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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 5)

ß

Die erste Abtheilung beschrankt sich, wie angegeben, auf zwei specielle Zweige

der classischen Kunst. Den einen bildet eine ganz erlesene Reihe von Figuren und Gruppen

aus Tanagra, den anderen eine Anzahl schöner Statuetten aus Bronze, sowie etruskischer

Spiegel mit ihren gravirten Darstellungen und eine schone, in gleicher Weise verzierte

Cista aus Praneste. Der Archaologe wird ohne Frage bei diesen Gegenständen seine

Rechnung finden, aber es ist vor Allein die Liebe zum wirklich Schonen und Anmuthigen,

was hier zur Erwerbung geführt hat.

Anders ist es mit der zweiten Abtheilung, mit den Gegenständen aus Elfenbein

(nebst verwandtem Material von Bein und Walross). Es sind im Ganzen 171 Gegenstlnde,

welche der Katalog beschreibt, und diese beginnen mit dem 6. Jahrhundert unserer

Zeitrechnung und setzen sich in ununterbrochener Folge fort, erst kirchlich, dann mehr

weltlich, bis zum t7. Jahrhundert. eo Gegenstände, ieder eine Seltenheit seiner Art,

gehören allein noch dem ersten Jahrtausend an, n dem ersten Jahrhundert des zweiten.

Wenn man bedenkt, wie man fast allein an den Elfenbeinarbeiten den Gang der Plastik

in der früheren Zeit des Mittelalters, die Entstehung und Weiterbildung der christlichen

Sculptur verfolgen kann, so begreift sich leicht die außerordentliche Bedeutung dieser

Collection von Elfenbeinarbeiten, nicht blos um ihrer selbst willen, sondern für die

Kunstgeschichte überhaupt. Wir brauchen gar nicht erst zuzuführen, dass sie den verschiedenen

 christlichen Landern angehören, dass sie aus Byzanz, aus ltalien, aus Frankreich,

 Deutschland, Spanien, aus den Niederlanden, wie aus dem Norden stammen.

Aehnlich ist es mit den Gegenständen der kirchlichen Goldschmiedekunst, deren

wir über X80 zahlen. Es sind alle Arten von Gerathen, Gefäßen und Heiligthümern dabei,

wie die Kirche deren im Laufe der Zeit bedurft und geschaffen hat, nebst Büsten und

Statuettcn von Heiligen in Silber aus den vorgeschrittenen und vollendeten Epochen der

Kunst. Getriebene Arbeiten in Gold und Silber, die verschiedenen Arten des Emails auf

Kupfer und Silber, Filigran und die zierlichsten Niellen, Alles ist vertreten. Zwar gehen

diese Gegenstände nicht so tief in die frühchristliche Zeit zurück wie diejenigen von

Elfenbein, aber gerade für diejenigen Fragen, welche um das Jahr Iooo spielen und noch

irn u. und tz. Jahrhundert von Bedeutung sind, für die Fragen nach der Entstehung

und} dem Verhaltniss der verschiedenen Emailarten, für die Frage nach der Prioritlt

von Limosiner und rheinischcm Email und ihrem Unterschiede, gerade für diese unter

den Gelehrten so viel umstrittenen Fragen bietet die Sammlung Spitzer ein außerordentliches

 Material mit mehr als go Gegenständen. '

Geringer an Zahl und begrenzter im Zeitraum ist die vierte Abtheilung, die der

gewirkten Wandtapeten. Da l-lerr Spitzer diese Gegenstände nicht im Kasten verborgen

hielt, sondern mit ihnen die Wand: seiner Wohnung bedeckt hatte, so war ihm durch

diese eine Beschränkung von selber geboten. Um so kostbarer ist die Auswahl und so

auch erhebt sich die künstlerische Wiedergabe auf den Tafeln zur höchsten Vollendung.

Die meisten dieser Teppiche, 23 an Zahl, von denen acht abgebildet sind, gehören dem

kurzen Zeitraume von 1480 bis etwa 1520 an, das ist aber die schönste Blüthezeit dieses

Kunstzweiges in den Niederlanden, speciell in Brüssel, nachdem Arras aufgehört hatte

zu arbeiten. Die Gegenstand: zeigen nicht blos die Vollendung der Kunst und den Glanz

des Materials in Gold, Seide und Wolle, sondern auch den liebenswürdigen Reiz der

großen niederländischen Meister jener Epoche auf dem Gebiete der Malerei, ihre Naturliebe,

 ihre lnnigkeit vereint bereits mit italienischer Grazie und Große. Und das alles

ist auf diesen Farbentafeln so treu und vollendet wiedergegeben, dass wir im Anblick

dessen nur dem höchsten Bedauern Ausdruck geben können, wenn dieses so schone, für

die Kunstgeschichte, für die Kunstindustrie so bedeutende Werk ein Torso bleiben sollte.

J. v. F.

i

Vorlagen zum Porzellanmalen nebst einer praktischen Anleitung von

A. Göppinger. t. und z. Sammlung a 8 Bl. München, Bassermann

(X889). so. a M. 4.

Bei der gegenwlrtig herrschenden Vorliebe für Zierformen 'des 18. Jahrhunderts

bilden diese in Farbendruck ausgeführten Musterblatter eine willkommene Ergänzung der

Vorbilderssmmlungen für Porzellanmaler. Sie bringen eine große Zahl jener zierlichen

und seinerzeit allgemein verbreiteten Blümchen und Straußchen, die unter dem Ein-Busse

 der Technik des Porzellanmalers und der auf das Leichte und Zierliche ausgehenden

 Tendenz des Rococo einen ganz besonderen Charakter gewonnen haben.

Einen vollkommenen Ersatz für gute alte Originale bieten diese Musterblltter nicht,

immer wird die Hand des geübten Malers das lhrige noch beizutragen haben, wenn der

eigenartige Reiz der alten Arbeiten erreicht werden soll. Wo es aber nicht darauf ankommt,

 das Beste und Feinste in dieser Gattung herzustellen, da sind diese Vorlagen

vollkommen genügend. Fs.

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