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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 136)

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Gesellschaft, sich mit eleganten Bronzen zu umgeben, und es wird lange 
dauern, bis diese Gewohnheiten in die Kreise eindringen werden, welche 
auf unsere Bronzetechnik Einfluss haben. In Frankreich ist es nicht die 
höhere künstlerische Begabung, welche der Entwicklung der Bronze zu 
Gute kommt - obgleich man nicht verkennen kann, dass die franzö- 
sischen Bildhauer eminent geschult und durchgebildet sind - sondern in 
erster Linie die kolossale Entwicklung der ganzen französischen Metall- 
industrie. Deswegen auch gewinnt die Galvanoplastik in Oesterreich so 
schwer Boden, und aus gleichen Gründen ist auch der Kunsteisenguss, 
der in Frankreich so viele Künstlerkräfte beschäftigt, in Oesterreich nur 
für vorwiegend industrielle Zwecke im Gebrauch. 
Was vom Erzgusse gilt,_ das gilt in gewisser Beziehung auch für 
den Marmor. Bronze und Marmor sind das schönste und vorzüglichste 
Material; wo sich Künstler und Marmor natürlich zusammenfinden, da sind 
die Elemente für äcbte Plastik vorhanden. Kein Bildhauer lässt sich gerne 
die Gelegenheit entgehen, in Marmor zu arbeiten. Und da nun in unseren 
Bergen wie das Eisen so auch der Marmor in Hülle und Fülle vorhanden 
ist, so sollte man glauben, dass Oesterreich ganz speciell das Land sei, 
wo die Marmor- und Eisentechnik blühen; aber siehe da! vergebens 
suchen wir in Wien die Ateliers, in denen in einheimischem Marmor ge- 
arbeitet wird, wie es in Berlin') und selbst in München der Fall ist. Erst 
in der jüngsten Zeit werden Versuche gemacht, die österreichischen Mar- 
morbrüche zu eröffnen und sie der Kunst zugänglich zu machen, aber 
mit ungenügenden Mitteln. Was in Wien in Marmor gearbeitet wird, 
kommt den wälschen Händlern und den Marmorbrüchen von Carrara zu 
Gute. Der Triestiner Marmor wird nur zu rein architektonischen Zwecken, 
für Säulen, Capitäle u. dgl. verwendet, höchst selten für f-igurale Plastik. 
Vergebens hat sich Prof. Suess") bemüht, auf die Bedeutung der Stein- 
brüche in den österreichischen Bergen aufmerksam zu machen. In wenigen 
Wiener Ateliers wird Tiroler Marmor verwendet, mit Ausnahme von 
Wagner, Schcnidtgruber und in grösstem Style von Zumbusch, welcher im 
Vereine mit Oberbaurath Ferstel im Auftrage der Regierung die Laaser 
Marmorbrüche m) untersucht hat. Auch hier ist,' wie bei der Bronze, 
die industrielle Frage fast ebenso wichtig, wie die künstlerische. Hier 
kommt noch dazu die österreichische Capitalarmuth in Betracht, und in 
diesem Augenblicke ist das Capital vorsichtiger als je und nicht geneigt, 
industriellen Unternehmungen sich zur Verfügung zu stellen. Ferner ist 
auch hier der Mangel jener Kunstbildung in Erwägung zu ziehen, welche 
') Der preuss. Staatsanzeiger brachte die Nachricht, dass für die Trierer Basilica drei 
Figuren aus Tiroler Marmor von Staatswegen angefertigt werden. 
") Der Vortrag ist abgedruckt in den x-Miltheilungen des Museums- Jahrg. 1867, 
Nr. 16-17. 
"') Im Anhange bringen wir den Bericht der Herren Ferstel und Zumbusch über 
den Laaser Marmor.
	        

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