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Full text : Jahrgang 3 (1911) (10)

(Seite  152

Rümmer  10

Internationale  5

es  später  in  den  Besiß  Kiinzels  über.  Als  heftige  Gegner  standen
sich  gegenüber  das  Schillcr-museuin  in  ITlarbach  und  der  bekannte
Sammler  ITtarfels  (Berlin).  Herr  ITtarfcIs  trug  schließlich  den  Sieg
mit  dem  Ceßtgebot  non  14.000  ITlk  dauon.  Besonderes  Interesse
erregte  die  Korrespondenz  Goethes  mit  Karl  Caesar  o.  Ceonhard
in  Hanau,  34  Briefe  aus  den  lahren  1807  bis  1830.  Sie  sind  bis
auf  einen  oon  fremder  Hand  geschrieben,  uon  Goethe  unterzeichnet,
und  meistens  mit  Komplimenten  uersehen.  Sie  erzielten  den  hohen
Preis  oon  17.010  ITlk.  Das  Buch  Kahldorf  über  den  Adel,  mit  einer
oon  Heine  eigenhändig  geschriebenen  Einleitung:  unterzeichnet
und  datiert:  „Geschrieben  den  0.  Ulay  1813.  Heinrich  Heine.“,  das
ganz  deutsch  geschriebene  Originalmonuskript,  welches  Prof.  ElsterlAarburg
  zur  Herausgabe  benußte,  wurde  für  7000  Ulk.  uerkauft.
5erner  wurde  ein  Schreiben  oon  Tuthers  ?rau,  Katharina  u.  Bora,
das  kurz  nach  dem  Tode  des  Reformators  oerfaßt  wurde,  mit
6000  ITlk.  bezahlt;  Briefe  oon  Karl  V.,  oon  Cuthers  Gegner  3.  m.
€ck,  Erasmus,  Hutten,  ITlelanchthon,  IlToriß  oon  Sachsen,  franz  uon
Sickingen  u  a.  erreichten  Preise  oon  420  bis  860  llTk.  und  ein  sehr
seltenes  und  schönes  Dokument  oon  Ulrich  Zwingli,  eine  Abhandlung ­
  über  den  Kirchenbau,  trug  3200  Alk.
ln  der  Abteilung  lAusik-lTlanuskripte  und  lAusiker-Briefc
erzielte  den  höchsten  Preis  freilich  nicht  ein  Autogramm,  sondern
ein  Porträt  oon  Gluck  (eine  Arbeit  des  TlTalers  T.  Klinisch  aus
dem  Jahre  1783),  das  für  4400  lTlark  oon  dem  (leipziger  Sammler

ammler-Zeitung.

Hiersemann  gekauft  wurde.  3000  ITlk.  zahlte  man  für  die  biographisch ­
  wertoolle  unoeröffentlichte  Korrespondenz  (25  Briefe,
0  Karten),  die  Johannes  Brahms  mit  Dr.  Adolf  Schubring  in
Dessau  oon  1856  bis  1805  geführt  hat.  Cin  JTlusik-manuskript
oon  Haydn  (Capriccio:  „Acht  Sauschneider  müssen  es  sein“)  fand
mit  1720  Alk  Bezahlung.  Drei  prächtige  Briefe  uon  ITlozart,  in
denen  das  Heitere  seines  Wesens  offen  ausgedrückt  liegt,  brachten
Preise  uon  1505,  000  und  000  ITlk.,  zwei  Briefe  oon  Schuberl
1005  und  705  mk.,  drei  Briefe  oon  Beet  hauen  505,  300  und
200  mk.,  das  ITInnuskript  einer  ITlazurka  oon  Chopin  erhielt  mit
669  mk.  den  Zuschlag.  Im  übrigen  wurden  noch  für  Briefe  und
musik-ITlanuskripte  oon  Haydn,  Händel,  ITlendelssahn-ßartholdy
und  Wagner  400,  500  und  600  ITlk.  bezahlt.
Bei  der  Versteigerung  der  oon  Friedrich  Warneke  (Berlin)
nachgelassenen  wertoollen  Stammbücher-Sammlung  aus  dem
16.  und  17.  Jahrhundert,  die  gleichfalls  bei  Börner  stattfand,  wurde
das  Stammbuch  des  franz  u.  Domstorff  (aus  dem  16.  Jahrhundert)
mit  10.250  llTk.  bezahlt;  ein  anderes  Schweizer  Stammbuch  oon
Philipp  o.  Damm  (1577)  ging  für  8350  mk.  fort.  Das  Stammbuch
Christoph  o.  Teuffenbach  (1548)  brachte  3100  Alk.  Die  für  dieuon
übrigen  Stammbücher  erzielten  Preise  bewegen  sich  zwischen  1000
und  1000  llTk.  Das  Gesamtergebnis  der  Stammbiicher-Versfeigerung
belief  sich,  bei  300  nummern,  auf  68.158  111k,

