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Full text: Denkmäler altrussischer Malerei : russische Ikonen vom XII. bis XVIII. Jahrhundert

Die russische Ikone hat daher im Laufe ihrer jahrhundertelangen 
Geschichte natürlicherweise besonders stark gelitten. Die bedeutendsten 
Schulen der Malerei haben ihre Tätigkeit nördlich von Moskau, auf 
feuchtem Flachland, entfaltet; die Ikonen wurden in halbdunklen, 
unheizbaren, schlecht gelüfteten Kirchen untergebracht. Die die Malerei 
überziehende Lackierung aus gekochtem Leinöl, das in schwach 
beleuchteten Räumen an und für sich dunkler wird, vermischte sich 
nunmehr mit Staub und Ruß, und bildete allmählich eine Art schwarz 
brauner, undurchdringlicher Kruste, welche die ursprünglich leuchtenden 
Farben des Originals völlig verbarg: Lichtblau wurde zu Dunkelgrün, 
Rot zu Tief braun, Weiß zu Dunkelgelb, Gelb zu Graubraun. Überdies 
wurden die ursprünglich durchsichtigen Farben trübe und trost 
los fahl. 
Es litt aber nicht nur die Malerei; die Holzplanke selbst, welche das 
Bild trug, bekam Risse, die Grundierung barst, schwoll auf und wurde 
zu Staub, die Farben bröckelten allmählich stück- und schichtweise ab. 
In sehr alten Zeiten mußte man bereits zu Reparaturen greifen, worüber 
in alten Chroniken ausdrücklich berichtet wird. 
Dieses Verfahren wurde naturgemäß durch die Sorge um die gute 
Erhaltung des Denkmals hervorgerufen, es wurde aber außerdem, teils 
imVorbeigehen, teils zum Zwecke der »Reparatur«, der »Ausbesserung« 
eine ganze Reihe systematischer Übermalungen des Originalbildes vor 
genommen. Man begann zwar mit dem Übermalen der Ritzen und 
Fugen, nach ein paar Jahrhunderten war man aber so weit, daß das 
ganze Kunstwerk von oben bis unten neu übermalt war; ja, es wurde 
öfters auf ein altertümlichesWerk eine neue Grundierung aufgetragen, 
und auf dieser entstand ein neues Bild, das sogar häufig ein völlig neues 
Thema behandelte. 
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