Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 172)

I2

Sculpturen als verwandt mit den XVerkeu erweisen, welche man bisher als Erzeugnisse

der pergamenischen Kunst kannte, mit dem sterbenden Gallier vom Capitol und der

Gruppe des Galliers, der sein Weib getodtet hat und sich ersticht, in Villa Ludovisi, so

zeigen sie diese Kunst doch von ganz neuen Seiten und eröffnen einen überraschenden

Einblick in eine Richtung der antiken Sculptur, welche dem modernen Bewusstsein besonders

 nahe liegt und uns bisher noch wenig bekannt war. Die auffallende Verwandtschaft

 einiger Motive mit der Laocoongruppe wirft neues Licht auf die noch nicht sicher

beantwortete Frage nach der Entstehungszeit dieses Werkes.

Die Zahl der theils in der ganzen Höhe, theils in grossen Bruchstücken gefundenen

Platten ist mehr als neunzig; dazu kommen an t5oo kleinere und kleinste Fragmente.

Die Erhaltung der Oberfläche ist sehr verschieden; einzelne Stücke sind so gut wie unberührt.

 Vieles ist durch Verwitterung, Manches vielleicht auch durch Feuer, sehr zerstört;

 dass ein erheblicher Theil des Frieses ganz zu Grunde gegangen, vermuthlich zu

Kalk verbrannt worden ist, steht ausser Zweifel.

Neben der Gigantomachie sind zahlreiche Bruchstücke eines zweiten Frieses von

kleineren Dimensionen (I,57 Meter hoch) und geringerer Relieferhebung gefunden, dessen

Gegenstand noch nicht feststeht. Auch eine Reihe von Statuen ist zu Tage gekommen,

von denen wenigstens einige mit zu dem Altarbau gehört zu haben scheinen.

Von Sculpturen einer älteren Epoche ist nur Vereinzeltes gewonnen, darunter ein

weiblicher ldealkopf von ganz ausgezeichneter Schönheit.

Der Zustand der Sculpturen macht eine öffentliche Aufstellung derselben vorerst

unmöglich; doch ist man beschäftigt, einige der am besten erhaltenen und zusammenhangenden

 Hauptgruppen so herzustellen, dass sie dem Publicum zugänglich gemacht

werden können.

Verwendung des Knnstfonds im Jahre 1879. Die Sitzungen der Landes-Commission

 zur Begutachtung der Verwendung des Kunstfonds fanden in dem Zeitraume

vom 26. September bis l. October 187g statt und wurden durch den Minister der geistlichen

 etc. Angelegenheiten im Sitzungssaale des kbnigl. Ministeriums eingeleitet und

geschlossen.

Von den t3 auf Ausführung monumentaler Bildwerke der Sculptur und Malerei

gerichteten Anträgen wurden 6 dem Minister zu weiterer Verfolgung empfohlen, nämlich:

1. Die Ausschmückung des Vereinssaales im Architektenhause zu Berlin mit einem

Cyelus von Frescogemalden nach Entwürfen des Malers Prell, zu welchem Zweck ein

Geldbetrag aus dem Kunstfond in Anspruch enomrnen wird;

2. Ausschmückung der Aula des k. ilhelms-Cvymnasiums zu Königsberg in Pr.

mit Wandgemalden, zu deren Herstellung unter Vorbehalt der Prüfung der einzureichenden

Entwürfe drei dortige Künstler mit Hinweis auf das Seitens der Commission empfohlene

Programm in Vorschla gebracht werden;

3. Ausführung eines monumentalen Brunnens auf einem grossen Platze Berlins nach

dem von R. Begas auf Grund eines im vorigen Jahre der Commission vorgelegten und

von derselben dringend zur Ausführung empfohlenen Modells;

4. Aussehmückung der Gymnasial-Aula zu Minden durch Wandgemalde;

5. Ausschmückung der Stirnseite am Neubau des Joachimsthnfschen Gymnasiums

bei Berlin mit Bildhauerwerken. Auf Grund der vorliegenden Modellskizzen empfahl die

Commission: a) den Bildhauer Klein zur Ausführung zweier Nischentiguren, - b) den

Bildhauer Hundrieser zur Ausführung der Akroteriengruppe, und beantragt zur Herstellung

 des Giebelfeldes eine engere Concurrenz.

6. Ausführung monumentaler Landschaksgemalde zum Schmuck des Vorzimmers

der Aula im konigl. Wilhelms-Gymnasium zu Berlin, in Zusammenhnng mit der vorgeschlagenen

 Aufstellung einer von dem Bildhauer Otto früher aus Staatsmitteln hergestellten

 Marmorcopie der antiken Sophokles-Statue des lateranischen Museums. Unter

Annahme der von dem Landschaftsmaler A. Hertel in Berlin vorgelegten Farbenskizzen,

welche Motive aus sophokleischen Tragödien behandeln, trat die Commission dem Ana

trage bei.

Ausserdem wurde das Gutachten der Cummission über zwei die Ausschmückung

der Ruhtneshalle (im ehemaligen Zeughause) zu Berlin berührende künstlerische Fragen

erfordert, bei deren Losung der Kunstfond nicht in Anspruch genommen wird:

v. Bezeichnung geeigneter Künstler zur Uebernahme monumentaler Darstellungen

aus der preussischen Gesc iebte (Krönung Friedrichs 1., Huldigung Schlesiens, Aufruf

von 1813, Kaiser-Proclamation in Versailles), und _

2. Entscheidung der Concurrenz zur Ausführung einer in Marmor herzustellenden

colossalen Victoria-Stntue für den Herrschersaal. Nach Prüfung der auf Grund des Preisaussehreibens

 vom 28. Juli 1879 ohne Namensnennung der Künstler eingereichten 67 Entwürfe

 vereinigte sich die Commission dahin, den ersten Preis, welcher zugleich die Ausführung

 bedingt, nicht zu ertheilen, dagegen den zweiten und dritten Preis zwei Modellen

zuzuerkennen, als deren Urheber sich die Bildhauer Fr. Schaper und K. Begns in
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.