Chronik.

Rnsirtitskarten.
(Der  Vierwaldstätter  See.)  Der  Verlag  J.  6.  Wolfensberger ­
  in  Zürich  gibt  eine  neue  Serie  Künstlerpostkarten  unter
dem  Titel  „Der  Vierwaldstättersee“  nach  sechs  Originalsteinzeichnungen ­
  oon  Kunstmaler  C.  Stiefel  heraus,  unter  denen  ein
hübsches  Stimmungsbildchen  mit  den  beiden  ITlythen  im  Hintergrund ­
  das  meiste  Interesse  erwecken  dürfte.  Originell  und  geschmackooll
  ist  die  Vorderseite  gehalten,  die,  an  einer  Stelle  allerdings, ­
  wo  niemand  etwas  Derartiges  oermuten  würde,  die  Bezeichnung ­
  der  Gegend  enthält.
Bibliophilie.
(Auflösung  einer  der  größten  Prioatbibliotheken.)
Cine  der  mertoollsten  unter  den  großen  Büchersammlungen  Englands,
  die  uon  dem  1878  uerstorbenen  Henry  Huth  zusammengebrachte ­
  und  in  einem  fünfbändigen  großen  Katalogwerke  uerzeichnete
  Sammlung,  wird  nach  dem  kürzlich  erfolgten  Tode  ihres
Besißers  Alfred  Henry  Huth  durch  Versteigerung  oerstreut  werden,
wenn  sich  kein  Käufer  für  das  Ganze  findet.  Ihr  Wert  ist  auf
5  ATillionen  mark  geschäßf.  Vorher  wird  aber  nach  der  testamentarischen ­
  Bestimmung  Huths  das  Britische  nTuseum  das
Recht  haben,  sich  50  Werke  auszuwählen,  die  es  noch  nicht  besißt,
oder  die  es  gegen  weniger  gute  Exemplare  des  eigenen  Besißes
umzutauschen  wünscht.  Die  Huth-Bibliothek  ist  an  Seltenheiten
außerordentlich  reich,  besonders  an  Inkunabeln,  darunter  einer
Gutenbergschen  42zeiligen  Bibel,  Shakespeare-Drucken  und
anderer  alter  englischer  Citerafur,  spanischer  Citeratur.
(Die  Hausse  in  alten  Büchern.)  lTur  mit  erstaunen  erfahren ­
  die  Bibliophilen  und  Bücherkenner  der  Alten  Welt  oon  den
geradezu  märchenhaften  Preisen,  die  jeßf  in  lTcw-aork  bei  der
Versteigerung  der  berühmten  Sammlung  Hoe  oon  amerikanischen
Ciebhabern  angelegt  werden.  In  den  sechs  ersten  Tagen  hat  die
Aktion  bereits  über  5  millionen  mark  eingebracht  und  nach  dem
bisherigen  Verlaufe  der  Versteigerung  wird  man  nicht  fehlgehen,
wenn  man  den  ooraussichtlichen  Gesamferlös  auf  4—5  millionen
UTark  einschäßt.  Hae  hat  seine  Kollektion  in  nahezu  50  jähriger
rastloser  Sammlertätigkeit  zusammengebrachf  und  gerade  er  unterschied ­
  sich  oon  anderen  gmerikanjschen  Kunstsammlern  dadurch.

