MAK
Internationale 
$ammler-Zeifunj 
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde 
Herausgeber: Norbert Ehrlich 
23. Jahrgang Wien, 1. Jänner 1931 Nr. 1 
<Wiax Böhms Bildersammlung. 
Die Zuversicht in den Umschwung, der sich an 
scheinend auf dem Kunstmarkt vollzogen hat, kenn 
zeichnet der Entschluß der Firma Rudolph L e p k e, 
schon im Jänner eine der bedeutendsten Berliner 
Privatsammlungen zur Versteigerung zu bringen. 
Es handelt sich um die Sammlung Max Böhm, 
die im verflossenen Sommer in der Akademie der 
Bildenden Künste in Berlin ausgestellt war und dort 
das Entzücken aller Freunde moderner Kunst bil 
dete. Es war lange auch davon die Rede, daß die 
Stadt Berlin sie erwerben werde, doch ist schließ 
lich nichts daraus geworden, weil Berlin, wie so viele 
andere Städte jetzt, kein Geld für Kunst übrig hat. 
Und so wird denn die Sammlung aufgelöst: das alle 
Schicksal gerade der besten Sammlungen. 
Max 0 s b o r n, der das Vorwort zu dem Pracht 
katalog geschrieben hat, der in ausgezeichnetem 
Stellaphotdruck auch 101 von den 112 Bildern wie 
dergibt, charakterisiert die Sammlung wie folgt: 
»Den sachlichen Geist des Kaufmanns reizte aus 
innerer Verwandtschaft die große schöpferische Lei 
stung des deutschen Realismus, dessen solide, fest 
untermauerte Herrschaft bis zu dem Augenblicke 
währte, da unter dem Vorzeichen der ungeheueren 
europäischen Erschütterung die älteren Formverbin 
dungen sich zu lösen begannen. Böhms Liebe galt 
der Malerei, die in verschiedenartigen persönlichen 
Ausstrahlungen ihrer führenden Meister das Welt 
bild mit ernster Naturandacht in der Sprache eines 
reich und stark verwobenen Farbvortrags zu spie 
geln suchte. Wie sie, um die Wirklichkeit und ihr 
Dasein neu zu gestalten, ihre Kräfte aus dem Erd 
bogen zog, wie sie mit sinnigem Wohlgefühl die 
lebendige Buntheit beschwor, die rings blüht, das 
ergötzte den Sammler, ließ ihn nicht los. 
So wurde Ausgangs- und Kernpunkt des Böhm- 
schen Besitzes die Schule um Leibi. Von dem Mei 
ster selbst erwarb er eine Gruppe prachtvoller klei 
nerer Werke, sehr charakteristischer Proben seiner 
Kunst, soweit man deren überhaupt noch habhaft 
werden konnte. Darunter eine besondere Köstlich 
keit: das Porträt der Frau. Auguste Mayr (der 
Frau des Biographen Leibis) von 1891. Erlesene 
Zeichnungen stellen sich als Gefolge ein, in ihrer 
Mitte das große, ganz bildmäßige Blatt mit dem 
Aiblinger Knaben von 1889. 
Neben dem Fürsten seine Granden, Der Urfreund 
S p e r 1 ist durch die »Kinder im Rosengarten« viel 
leicht mit seinem besten Bilde vertreten. Von Char 
les Schuch fanden sich mit der Zeit sechs delikate 
Stilleben der allerersten Reihe ein . . . Vor allem 
aber, und hier liegt das Schwergewicht der Samm 
lung, tritt glanzvoll und großartig Wilhelm T r ü b- 
ner hervor.., Fast zwei Dutzend Werke, durch 
wegs von edelster Prägung — an keiner anderer;. 
Stelle trifft man heute eine solche Fülle bester 
Trübner an einem einzigen Fleck beisammen . . . Mit 
beherztem Griff brachte Böhm auf der Trübner- 
Auktion nach dem Tode des Meisters 1918 den 
Stamm dieses unvergleichlichen Sonderbesitzes an 
sich, der dann erweitert und abgerundet wurde. Es 
ist nicht leicht zu ermessen, wieviel der Sammler da 
durch zur endgültigen Würdigung eines der besten 
deutschen Maler getan hat. Denn ganz anders als bei 
Einzelbegegnungen in Museen und Galerien zeichnet 
sich bei solchem Aufmarsch Wesen und Gewalt des 
Künstlers ab . . . 
Auch sonst sah Max Böhm sich im Umkreis der 
Münchner Schule um. Von Zügel, von Albert von 
Keller, von L e n b a c h wurde Specimina erwor 
ben, Von Spitzweg vier funkelnde Kleinodien, 
ein Philosoph, ein Eremit, die »Wirtschaft am Meer«, 
die den Meister von besonderer Seite zeigt, und eine 
der von Isabey abstammenden Serenaden. Dazu 
eines der besten Stücke Fritz von U h d e s aus der 
befreienden holländischen Studienzeit — der dama 
ligen Art des Kampfgenossen Liebermann nahe ver 
wandt. Thoma übernahm die Vermittlung zu den 
Deutsch-Römern hinüber, Bezeichnend genug, was 
Böhm von ihm erwarb. Ihr Pathos lag ihm nicht, 
aber der tiefe Klang dieses Feuerbach sehen 
Nanna-Bildes, das malerische Temperament dieses 
B ö c k 1 i n -sehen Zentaurenkampfes taten es ihm 
an. Auch H o d 1 e r ward hier lieber mit einem Stu 
dienkorb hinzugetreten, als mit seinen symbolischen 
Stilisierungen. Max K 1 i n g e r bedeutet schließlich 
den äußeren Punkt, bis zu dem Böhm sich von sei 
nem Zentrum fortwagte. Doch dieser »Abend« ge 
hört wieder zum malerisch Tüchtigsten, was Klinger 
hinterließ. 
Ganz in seinem Element aber war der Sammler, 
wenn er sich vom süddeutschen dem Berliner Rea 
lismus und Impressionismus zuwandte. Dabei mußte 
Menzel an der Spitze stehen, das wird sich wohl 
so gehören. Mit einer Kollektion von Zeichnungen, 
an denen man sich berauschen kann, wurden zwei 
der köstlichen Gouachen aus dem friderizianischen 
Rheinsberg gewonnen.
	        
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