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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1889 / 6)

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Zichy, nebst den Professoren der Kunstgewerbeschule und viele Aus- 
steller. Der Kaiser besichtigte im Säulenhofe die bosnischen Stoffe und 
erkundigte sich eingehend nach ihrer Herkunft und Entstehung. Der 
Kaiser war erfreut, zu hören, dass diese Arbeiten von Bosniakinnen, 
Schülerinnen des Oesterr. Museums, gearbeitet werden. Im ersten Stock- 
werke interessirte den Kaiser die durch das Ministerium arrangirte Aus- 
stellung der Fachschulen, deren vierzig vertreten sind. Im Vorlesesaale 
fesselten das Interesse des Kaisers jene Gegenstände, welche für den 
sogenannten -Hoftitel'-Taxfondsii beschafft wurden. Im Sitzungssaale be- 
sichtigte der Kaiser das neue Porträt des Protectors Erzherzog Rainer 
von Professor L'Allemand und die Marmorbüste des Grafen Zichy von 
Tilgner und fand beide außerordentlich gelungen. In die Ausstellung des 
Wiener Kunstgewerbe-Vereines eintretend, wurde der Monarch von dem 
Präsidium, den Herren R. v. Waldheim und Hanusch, empfangen 
und durch die Räume geleitet, in welchen sämmtliche Aussteller bei ihren 
Gegenständen anwesend waren und dem Monarchen vorgestellt wurden. 
Am Sehlusse, als der Kaiser sich nach andertbalbstündigem Verweilen 
verabschiedete, sagte er: nlch habe mich sehr gefreut, die Ausstellung 
zu sehen. Sie haben sich sehr viele Mühe gegeben; die Sache ist auch 
sehr gelungen und die Ausstellung zeigt sehr schöne Resultaten 
Se. königl. Hoheit der Prinzregent Luitpold von Bayern hat am 
Sonntag den z. Juni die Jubiläums-Ausstellung des Oesterr. Museums 
mit einem Besuche beehrt. 
Personalnaohrieht. Se. k. und k. Apostol. Majestät haben mit 
Allerh. Entschließung vom 2. Mai d. J. allergnädigst zu gestatten geruht, 
dass der Curator des Oesterr. Museums und Professor der classischen 
Archäologie an der Wiener Universität Hofrath Dr. Otto Benndorf zur 
außerordentlichen Dienstleistung in das Ministerium für Cultus und Un- 
terricbt berufen werde. - 
Geschenk 8.11 das Museum. Der Botschafter beim heil. Stuhle, 
Graf Revertera, hat dem Museum vier Fußbodeniiiesen aus dem Palazzo 
di Venezia in Rom, deren Entfernung durch Restaurirungsarbeiten noth- 
wendig geworden war und die allem Anscheine nach noch aus der Zeit 
der Erbauung des Palastes stammen, zum Geschenke gemacht. 
Elektrische Beleuehtimg der Museumsräume. ln Ueberein- 
stimmung mit dem ErzherzogvProtector brachte der Director in der 
Curatoriumssitzung am 24. Mai die elektrische Abendbeleuchtung des 
Museums in den Wintermonaten zur Sprache. Das Curatorium schloss 
sich seiner Anschauung an und fasste nach längerer eingehender Berathung 
einstimmig den Beschluss, besonders in Berücksichtigung der arbeitenden 
Classen, die Einführung der elektrischen Beleuchtung dem Ministerium 
auf das wärmste zu empfehlen. 
Besuch des Museums. Die Sammlungen des Museums wurden im Monate 
Mai von 7956, die Bibliothek von 12.64 PCTSWE" besuchl- 
Vorlesungen. Am a8. Februar sprach Dr. Riegl i-Ueber die Entwickelung der 
Schrift im Zusammenhang: mit der Reihenfolge der Kunststileu. _ _ 
Der Vortragende beschränkte sich in seinen Darlegungen auf die Zeit von Christi 
Geburt bis zum heutigen Tage, räumlich auf das christliche Abendland. Ausgehend von 
den Steininschriften der Auguateiachen Zeit wurde die Entwickelung, der Bucberschrift 
durch die altehristliche Zeit bis zur Ausbildung der karolingiselien Minuskel _verfolgt f 
ein Procesa der Anpassung rein antiker Formen an die jeweiligen Bedürfnisse der in 
ihrer Entwickelung fonschreitenden jungen Culturvolker des Mittelalters, womit die B_e- 
wegung in den Künsten vollkommen parallel lauft. Von romanischer Zeit an ist es die-
	        

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