I  daß  er  ein  wirklicher  Kenner  war  und  nur  zu  oerniinftigen  Preisen
kaufte.  Seine  Umsicht  und  sein  gutes  Urteil  wird  durch  die  Erträgnisse
  der  jeßigen  Auktion  uollauf  bestätigt,  oiele  Bücher  bringen
das  Drei-,  Vier-  und  mehrfache  des  ursprünglichen  Einkaufspreises,
Das  lllanuskript  der  berühmten  Pembroke  Hours,  das  Hoe  seinerzeit ­
  für  25.000  )Ak.  kaufte,  wurde  jeßt  mit  152.000  Ulk.  bezahlt
und  die  Hours  of  Anne  de  Beaujeu.  die  der  Sammler  1878  mit
20.000  mk.  bezahlte,  fanden  jeßt  für  96.000  ITlk.  einen  Abnehmer.
Aber  diese  gewaltigen  Preissteigerungen  sind  nur  zum  Teil  ein
Ergebnis  ueränderter  Bewertungen  auf  dem  Bibliophilenmarkt.
Die-europäischen  Sachoerständigen,  die  zu  der  Auktion  nach  Tlero-Uork
  gereist  sind,  schütteln  bei  den  unerhörten  Angeboten,  die  mit
der  Seltenheit  und  dem  Sammlerwert  der  Objekte  kaum  noch  in
einem  Verhältnis  stehen,  amüsiert  den  Kopf.  Sie  bilden  in  Wirklichkeit ­
  nicht  etwa  einen  Gradmesser  für  das  so  plößlich  erwachte
bibliophile  Interesse  der  Amerikaner,  sondern  sind  nichts  anderes
als  eine  neue  Spekulationsmethade.  Die  Börse  ist  gegenwärtig
lau,  Pferdemetfen  sind  uerboten  und  so  spielt  ITew-Uork  einfach
in  seltenen  Büchern  und  kostbaren  Erstdrucken.  Der  Wagemut
dieser  Spekulanten  beruht  im  wesentlichen  darauf,  daß  man  weiß,
wie  ITlorgan,  Widener,  ?rick  und  andere  kunstsammelnde  ITlultimillionäre
  bereit  sind,  für  seltene  Erstdrucke  lllärchenpreise  zu
bezahlen.  Die  meisten  Bieter  bei  der  Auktion  haben  nicht  die
geringsten  bibliophilen  Interessen,  ja  nicht  einmal  Sachkenntnis;
sie  kaufen  nur  mit  der  festen  Überzeugung,  die  etwa  erlangten
Bücher  binnen  kurzem  mit  einem  fetten  Gewinn  an  Bücher  suchende
multimillionäre  weiter  oerkaufen  zu  können.  Die  ?olge  dieses
Gedankenganges  und  dieser  ganzen  Spekulationsstimmung  ist
natürlich  eine  Preistreiberei,  wie  sie  der  Büchermarkt  bisher  kaum
erlebt  hat.  Einige  Beispiele:  ein  Pergamentexemplar  oon  Helyas’
Knight  of  the  Swanne,  uon  Wynkyn  de  Wurde  gedruckt,  wurde
ausgeboten.  Das  Exemplar  hatte  1899  bei  Chrisfie  in  Condan
8000  TTlk.  eingebracht.  Die  Tlem-yorker  Spekulanten  trieben  im
blinden  Wettkampf  den  Preis  dieses  Buches  auf  nicht  weniger  als
80.000  mk.  Die  erste  Ausgabe  des  Adam  Bede,  die  in  Condon
uon  Bücherliebhabern  und  Kennern  bei  der  leßten  Versteigerung
auf  100  mk.  bewertet  wurde,  erzielte  am  gleichen  Tage  in  llewyork
  1120  ITlk.  Bei  solchen  5rüchten  blinder  Spekulationswuf  müssen
!  naturgemäß  die  besonnenen  Bücherkenner  zurücktreten.  Dabei  werden
            
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