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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 17)

welche Zartheit und Vollendung bei den kleinen Schmnckarbeiten, welche

künstlerische Bildung in der Führung des Grabstichels, der mit figürlichen

und ornamentalen Compositionen die Flache zu bedecken und dem Niello

vorzuarbeiten hat!

Der Verein dieser Künste und künstlerischen Eigenschaften hat

Werke geschatfen und uns hinterlassen, welche staunenswürdig, welche

in ihrer Vollendung geradezu unbegreiliich sind, wie z. B. des Nürnberger

Wenzel Jamnitzer berühmter Tafelaufsatz, den in seiner Vaterstadt

ein alter simpler Kaufmann als heiligen Schatz bewahrt und trotz aller

kolossalen Angebote nicht von sich lässt. Wir kennen ein anderes Beispiel

 solcher Verehrung aus jüngster Zeit und aus derselben Stadt. Es

gibt oder gab dort einen alten Schlossermeister, der eben zur Noth mit

der Arbeit seiner Hand seine Familie ernährte. Derselbe war im Besitz

eines solchen Pocals, den er in tiefstes Geheimniss hüllte, selbst vor der

eigenen Familie. Nur wenn er spät Abends vom Bier nach Hause kam

und die Seinen nach der Gewohnheit schlafend fand, so zog er aus verborgeuem

 Wandschrank sein Kleinod hervor und ergötzte sich daran in

der stillen Einsamkeit der Nacht. Endlich entlockte ihm in schwacher,

redseliger Stunde ein Antiquar sein Geheirnniss; es kam der Versucher,

und der Alte konnte der Verlockung nicht widerstehen, die ihn im Vergleich

 mit seiner bisherigen Existenz zum wohlhabenden Mann machte.

Wir erinnern uns nicht, ähnliche Geschichten von Arbeiten der heutigen

Goldschmiedekunst gehört zu haben.

Noch am Ende des I6. und im Anfang des 17. Jahrhunderts stand

die Goldschmiedekunst in schönster Bliithe trotz des Verfalles der gleichzeitigen

 hohen Kunst, wenn sie auch manche Aufgaben, namentlich die

grössereu, in barocker Weise löste. Gerade bei uns in Wien sind die

Arbeiten dieser Zeit, die man wegen der Vorliebe des Kaisers Rudolf

als die rudoliinische Periode der Goldschmiedekunst bezeichnen kann,

noch äusserst zahlreich und sie beweisen, dass man diese Kunst mit eben

so viel Geschmack und Feinheit als technischer Vollendung übte. Von

jener Zeit an ging es aber rasch abwärts. Die pomphaüe Periode

Ludwigs XIV. liebte nicht das Kleine und Zierliche und fand nur Gefallen

 an der Goldschmiedekunst, wenn sie kolossale Aufgaben in edlen

Metallen zu lösen hatte. Dergleichen Arbeiten, obwohl von der Gegenwart

 missachtet, gibt es noch heute in den Schatzkammern, aber sie

zeichnen sich durch Baroekheit der Composition, Manierirtheit der Formen,

 wie durch Plumpheit und Rohheit der Arbeit aus. Die kleineren

Gegenstände zumal zeigen den Verfall der Technik, Lieblosigkeit der

Arbeit und das Verschwinden der besseren Arten des Emails; sie machen

Niemand mehr Freude und zeigen sich eher als Muster, wie man es

nicht machen soll. Einzelne Meister erheben sich wphl über das Niveau,

wie z. B. Dinglinger, der zumeist in Dresden für die kunstliebenden

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