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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1875 / 114)

Verzierung und ist im Ganzen preiswürdig und anerkennenswerth. Das

decorativ so vortreffliche blaue Faiencegeschirr in Delfter Art, womit die

Znaimer Fabrikanten ihre künstlerische Richtung begannen, wird leider

mehr und mehr wieder von ihnen aufgegeben. Statt dessen werden französische

 Motive, wie die von Rouen, aufgenommen, ohne dass an Eifect

die Muster erreicht werden. Sehr verdienstlich ist es in jedem Falle, dass

Klammerth auch die höchst schwierige Technik der italienischen Majolica

sich anzueignen trachtet, aber die Arbeiten, die er uns verführt, liegen

künstlerisch auf verkehrter Bahn.

Was die italienischen Majoliken des fünfzehnten Jahrhunderts so

bewundernswürdig macht, das sind nicht die Gegenstände auf denselben,

das ist nicht die Malerei als solche in ihrer oft rohen und überaus flüchtigen

 Art, sondern vielmehr dieifarbige Harmonie, der gesunde decorative

Eifect, der sie zu einer vortrefflichen Zierde für Zimmer und Credenzen

macht. Von diesem Effect geben die Klammerth'schen Majoliken keine

Ahnung: nicht Malereien, sondern blaue, dünne Zeichnungen auf weisser

Glasur, sind sie ohne alle decorative Wirkung. Die Zusammenstellung

der Znaimer Majoliken mit den alten italienischen und ihre kritische Vergleichung,

 wie sie das Museum ermöglicht, würde sofort den Unterschied

klar machen und zeigen, welcher künstlerische Weg in der That einzuschlagen

 ist.

So wenig die ausgestellten Porcellan- und Faiencegegenstände uns

die Einsicht ermöglichen, ob seit der Weltausstellung ein wirklicher

Fortschritt gernacht worden, ob die Anregungen und Lehren, die man

derselben hätte entnehmen können, auch wirklich gezündet haben, so

wenig ist das bei den Möbeln und verwandten Gegenständen der Fall.

Schon die Beschränktheit des gegebenen Raumes gestattete nicht, auf

eine Ausstellung dieser Gegenstände, wie sie es verdient hätten, besonders

 Gewicht zu legen. Was wir davon namentlich unter den oberen

Arcaden des grossen Hofes, die zum Ausstellungsort dienen mussten,

sehen, ist mehr eine Collection zufällig herbeigekommener Gegenstände.

Dennoch gewähren sie einiges Interesse.

Das anziehendste Stück darunter ist ein Pfeilerschrank von Irmler

für Geschirr, in höchst gesunder Construction, mit zurucktretendem,

von Säulen getragenem Obertheil in Art niederrheinisch-holländischer

Arbeiten aus der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts. Der Gegenstand

 ist offenbar durch die Anregung der Möbelausstellung, welche das

Museum im vorigen Sommer veranstaltete, entstanden. Wenn die Ausstellung

 viele solche Früchte getragen hat, so hat sie ihren Zweck erreicht.

 Von ähnlicher Art sind zwei geschnitzte Kästen von A. Baumann,

der sich ebenfalls die Ausstellung genau betrachtet zu haben scheint,

vortreßlich in ihrem alterthümlichen Charakter, nur etwas roh in der

Ausführung und nicht fehlerfrei in der Composition. Dasselbe Ziel erstrebt

 ein grosser Kasten von Grissemann in Imst, dem Lehrer der dorti-
            
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