streifte und carrirte Stoffe für Aegypten und die Levante, reizende kleingemusterte
Gewebe für Chochinchina und Siam, gefärbte Stickereien auf
Tüll und Mousseline, bei welchen man bedauert, dass sie in Europa
nicht Mode sind, kurz, nach dieser Seite hat Umsicht und Rührigkeit
alle Hindernisse überwunden, und es dahin gebracht, dass die Schweiz,
trotzdem sie kein nOrientalisches Museums besitzt - um welches man
uns hier, nebenbei gesagt, sehr beneidet - von der Türkei bis weit
nach Indien und Siam den Markt mit Baumwollgeweben versieht.
Die älteste Exportindustrie der Schweiz, die Leinenweberei,
einst das blühendste Gewerbe von St. Gallen, hat sich jetzt auf das
bernische Emmenthal und den Oberaargau zurückgezogen, und hält sich
von allen kunstindustriellen Bestrebungen ziemlich fern. Ein Tischzeug
mit blau decorirtem Rande ist der einzige, aber auch vollkommen gelungene
Versuch in dieser Richtung. Gegenwärtig genügt diese Industrie
nicht einmal dem Bedarfe im eigenen Lande, und wird dieser vielfach
durch Einfuhr billigerer belgischer Waare ersetzt.
Aehnlich verhält es sich mit einer der Textilindustrie nahestehenden
Fabrication, der Papierindustrie. Was hier von kleineren Tapetenfabriken
geleistet wird, ist im Allgemeinen ganz respectabel, dagegen
übertreffen die feinen Cartonnagearbeiten wo möglich noch -die unseren
an Geschrnacklosigkeit, obwohl es für die Schweiz mit Rücksicht auf die
sehr ansehnliche Chokolade- und Bonbonfabrication gewiss vortheilhaft
wäre, diesen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. - Was das verwandte
Fach der Buchbinderei betrifft, so dürften die Leistungen
bescheideneren Anforderungen der Heimat genügen; drei Firmen, in
Zürich, Einsiedeln und Aarau, cultiviren die künstlerische Richtung in
diesem Fache nicht ohne Erfolg, und schließen sich dabei an die besseren
Arbeiten in Deutschland und Oesterreich an.
Allem Anscheine nach im Rückgange begriffen ist die Holzschnitzerei
in der Schweiz, und verdient dieser Process umsomehr
Beachtung, als wir in unseren Alpenländern eine ähnliche Industrie
besitzen, die vor derartigern Schicksale vielleicht noch zu bewahren wäre.
In der Schweiz wie bei uns hat sich diese Industrie aus autodidaktischen
Anfängen entwickelt, und wurde mit der Zunahme des Fremdenverkehrs
durch die Reisenden großgezogen. Die Schweiz hat schon in den Vierziger
Jahren durch Unterricht für die Vervollkommnung dieser Hausindustrie
gesorgt, und es entstanden Zeichnungsschulen in Brienz, Meiringen,
Interlakeu und im Nessenthal; diese erfüllten aber keineswegs
ihren Zweck, denn den betreffenden Lehrern fehlte die nothwendige
künstlerische Bildung. Die Arbeiten gediehen nach jenen Schablonen,
die in den Culturcentren üblich waren, und wurden nur noch weiter
verunstaltet durch Zuthaten aus dem Bereiche der Fauna und Flora
des Alpenlandes. So verloren diese Dinge gerade durch den Unterricht
an ursprünglicher Originalität und gewannen dafür nichts an