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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 11)

beweist, die Composition im Ganzen wie auch der einzelnen Ornamente von Flotner herrührt,

 dass aber die Ausführung in Mainz unter anderer Aufsicht erfolgte.

Von anderen Bauten soll sich besonders die bischöfliche Residenz in Bamberg

sowohl in der Steinornamentik wie in den lntarsien des älteren Theiles an Flütner

anlehnen. - lch kann die Richtigkeit dieser Zuweisungen nicht durchaus controliren,

habe aber bei der Gewissenhaftigkeit, mit der Lange seine Forschungen betrieb, auch

keinen Grund sie zu bezweifeln; was speciell das Portal im Nürnberger Standesamt betrifft,

 so war mir selbst schon der Gedanke gekommen, dass wir in demselben ein Werk

Flbtner's vor uns haben. Von hohem lnteresse ist es sicherlich, diesem vielseitigsten

Kleinmeister nun sogar als Architekten zu begegnen.

Das Capitel über Bildhauerei und Bildschnitzerei beginnt mit einer interessanten

 Aufklärung: Der Krakauer Silberaltar ist nicht von Flotner gezeichnet, die

Zeichnung rührt vielmehr, wie Prof. Soltoloivski in Krakau gefunden hat, von Hans

Dürer her. Die Meldung Neudorffefs ist also, nach Lange, vielleicht dahin zu verstehen,

dass Flotner die Modelle für die ornamentalen Theile, Pancraz Labenwolf diejenigen für

die figürlichen Reliefs geliefert und Melchior Bayr als Unternehmer die Ausführung des

Ganzen übernommen habe.

Dagegen weist Lange unserem Meister folgende Stücke zu:

Ein Speckstein-Medaillon aus der Collection Spitzer (jetzt im Besitze von .l. und

S. Goldschmidfs Sohne in Frankfurt a. M.), darstellend einen schlafenden Mann, dem

eine danebensitzendc Frau einen Lorbeerkranz auf's Haupt setzt. Wie Lange diese Darstellung

 deutet, wird nicht für Jeden überzeugend sein, aber meine früheren Zweifel

über den Flotnefschen Ursprung dieses Medaillons gebe ich jetzt nach Vergleichung

desselben mit der mir bisher unbekannten Atcplakeite unbedenklich auf. -

Ebenso stimme ich, nachdem ich die Putten mit den Attributen der Musen kennen

gelernt, mit Lange überein, dass der lautenspielende Putto aus Holz im Berliner Museum

und das Puttenrelief im Germanischen Museum

Flotner zuzuweisen sei.

Einige kleinere Arbeiten lasst Lange in

Frage. lch möchte jetzt auch mehrere (4-5)

von den kleinen Schnitzereien, die im Germanischen

 Nationalmuseum unter dem Namen

Flotner aufbewahrt werden, aber nicht dafür

gelten, hieher zahlen. Ebenso das nebenstehende

Holzschnitzwerk im kunsthietor. Hofmuseum

zu Wien. (Originalgroße: n. Ctm. Breite.) -

Man vgl. es mit dem Detail zum Holzschuher-Pokal,

 Lange S. 94, und der Handzeichnung

ebenda S. 54.)

Ein hochbedeutaames, bisher vollig unbekanntes Flotnefsches Werk führt uns

Lange in dem Kokosnuss-Pokal der Familie Holzschuher vor. Zwar der lnhalt dieses

Werkes ist obscon wie nur möglich, aber zugeben muss man, ndass wohl von keinem

Kunstwerke der Zeit der Geist feucht-fröhlichen Humors und zotiger Derbheit, der in

den Trinkstuben der deutschen Patrizier des I6. Jahrhunderts herrschte, treffender und

künstlerisch schöner verkörpert worden ist: . . . rln Bezug auf Eleganz des Aufbaues,

Schonheit der Verhältnisse und Feinheit der Ausführungc können es in der That nur

ganz wenige Goldschmiede-Arbeiten der deutschen Renaissance mit diesem Prachtstück

der Nürnberger Goldschmiedekuast aufnehmen.

Ueber den Ursprung des Pokals stellt Lange die gut gestützte Hypothese auf,

dass er auf Bestellung des X546 gestorbenen Berthold Holzschuher aus der ungarischen

Linie angefertigt und im Jahre X593 (welche Jahreszahl sich im lnnern des Deckels befindet)

 etwa an Zahlungastatt aus der ungarischen an die Hauptlinie gelangt ist. Die

Autorschaft Flotriefs ist allerdings nur aus dem Stile, gleichwohl aber mit Sicherheit

zu erkennen; entstanden ist dieses Werk in den Jahren x534-4t.

Manches Neue bringt Lange auch zum Capitel Medaillen, anderes mochte er

aber hier ausgeschieden sehen. Zunachst will ich ihm zugestehen, dass ich das Berliner

Buchsbaummodell des Raimund Fugger mit der Darstellung der Liberalitas als Hotnerisch

anerkenne; ebenso billige ich die Zuweisungen der pfälzischen Medaillen, welche er auf

Grund des mir bisher unbekannten Londoner Steinmodells des Pfalzgrafen Philipp trifft.

Dieses Modell, welches die Signatur des Meisters tragt, wird wohl noch eine Reihe

anderer Medaillen nach sich ziehen; es ist zugleich ein neuer Beleg dafür, wie verschiedenartig

 Flotner arbeitete, und welche Schwierigkeit sich daraus für die Sonderung seiner

Medaillen ergibt.

Dass die Kreuzigungsrnedaille von Flotner herrühre, wie ich in Uebereinstimmuag

mit Erman gemeint habe, will ich auch nicht mehr behaupten, ebenso bin ich zweifelhaft,

ob die Margaretha von Baden und ihr Gegenstück Jskobsea von Bayern (die Vs.), die ich


            
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