne die Möbelgeographie wird

eine Geschichte der deutschen Möbel nicht ausführbar sein. Daß sie in

den bäuerlichen Hausrat hineinreicht, braucht die Bedeutung dieser Gattung

nicht zu mindern, denn eben deshalb hat sie romanische Überlieferung bis

in die Spätgotik bewahrt und dadurch Rückschlüsse auf die denkmalsarme

Vorzeit ermöglicht.

Die Kunst des Kastenbaues aus festem Rahmenwerk und eingefügten

Füllungen, die dem Werfen und Schwinden des Holzes entgegenwirkt und

zugleich die Kastenmöbel versteift, ohne sie zu beschweren, ist zwar der

antiken Schreinerei geläufig gewesen, wie unter anderem die Abbildungen

von Schränken in den Wandmalereien der pompejanischen Casa dei Vettii"

zeigen; sie hat sich aber auf das Mobiliar des Mittelalters nicht übertragen.

Es scheint zwar, daß sie nicht ganz in Vergessenheit geriet, denn die Holzgehäuse

 mancher der großen Reliquienschreine des XII. und XIII. jahrhunderts,

 wie des Servatius-Schreines in Maastricht, des Albinus-Schreines in

Cöln aus dem Jahre 1186 und des Karl-Schreines in Aachen von 12x 5 stehen

mit ihren hinter der Umrahmung vertieft liegenden Flächenfüllungen der

soliden Schreinerkonstruktion zum mindesten sehr nahe. Sicher ist aber,

daß man bei den eigentlichen Kastenmöbeln, den Truhen und Schränken des

I-Iausrats und der Sakristeien während des ganzen Mittelalters bis in die Zeit

der Spätgotik hinein sich mit dem rein zimmermannsmäßigen Bau aus

gleichmäßig dicken, stumpf gefugten Brettern begnügt hat.

4' Vergleiche Nuovi Scavi di Pompei, Casa dei Vettii, Tav. VI.

 

Französische Truhe

mit Eisenbeschlag, Musöe des Ans däcoratifs in Paris, nach Metman
            
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