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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 23)

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Dieser Antrag lautete: 
„Jeder Freund des vaterländischen Fortschrittes auf dem Gebiete der Kunst 
und Industrie muss von Herzen wünschen, dass das k. k. Museum für Kunst und 
Industrie in ausgedehntester Weise besucht und benützt werde. Da sich nun aber 
die hetrübende Nachricht verbreitet, die hohe Staatsverwaltung gedenke ans 
blassen Ersparungsrücksichten dieses Museum auf einen Platz zu stellen, auf 
welchem es nicht hlos von den übrigen Kunstsammlungen, mit denen es in 
vielfacher Wechselbeziehung steht, sondern auch von jenen Stadtbezirken, in wel- 
chen das grösste Contingent der eigentlichen Industriebevülkerung Wiens wohnt, 
weit entfernt wäre, stelle ich den Antrag: 
Der Gemeinderath wolle, nach Anhörung seiner Stadterwciterungs-Commission, 
sich mit der Bitte an das hohe k. k. Staatsministerium wenden, das k. k. Museum 
für Kunst und Industrie in die möglichste Nähe der übrigen Museen und der 
' eigentlichen Indnstriebezirks Wiens zu verlegen, um in reeller und individueller 
Beziehung die erfolgreichste Benützung des schönen Institutes erwarten zu können." 
Hieran knüpfte der Redner folgende Bemerkungen: 
Die Stadterweiterungs-Commission kommt diesem Auftrage nach, und ich erlaube 
mir in Kürze den Hergang über die Bestimmung des Platzes für das Museum voranbringen. 
Bevor der Antrag gestellt wurde, war eine Commission heim Stnatsministerum wegen des 
Platzes, bei welcher der Gemeinderath, die Stadterweiterungs-Commission nämlich und der 
Magistrat, sowie auch die Vertreter des Museums, die Architekten Ferstel und Hausen 
und der Ministerialmth Löhr vertreten waren. Von Seite der kaiserl. Stadterweitenings- 
Commission wurden zwei Plätze in Aussicht genommen. Ministerialrath Löhr hat nnf 
den fiir den Eeservegarten bestimmten Platz hingewiesen; er hat sich aber nicht 
mit einem Raume von, 400 bis 500 KlaRern begnügt, die das Aerar bei dem Verkaufe sich 
vorbehalten hat. Er musste auf eine Ausdehnung eingehen von 1500 bis 1600 Klaftern. 
Er ist aber abgegangen davon, nachdem Ihre Vertreter auf das bcstirnmteste erklärt haben, 
dass der Gemeinderntb auf diese Scbmiilerung der Gartenanlagen nicht eingehen kann. 
Der niichst vorgeschlagene Platz war der gleich neben der Stubenthorbrücko links. 
Ich glaube, der Platz ist bekannt; es ist ein kleiner Raum, der auf der einen Seite von 
der Ringstrasse begrenzt ist und rückwärts vom Wientlusse; links ist die Strusse vom 
Franz Josefs-Thor heraus, rechts die vom Stubenthor. Dieser Platz ist schon seiner lign- 
ralischen Ausdehnung wegen nicht geeignet zur Anlage eines grössercu Gebäudes, um so 
weniger, da er von vier Seiten so eingeschlossen ist, dass er seinerzeit nie eine Erweite- 
rung zulässt. 
Der Architekt Ferstel hat nuf Grundlage dieses hier proponirten Platzes - wobei 
ich namentlich anfiihre, dass sich die Vertretung des Museums unter dem Wunsche, dass 
dieses an einer frequenten Strasse und nicht zu entfernt von der inneren Stadt wäre, sehr 
warm für {die Erwerbung dieses Platzes ausgesprochen hat; aus ihrer Begründung habe 
ich aber hauptsächlich entnommen, dass die Vertreter des Museums ihn darum vorziehen, 
weil ihnen von der kais. Stadterweiterungs-Commission kein anderer in Aussicht gestellt 
wurde, so dass die Sache für sie endlich eine Lebensfrags geworden ist; - wie gesagt, 
der Herr Architekt F erstel hat für diesen Platz ein Pruject ausgearbeitet, das uns auch 
vorgelegt wurde. Ihre Vertreter haben auf das Entschiedenste gleich bei dieser Commission 
ihre Meinung dahin abgegeben, dass sie diesen Platz durchaus nicht für den geeigneten 
halten, erstens wegen seiner Figur und zweitens weil er keine Ausdehnung zulässt. 
Wir wissen, dass alle solche Anstalten in einem Zeitraums von 10 bis 15 Jahren, 
besonders wenn sie ein so gedeihliches Streben involviren, wie das Museum für Kunst und 
Industrie, zu klein werden. 
Wir haben weitere bemerkt, dass sich dort das Pulverrnagazin des Herrn Leihen- 
frost befindet, Hir das kein anderer Platz mehr ausfindig gemacht werden könnte. Das 
Wichtigste für die Commissionsmitglioder war der in nächster Nähe befindliche Park. Er 
ist sehr schön und findet allgemeine Anerkennung, nur muss er gegenüber den Anlagen 
anderer Städte klein genannt werden; wenn nun überdies dieser kleine Park, der gegen- 
wärtig mit drei Stock hohen Hiiusern, sowohl auf der Ringstrnsse als auf der Esplanade- 
strasse und hinten durch das Haus des Herrn Pollak und der noch zu erbauenden an 
der Nothbriicke eingeengt ist, auch auf der vorderen Seite die Aussicht verliert, so ist er 
auf jeden Fall eingesperrt und es wird gewiss nicht zur Schönheit beitragen. 
Man hat auch noch darauf hingewiesen, dass die Stnbenthorbrücke, eine alte Brücke, 
nicht auf dem Platze steht, wo sie seinerzeit hinkommen wird, denn die Brücke steht zu 
viel rechts, sie ist nicht im Mittelpunkt der Wollzeile und nicht im Mittelpunkt der Lasten- 
strasse-Hanptstrasse, sie kommt bedeutend nach links. Wenn wir uns nun die einzige 
breite Seite, die sich unmittelbar an der Wollzeile befindet, wegen der Brücke und wegen 
der Passage (denn vor dem Museum muss doch ein Raum sein, damit Wagen anfahren
	        

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