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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 167)

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läcole professionelle pratlque.

Dem Grundprincipe der katholischen Schulen entgegen, zu welchen

die Ecole Sully zählt, nimmt die Ecole professionelle pratique Schülerinnen

jeder Confession auf. Sie wurde auf Anregung mehrerer Frauen im Jahre

187i, von einigen Bewohnern des zehnten Arrondissements der Stadt Paris

gegründet, von Männern und Frauen, welche der Mehrzahl nach dem

Handels- und Gewerbestande angehörten. Der Zweck der Schule ist, den

Mädchen gewerblichen Unterricht zu ertheilen und sie zu praktischer Anwendung

 des Erlernten anzuleiten, ohne dass sie den Unzukömrnlichkeiten

der Werkstätten und Ateliers ausgesetzt werden.

Das" gesammte Lehrprogramm umfasst einen allgemeinen Unterricht

von drei Jahren und neun Fachcurse, deren jeder ebenfalls drei Jahre

(das Zeichnen und Malen vier Jahre) beansprucht.

Ausser den in den vorgenannten Schulen eingeführten Unterrichtsgegenständen,

 wird hier die deutsche, die englische Sprache und das Federnschmücken

 gelehrt. Die tägliche Schulzeit dauert von acht Uhr Früh bis sechs

Uhr Abends; der Unterricht der einzelnen Schülerinnen umfasst, je nach

deren Fortschritten, vier bis acht Stunden im Tage. Jede Schülerin kann

nebst einem bestimmten gewerblichen Fache auch eine fremde und die

französische Sprache, Zeichnen und Nähen lernen. Für die Handelsschülerinnen

 ist die deutsche oder die englische Sprache obligat, in welcher

sie auch im zweiten und dritten Jahre die Handelscorrespondenz zu führen

haben. Diese Correspondenzen werden ihnen von Mitgliedern des Vereines

anvertraut, wogegen die Schülerinnen die Verpiiichtung übernehmen, die

Briefe zu übersetzen und zu beantworten, welche Arbeit sie auf das gründlichste

 in die fremde Sprache und in die fremde Art der Geschäftsformen

einführt. Der Zeichenunterricht wird in drei Abtheilungen vorgenommen:

a) Zeichnen, (Köpfe, Ornamente, nach der Natur und nach Gypsabgüssem)

b) Malen, (Genre und Ausdruck) c) Malen (Blumen und Landschaften).

Der Curs a) wird von allen Schülerinnen durchgenommen, die in einen

der beiden anderen Curse eintreten wollen, in denen sie jedoch nebst

dem Malen täglich eine Stunde zeichnen müssen. In den letzten Jahren

haben die Arbeiten einiger Schülerinnen Aufnahme auf den Pariser Kunsta

ausstellungen gefunden, welchen Erfolg jedoch die Leitung der Schule in

zweite Reihe stellt, da sie nicht "enttäuschte Künstlerinnen untergeordneten

 Ranges, sondern ausgezeichnete, talentvolle Arbeiterinnen heranzubilden

 wünscht", die geschickte, gut vorgeschulte und gut bezahlte Gehilfinnen

 der grossen, im zehnten Arrondissement so bedeutenden Keramiklndustrie

 werden sollen.

Dem Programme des Vereines gemäss sollen die Schülerinnen nicht

zu Lehrerinnen, sondern zu Geschäftsleiterinnen, zu Vorsteherinnen und

Leiterinnen von Ateliers, zu selbständigen Arbeitsunternehrnerinnen herangebildet

 werden.
            
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